Berichte

„Das Leben kann Spuren von Müssen enthalten“

Impuls für Samstag, 4. Juli von tobias Gfell

Jetzt machen wir unser eigenes Ding – sagte Thomas Jefferson, schrieb es auf und da waren sie nun, die Vereinigten Staaten von Amerika, die immer am 4. Juli ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien gedenken und munter picknicken oder andere Feiertraditionen pflegen. Gerne hätte Jefferson bei dieser Gelegenheit 1776 auch die Sklaverei verurteilt, aber da der Kontinental-kongress auch die Zustimmung der sklaven-haltenden Kolonien zu dieser Erklärung finden sollte, strich man diesen Passus wieder aus der Unabhängigkeitserklärung, die so beginnt:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“

 

Wenn also auch die erstmals in einem offiziellen Dokument aufgeschriebenen (und biblisch begründeten) allgemeinen Menschenrechte in der Praxis nur den freien weißen Männern, nicht aber Frauen, Sklaven und freien Schwarzen zustanden, so war doch mit diesem Text ein unhintergehbarer Anfang gemacht. Ein neuer Wein, eine Kultur der „Glorreichen Sache“, die nicht nur dem eigenen Volk, sondern der ganzen Menschheit zugutekommen sollte.

 

Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten. Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt man nicht jungen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Jungen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten.

Matthäus 9,14-17

 

So einfach ist das nicht mit dem neuen Wein und den alten Schläuchen. Schon sehr oft dachte ich, dass mich dieser Text stresst.

 

Gern wird er gebraucht von denen, die sowohl wissen, was neuer Wein ist als auch, dass sie die neuen Schläuche kennen. Das Evangelium als neuer Wein, verpackt in einer neuen Form, dann kann es ankommen. Und die, die sich mit neuen Formen schwertun, die krampfen sich damit ab. Das wirkt genauso unglaubwürdig, wie die, die darauf beharren, dass eine Katechese aus den 80er Jahren auch 2020 nicht schlecht sein kann.

 

Mich stresst der Text, weil er auf den ersten Blick so viel verlangt: Ich verstehe darin, dass es nicht reicht, wenn du die Botschaft der Barmherzigkeit und verwandelnden Nähe Gottes nur hörst, gut findest und hier und da anwendest. Das muss auch in neue Schläuche, das muss auch in deine Lebensvollzüge hinein, das muss sich auch bewähren, muss deutlich werden.

 

Muss. Sonst ist es nicht perfekt und irgendwie inkonsequent und auf tönernen Füßen. Das kann sonst nicht klappen, die Schläuche bersten.

 

Es scheint mir so eine Leistungsreligion zu sein. So ein „wenn – dann“. Da muss was funktionieren, wir müssen bekennen mit Gedanken, Worten und Werken. Keine halben Sachen.

Die Unabhängigkeitserklärung ist aus heutiger Sicht so eine halbe Sache, da sie nicht für Frauen und für Schwarze gilt. Das geht gar nicht.

 

Hätten diese Leute aber damals nicht diesen Anfang gesetzt?

 

Erst auf einen zweiten Blick, wenn man den Zusammenhang dieser 4 Verse sieht, wird etwas anderes deutlich. Warum die Jünger Jesu nicht fasten, fragen die Jünger des Johannes. Warum sie sich nicht adäquat und erkennbar als Anhänger dieser Bewegung zeigen, ist die eigentliche Frage dahinter. Und da spricht Jesus von etwas anderem als von einer Leistungsreligion. Teresa von Avila wird es 1500 Jahre später so ausdrücken: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn“. Nicht die Leistung zählt, sondern die Situation gibt immer neue Aufgaben.

 

Es gibt eine Zeit für alles, die Tat muss angemessen sein. Das muss zusammenpassen, so wie eben neuer Wein zu neuen Schläuchen passt. Das stresst nicht, das ist ein Kunstwerk des Lebens.

 

Zwei Untersetzer sollen das letzte Wort haben. Sie haben in unserem Haushalt schon so manche Situation kommentiert. Auf dem einen steht: „Achtung! Das Leben kann Spuren von Müssen enthalten.“ Gut, dass mal auch etwas muss, denn wenn es passen soll, dann geht das nicht, wenn alles egal ist.

