Krankensalbung


Zeichen der Hoffnung für unsere Kranken

Krankheit ist nicht nur eine körperliche Panne. Im Kranksein wird dem Menschen bewusst: mein Leben ist von Grund auf gebrechlich und fragwürdig. Der Kranke erlebt das Ausgeliefertsein (an Pflege, Arzt, Apparate), er ist aus der Gemeinschaft herausgerissen, zur Untätigkeit und zum Ertragen von Schmerz gezwungen. Das alles ist neu oder leidig alt für ihn und will innerlich bewältigt sein. Das Kranksein mit allen Folgen – bis hin zum Sterben – ist eine Herausforderung an den Glauben eines Menschen. Wer allzu sehr gesetzt hat auf seine persönlichen Kräfte, seine Begabung, Tugendhaftigkeit, Beziehungen oder Ansehen, erfährt plötzlich Ohnmacht und fragt: worauf baue ich jetzt? Man bekommt Zeit zum Nachdenken über das eigene Leben – auch über Gott. Nicht selten wird eine so ungewollte Ohnmachtserfahrung zu einem neuen inneren Anfang.


WAS WILL DIE KRANKENSALBUNG?


Mitten in dieser Unheil-Situation soll der Kranke erfahren: Ich bin nicht allein gelassen – weder von Gott, noch von der Gemeinde. Das wird leibhaftig deutlich in der sorgenden Pflege durch andere, im fürbittenden Gebet glaubender Menschen, am stärksten aber in der zeichenhaften Zuwendung der Krankensalbung.

Sie ist nicht Sterbesakrament, das erst kurz vor dem Tod empfangen werden soll. Deshalb muss der irreführende Ausdruck "letzte Ölung" aus dem Sprachgebrauch verschwinden.

Sie ist nicht Todesweihe. Wie oft wird der Priester aus falschem Verständnis als erschreckender Todesbote verstanden!

Sie ist keine Eintrittskarte in den Himmel. Angehörige leben oft in der Angst, ohne Krankensalbung sei ein Sterbender verloren und bitten noch um die Spendung des Sakramentes Stunden nach dem Tod.


DIE KRANKENSALBUNG IST VIELMEHR:

  • Hilfe, im Glauben die derzeitige Lage anzunehmen.
  • Kraft, der Angst und Resignation zu widerstehen
  • Zeichen der Hoffnung auf neue Gesundheit oder auf einen Durchbruch zum verheißenen ewigen Leben.
  • Erfahrung, was gemeinsames Gebet Glaubender vermag.
  • Zusage der Sündenvergebung.


Ein Kranker steht in seiner Leidenssituation dem leidenden Herrn in besonderer Weise, vielleicht sogar in dramatischer Weise nahe. In dieser herausfordernden Situation seiner Nachfolge des Herrn soll der kranke Mensch nicht allein gelassen sein. Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken Heil bringen. Keine Schuld soll ihn von Gott trennen. Ja, der Herr, der um das Leiden weiß, weil er selber furchtbar gelitten hat, will ihm ganz nahe sein und ihn aufrichten.


Der Empfang des Sakramentes der Krankensalbung soll den Kranken in besonderer Weise mit Christus (d. h. wörtlich dem Gesalbten Gottes) verbinden. Darum darf der Kranke in jeder ernsten Krankheit das Sakrament der Krankensalbung empfangen, um so die stärkende Nähe des Herrn zu erfahren. Dieses Sakrament ist ein Sakrament der Lebenden, es will den Kranken keineswegs vorzeitig dem Tod überantworten. In der Gemeinschaft mit Christus wird der Kranke aber auch das Sterben bestehen, denn der Mensch ist zum Leben bestimmt und nicht zum Tod.


Bedenkenswertes zum Sakrament der Krankensalbung... der sich Deiner annimmt

Kann sein, dass diese Worte manche von Ihnen in diesen Tagen an das Rosenkranzgebet erinnern. Ich selbst möchte aus gegebenem Anlass auf den Zuspruch Gottes, in dem Sakrament der Krankensalbung, hinweisen.

Leider wird die Krankensalbung oft als „letzte Ölung", ja sogar als „Sterbesakrament" bezeichnet. Doch das eigentliche Anliegen ist die Stärkung des Kranken durch Zuspruch, Gebet und dem sinnenfälligen Zeichen der Handauflegung und Salbung. Gott selbst nimmt sich des Hilfebedürftigen und Hilfesuchenden an.


Dem kranken Menschen die Sündenvergebung zusprechen im realen Zeichen des Sakramentes mag das Göttliche an den Grenzen des Lebens durchscheinen, transparent werden lassen und so auch eine „Erleichterung und Stärkung des Kranken" bewirken. Jahre fließen zusammen, gerinnen zu intensiven Momenten. Kein medi­zinischer Aktionismus regiert. Es ist die Zeit der Zeichen. Das Wichtigste tut gegenwärtig ein An­derer, so hoffe ich. Was bleibt ist anwesend zu sein und dem Kranken „das Geleit" zu geben. So ist auch der rasche Tod nicht das Ideal. Wer nichts „mitbekommt", dem wird nichts „mitge­geben" in Zeiten äußerster Not.


Die Hoch - Zeiten des Lebens verlangen nach Zeichen. Diese helfen nicht nur über stumme Verlegenheit und das Grauen der Leere hinweg. Gott ist es, der sich Deiner annimmt.


Die Krankensalbung ist auch Hoffnungszeichen über den Tod hinaus.


Ich möchte eingehüllt in Zeichen der Hoffnung leben, sterben und wirklich auferstehen.


Michael Dederichs,

Kooperator