Und der andere Untersetzer trägt den Schriftzug: „Ich bin übrigens nicht perfekt und ich arbeite auch nicht daran!“ Am Kunstwerk des Lebens arbeitet man nämlich nicht, man steht dazu, wirkt nach Kräften und vor allem lässt man wirken.

 

Zum 4. Juli 2020, Tobias Gfell

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Gedanken zu Joh 20,24-31

Impuls für Freitag, 03.07. von Pfarrer Dederichs

Tot ist tot. Leichtgläubig macht der Wunsch die Menschen. So spricht der kritische Mensch zu jeder Zeit. So denkt Thomas, der Jünger Jesu. „Ich werde es nicht glauben…“, sagt er, als ihn die Botschaft das Jesus lebt durch die anderen Jünger erreicht. „Ich werde es nicht glauben ehe ich es selbst gesehen und betastet habe“. Am Abend im Kreis der Jünger, Thomas ist jetzt Anwesend. Jesus kommt, wiederum, wie acht Tage zuvor, trotz ver­schlossener Türen. Er spricht den Friedensgruß, der gilt allen, diesmal besonders dem Thomas. Jesus stillt das Verlangen von Thomas. Thomas darf hören, sehen und betasten. „Werde nicht ungläubig, sondern gläubig“

Christus wirbt um seinen Jünger. Indem Jesus den Thomas anspricht gibt er ihm freien Raum. Ob Thomas seine Hand auszustrecken gewagt hat, bleibt unausgesprochen. Es ist nicht wichtig. Doch dann: „Mein Herr und mein Gott“. Thomas, er kennt ihn im doppelten Sinn und bekennt. Ungewöhnlich ist die Antwort Jesu. Er, der auferstandene Herr preist den Nichtsehenden und doch Glaubenden selig. Auf dem, was der Mensch sieht, kann der Glaube nicht ruhen und gewiss werden. Kritische Menschen werden nach Thomas kommen. Das ist gut so! Nichts wird durch Sehen und Tasten überwunden, sondern durch das Zeugnis von dem lebendigen Christus. Auch Thomas konnte nicht seinen Augen und Händen trauen, sondern Christus allein. Darum das Schweigen über das, was er tat, darum der nüchterne Bericht über sein Osterbekenntnis.

Der Evangelist Johannes sagt: zwar tat Jesus vieles mehr, doch es ist genug, was aufgeschrieben ist, genug im Hinblick auf das Eine, worauf es ankommt: Jesus ist der Christus, Gottes Sohn. Die sich zu ihm bekennen haben in seinem Namen Ewiges Leben. Mehr empfangen die Jünger Jesu und somit auch Thomas nicht. Was sie sahen, Jesus in seinem Leben und Leiden, seinem Tod und seiner verklärten Gestalt, war dem kritischen Widerspruch nicht weniger ausgesetzt, als was Menschen heute sehen. Der andere Thomas, nicht der scheinbar ungläubige Thomas und spätere Apostel, sondern Thomas von Aquin wird Jahrhunderte nach ihm in seinem hymnischen Bekenntnis zur Eucharistie schreiben: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. … Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: ‚Du mein Herr und Gott!‘ Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein.“

 

Pforzheim 3. Juli, Fest des Apostels Thomas

Michael Dederichs, Seelsorger, Priester

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03. Juli - FEST DES APOSTEL THOMAS - Int
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Die Begegnung zwischen Maria und Elisabet (Lukas 1,39-56)

Impuls zum Evangelium am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli 2020)

In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg

und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.

Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt

und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.


Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr;

dann kehrte sie nach Hause zurück.

Das Magnifikat, der Lobgesang Mariens aus dem Evangelium von heute, ist eines der schönsten Gebete der Christenheit. In der Vesper, dem Abendgebet der Kirche, stellt das Magnifikat die Mitte und der Höhepunkt dar. Aber auch der Satz Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes hat „Karriere“ gemacht und ist in das Ave Maria und den Engel des Herrn eingegangen. Es scheint also ein wichtiger Abschnitt aus dem Evangelium nach Lukas zu sein, den wir heute lesen oder hören.

Für das Ereignis, das darin beschrieben wird, haben zunächst die Franziskaner einen eigenen Festtag eingeführt, den Papst Pius V. dann 1570 in den römischen Kalender auf­ge­nommen hat. Die Bezeichnung dieses Festes Mariä Heimsuchung ist allerdings ziemlich antiquiert und oft können selbst „gute Katholiken“ erst etwas damit anfangen, wenn man das Magnifikat damit in Verbindung bringt.

Was ist aber das Besondere an dieser Begegnung zwischen Maria und Elisabet?

Was auffällt ist, dass es sich bei den handelnden Personen ausschließlich um Frauen handelt. Im Evangelium des Matthäus nimmt Josef die zentrale Rolle in der Kindheitsgeschichte Jesu ein. Durch ihn wird Jesus zum Nachkommen des Königs David und zu ihm spricht der Engel des Herrn im Traum und steuert damit den Lauf der Geschichte (Mt 1,18-25; 2,13-15). Maria erscheint dagegen nur als Randfigur.

Bei Lukas werden dagegen Frauen und Männer und ihr jeweiliger Beitrag zur Heilsgeschichte gleichermaßen berücksichtigt, wobei Maria eine herausragende Rolle zukommt. Der Engel Gabriel verkündet ihr, dass sie vor Gott Gnade gefunden habe und auserwählt worden sei, den Messias zu gebären (Lk 1,30 f.). Maria ist zunächst skeptisch und fragt nach, wie das sein könne, da sie ja nicht mit einem Mann zusammen sei. Mit ihrem Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast bekundet sie aber ihre uneingeschränkte Bereitschaft, sich in den Dienst Gottes zu stellen.

Die ganze Bedeutung ihrer Berufung wird Maria aber erst in der Begegnung mit Elisabet bewusst. Erst als Elisabet ihr gleich bei der Begrüßung zuruft Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes erkennt sie die ganze Dimension ihrer Aufgabe und kann Gott mit ihrem Lobgesang preisen, den wir heute als Magnifikat kennen.

Dem Evangelisten Lukas zufolge war es der Heilige Geist, der Elisabet dazu veranlasst hatte, ihre Verwandte Maria so zu begrüßen (Lk 1,41). Es steht natürlich außer Frage, dass Gott durch seinen Heiligen Geist wirkt, wenn es darum geht, das Heil für die Welt zu bewirken. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es eben dieses Gespräch von Frau zu Frau war, das es Maria leichter gemacht hat, ihre Berufung zu erkennen.

In vielen künstlerischen Darstellungen der Heimsuchung Mariens sehen wir drei Personen; oft wird hinter Elisabet noch ihr Mann Zacharias dargestellt, der Priester war. Umso interessanter ist es, dass im Fresko von Giotto in der Cappella degli Scrovegni in Padua kein Mann dargestellt wird, sondern dass Maria (im roten Gewand) zwei Begleiterinnen bei sich hat und dass im Haus der Elisabet eine weitere (schwangere?) Frau ist.

Heute wird in der Kirche viel über Berufungen im Allgemeinen und über die Berufung von Frauen im Besonderen gesprochen. Die Geschichte der Begegnung von Maria und Elisabet bringt mich auf den Gedanken, dass Frauen ihre Berufung vielleicht viel besser erkennen können, wenn nicht Männer ihnen ihre Rolle zuweisen (oder sie ihnen verweigern!), sondern wenn sie im geistlichen Austausch untereinander sind. Es wäre jedenfalls ein Gewinn für die ganze Kirche, wenn aus der Darstellung der herausragenden Rolle Mariens in der Heilsgeschichte bei Lukas mehr erwachsen würde als die Marienverehrung, die wir bisher kennen.

Der Lobgesang Mariens zeigt uns in einfachen und doch eindrücklichen Worten, um was es bei der Berufung geht: Nicht Amt und Macht, nicht Selbstverwirklichung und Aktionismus sind gefragt, sondern die Erkenntnis, dass wir Gott dafür loben sollen, dass er Großes an uns vollbringt und sich voll Erbarmen uns zuwendet. Geschichte und Gegenwart der Kirche zeigen, dass Männer manchmal ihre Schwierigkeiten haben, dies anzuerkennen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Frauen bei der Suche nach ihrer Berufung nicht an diesen Männern, sondern am Vorbild Mariens orientieren.

 

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de,
Telefon 07231 468556

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Die Begegnung zwischen Maria und Elisabe
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Ein frohes neues halbes Jahr!

Impuls am Mittwoch, 1. Juli - von anita ketterl

Der 1. Juli ist der 183. Tag des gregorianischen Kalenders in diesem Schaltjahr. Damit bleiben weitere 183 Tage bis zum Jahresende - das habe ich auf Wikipedia herausgefunden. Heute ist also der letzte Tag der ersten Jahreshälfte von 2020 - ein Jahr, das sich für alle anders entwickelt hat als gedacht. Es kommt mir vor, als wäre Silvester ewig her...

Morgen ist also so etwas wie ein Neujahr der zweiten Jahreshälfte. Natürlich wird sich das nicht so anfühlen wie am 1. Januar (sondern wärmer, ohne Raketen-Holzstäbe usw.).

Trotzdem ist es vielleicht eine gute Gelegenheit hier, mitten im Jahr, inne zu halten:

 

Wie erging es mir in den letzten Monaten?

Was habe ich in der Zeit über mich gelernt?

Was brauche ich jetzt, damit meine Seele zur Ruhe kommen kann? Was muss jetzt angegangen werden?


Vergessen Sie nicht anzuerkennen, was Sie in den letzten Monaten an Unsicherheiten durchgestanden und welche Berge an neuen Erfahrungen Sie bewältigt haben!

 

Seien Sie gesegnet in diesem neuen halben Jahr.

 

Mögen die Regentropfen sanft auf dein Haupt fallen.

Möge der weiche Wind deinen Geist beleben.

Möge der sanfte Sonnenschein dein Herz erleuchten.

Mögen die Lasten des Tages leicht auf dir liegen.

Und möge unser Gott dich hüllen in den Mantel seiner Liebe

(irischer Segenswunsch)

 

Anita Ketterl

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Patrozinium in Zeiten von Covid-19 (28.06.2020)

Am Sonntag, den 28.06.2020, feierte die Pfarrgemeinde St. Antonius ihr diesjähriges Patrozinium, ist ihre Kirche doch dem hl. Antonius von Padua geweiht, dessen eigentlicher Gedenktag am 13. Juni begangen wird.

Antonius ist nicht nur der Heilige, dessen Statue in fast jeder Kirche steht, den man anruft, wenn man etwas verloren hat, er ist auch Schutzpatron von Padua, der Stadt, in der er gestorben ist (13. Juni 1231), und Schutzpatron seiner Geburtsstadt Lissabon (*1195).


Außerdem wird er - um nur einiges zu nennen - als Patron der Armen, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder, der Bäcker, der Bergleute und Sozialarbeiter verehrt.

Trotz Corona: Es war ein würdiger und feierlicher Festgottesdienst, den Pfarrer Georg Lichtenberger mit der Gemeinde unter Corona-Bedingungen feiern konnte.

Unter der Leitung von Gwendolyn Phear sorgten vier Sängerinnen des Kirchenchores, begleitet von Petrit Hamiti an der Orgel und unterstützt von Nigel Treherne, dem Mann der Chorleiterin, an der Oboe, für eine festliche musikalische Umrahmung der Eucharistiefeier.

Natürlich gab es anschließend kein Fest im und am Pfarrzentrum. Auch mussten sich dieses Jahr alle selbst verköstigen und auf die schon liebgewonnenen Begegnungen und Unterhaltungen verzichten. Aber wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder ein Pfarrfest feiern können, im Bewusstsein, dass wir nicht alles, auch im Gemeindeleben, für selbstverständlich halten können.

Herzlichen Dank an alle, die diesen Gottesdienst mitgestaltet und mitgefeiert haben.

Text und Fotos: Helmut Jahn


Der Sturm auf dem See Matthaus 8, 23-27

Impuls von BARBARA ULMER zum Tagesevangelium, Dienstag, der 30. Juni 2020

Er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm nach. Und siehe, es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein. Die Menschen aber staunten und sagten: Was für einer ist dieser, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?



Mit Jesus in einem Bot im Jahre „Corona“. Es schaukelt doch ganz gewaltig.: Wenn wir die Nachrichten ansehen, merken wir das der Sturm nicht mehr weit ist: Hunger in der Welt, Rassismus, Gewaltbereitschaft, Antisemitismus, Pandemie und die damit verbundene Angst um die Existenz, Kriege, Terror, ...


„Jesus, der du für uns der Christus bist. Wach auf! Wir gehen unter!!!“

Was ich mir wünsche: Ein tiefes, vollkommenes Vertrauen in Jesus Christus. Schließlich feiern wir jeden Tag ein Stückchen Auferstehung. Die Angst darf mir nicht das Leben rauben. Wir sind aufgehoben in der Liebe Gottes. Das will ich mir immer wieder vor Augen halten. Das soll mein Rettungsring sein.

Ihre Barbara Ulmer

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Gutes im Herzen behalten

Impuls am MoNTAG 29.6. von Dr. Josef Fodor, Pastoralreferent

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht. Der Geschlagene war gekränkt. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand:
"Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen."

Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase. Dort beschlossen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute. Nachdem sich der Freund, der fast ertrunken war, wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein: "Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet."

Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: "Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?" Der andere Freund antwortete: "Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand Schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann."

Mögen auch wir nur das Gute in Stein meißeln, alles andere darf der Wind des Verzeihens fortschaffen...

Dr. Josef Fodor, Pastoralreferent

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Pfarrbrief Nr.8 (27.6.-26.07.2020)

Vorwort

Abschied und Neubeginn… Der so schnelle, schmerzhafte Abschied von unserem Dekan Bernhard Ihle steckt vielen von uns noch in den Knochen und tut einfach weh. Er wird schmerzlich vermisst, auch wenn wir daran glauben und darauf vertrauen, dass wir mit ihm verbunden bleiben, wie die Früchte, Blätter und Blüten unseres Titelbildes an dem einen Baum des Lebens, in der Liebe Gottes selbst.

Abschied und Neubeginn… und brutal schnell bekommt es die Gemeinde St. Franziskus, wie zuvor schon Herz Jesu, Liebfrauen mit Huchenfeld und Büchenbronn, St. Antonius, St. Bernhard mit Hl. Familie und mehr und mehr auch St. Elisabeth mit Würm zu spüren: „Wir haben keinen eigenen Pfarrer mehr…“


Klar: Spätestens seit 2015 sind wir ja auch eine Kirchengemeinde hier in Pforzheim und keine der bisherigen Pfarreien kann einen Priester als Pfarrer ausschließlich für sich selbst reklamieren. Aber immerhin: In unserer großen Kirchengemeinde arbeiten immer noch 14 hauptamtliche pastorale Kräfte, nicht alle mit einer „vollen“ Stelle, manche in Teilzeit. Vier von ihnen sind Priester, die in der ganzen Kirchengemeinde die Gottesdienste mit Ihnen feiern und darüber hinaus, wie die anderen pastoralen Mitarbeiter*innen auch, ihre Schwerpunkte vor Ort haben und behalten.

Blüte und Frucht sieht man selten an einem Baum. Zur Zeit feiern viele unserer Kirchen Namenstag: Der heilige Antonius erinnert an Jesus, der jene, die sich verloren vorkommen, sucht und findet. Das Herz-Jesu-Fest und die Liebe Gottes, die das Leben mitten in unserer Stadt durchpulsen möchte. Bernhard, der Mut macht, Privilegien aufzugeben, zuzupacken, zu helfen, wo Not ist und dafür auch manches zu riskieren. Der heilige Ulrich und der Traum von einer menschlichen Kirche. Unsere liebe Frau, Maria, die jene Hoffnung in sich trug, die uns trägt und die der Welt vom Heil Gottes singt. Hoffnungszeichen, Blüten, Mutmacher. Ich brauche sie und wünsche Sie Ihnen – und, dass wir dann auch die eine oder andere Frucht miteinander genießen dürfen!

Von Herzen

 

Georg Lichtenberger

 

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Kath. Kirchengemeinde Pforzheim
MANTEL
Pfarrbrief-Mantel-Nr.8-2020.pdf
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Pastoraler Raum Pforzheim-West
St. Antonius - St. Bernhard - Hl. Familie
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Impuls zu Mt 10,37-42

am 13. Sonntag A 28.06.2020

„Du bist würdig. Und wie.“ So endet der Impuls von Tobias Gfell zum Samstag. Und dann das: „…ist meiner nicht wert… ist meiner nicht wert… ist meiner nicht wert…“ Nein, nicht nur einmal. Würde ja reichen. Gleich dreimal hintereinander: „Ist meiner nicht wert…“ Ja, was jetzt: „Du bist würdig. Und wie.“ Oder: „…meiner nicht wert…“ Heftig. Dieser Jesus ist nicht pflegeleicht. Er fordert mich ganz schön heraus. Ist es ein „Hallo-aufwachen-Apell“, wenn ich mich zu sehr in meinem Glauben eingekuschelt habe? „Gott vergibt ja sowieso. Ich wenigstens gehe ja noch in die Kirche. Ich wenigstens bin ja noch gläubig. Ich wenigstens halte noch an dem fest, was mir schon als Kind beigebracht wurde…“ Ist das schon alles? Mehr nicht? Könnte schon was dran sein, denk ich mir, an diesem „Hallo-wach-Ruf“ Jesu.

 

Oder muss ich vielleicht nachschauen, für wen die Worte eigentlich sind? Zu seinen Aposteln spricht Jesus. Wahrscheinlich haben die ja oft genug den Krach in der Familie und im Freundeskreis gehabt: „Was rennt der denn diesem Jesus hinterher? Na, ja, wegen mir kann die ja glauben was sie will, aber für den von zu Hause davon rennen? Das geht gar nicht! Jetzt hat er es endlich mal zu was gebracht und könnte das schöne Fischereigeschäft, das schon seit Generationen in der Familie ist, übernehmen… Und was jetzt? Jetzt macht er sich aus dem Staub, zieht in der ganzen Weltgeschichte herum und erzählt von diesem Jesus?“ Ganz zu schweigen von den ersten Christen, die natürlich massiven Verfolgungen ausgesetzt waren…

 

Ich glaube, dann sind diese Worte Jesus auch wieder als kräftige Mutmacher gemeint. Nicht um Menschen klein zu machen. Nicht um ihnen ständig ein schlechtes Gewissen einzureden. Ich höre da eher die Ermutigung in diesen harten Worten: Nein, es ist nicht alles immer locker, flockig, easy. Manchmal geht es auch um ziemlich brutale Entscheidungen. Manchmal verstehen uns die nächsten Menschen nicht. Trotzdem: Es ist nicht alles gleich-gültig. In dieser Welt, in der global und ohne Grenzen willkürlich gelikt und gehatet wird, in der Beleidigungen und Erniedrigungen grad mal so smart vom Phone gezwitschert werden, in dieser Welt gehört Mut dazu, sich auf die Seite Jesu zu stellen. Es gehört Mut dazu bei der Liebe zu bleiben gegen allen Hass. Schwimmt nicht einfach mit. Stimmt nicht ein in den Chor der Stammtischparolen. Macht nicht die Augen, die Ohren und den Mund zu – Hauptsache keinen Ärger… Es gehört Mut dazu unbequem zu sein und immer noch daran zu erinnern, dass diese Welt und unser Leben auch in dieser Stadt Gerechtigkeit braucht, und Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und jene göttliche Menschlichkeit, ohne die wir alle zum Tier werden.

 

Apropos Tier. Heilige werden ja auch gerne mal mit einem Tier dargestellt. Der Heilige Ulrich zum Beispiel mit dem Fisch. In Huchenfeld feiern wir an diesem Samstag seinen Namenstag. Komisch. Der war doch ein Fürstbischof. Ein sehr erfolgreicher sogar. Beliebt als Friedensstifter, volksnah, glaubwürdiger Vertreter einer menschenfreundlichen Kirche. Nicht nur deswegen hatte er natürlich auch Feinde. Einer von denen schickt ihm mit einem Boten einen Brief. Es ist Freitagmorgen als der Postbote kommt. Der gute Ulrich hat vom Vorabend noch ein Stück Braten übrig. Den gibt er dem Boten mit. Als Belohnung. „Jetzt hab ich ihn“, denkt sich der Bote und präsentiert seinem Herrn, jenem Intimfeind von Ulrich eben, diesen Braten. An einem Freitag! Fleischverbot! Von wegen Heiliger! Nur als der Bote den Braten auspackt, da ist dieser zum Fisch geworden. So die Legende…

 

Da hat wohl jemand den Braten gerochen! Als ob das Freitagsgebot darüber entscheiden würde, ob jemand ein guter Christ ist oder nicht. Als ob Gott mit so kleinen Gemeinheiten zu beeindrucken wäre. Nein, bei ihm kommt es auf ganz anderes an. Dass diese Welt ein Schutzraum des Friedens Gottes werden kann, dass diese Kirche ein Schutzraum der göttlichen Menschlichkeit ist, dass in ihr Menschen aufgenommen und angenommen werden, dafür hat der heilige Ulrich gelebt und sich eingesetzt.

Versöhnung, Frieden, göttliche Menschlichkeit gegen alles kleinliche Gezänk, gegen alle Rechthaberei in Kirche und Gesellschaft, verschwenderische Großzügigkeit der Liebe gegen jede Gesetzlichkeit der religiösen Griffelspitzer – dazu macht mir der hl. Ulrich Mut.

Beim hl. Antonius ist es meist ein Brot und nicht ein Tier. Antoniusbrot. Mehr als an Antonius erinnert es noch an jene junge Mutter, deren kleines Kind durch die Hilfe des Heiligen gesund geworden ist. Dafür war sie so dankbar, dass sie Antonius und seiner Gemeinschaft viele Jahre lang so viel Brot wie ihr Kind wog zur Verfügung gestellt hat, damit diese das Brot an arme Mütter austeilen.

 

Dankbarkeit, Großzügigkeit, offene Herzen und Hände gegen alles „Immer ich zuerst“. Antonius und die junge Mutter machen dazu Mut: „Das könnt ihr leben. Ihr seid es wert das offene Herz und die offenen Hände Gottes in dieser Welt zu sein. Ihr seid würdig, die göttliche Barmherzigkeit und die Verschwendung seiner Liebe hier und jetzt in euer Leben zu tragen!“

Ein Lied spukt mir im Kopf rum, das wir früher oft gesungen haben: „Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gespart, was hast du alles besessen?....Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gewusst, was hast du Gescheites gelernt?... Der Herr wird nicht fragen: Was hast du beherrscht, was hast du dir unterworfen?...Der Herr wird nicht fragen: Was hast du erreicht, was hast Großes gegolten?...Seine Frage wird lauten: Was hast du geschenkt, wen hast du geschätzt? Wem hast du gedient, wen hast du umarmt, um meinetwillen? Seine Frage wird lauten: Was hast du gewagt, wen hast du befreit?...Was hast du bewirkt, wen hast du gewärmt? Was hast Du getan, wen hast du geliebt um meinetwillen?...Seine Frage wird lauten: Hast du mich erkannt? Ich war dein Bruder um deinetwillen?“

Schenken, schätzen, dienen, umarmen, wärmen, befreien – alles Dinge, so meint dieses Lied, worauf es ankommt, wenn er kommt. Ich hoffe ich liege nicht ganz daneben, wenn ich meine, dass Jesus dazu Mut machen möchte. Sogar wenn es sich so scharf und streng anhört, wie dieses dreimalige „meiner nicht wert…“ Wir dürfen und können die göttliche Alternative in all den grausamen Alternativlosigkeiten dieser Welt sein. Wir dürfen und können, so wie wir sind, mit all unseren Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, schenken, schätzen, dienen, umarmen, wärmen. Weil wir ja selbst beschenkt, geschätzt, umarmt und gewärmt werden. Daran glaube ich. Dazu macht mir Jesus Mut. Und deswegen kann wegen mir auch dieser Impuls genauso enden wie der letzte: „Du bist würdig. Und wie.“

 

Georg Lichtenberger

 

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13 Sonntag im Jahreskreis A 28.06.2020.d
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Nicht würdig, merk-würdig, hochwürdig

Zum 27. Juni 2020, Tobias Gfell

Thorsten feiert die Liturgie immer etwas anders als andere, hat er mir mal erzählt. Hier ein Wort weniger, dort ein Gedanke mehr. Die Antworten, die Gebete „des Volkes“ hat er nicht einfach so dahingesagt, sondern hinterfragt, überlegt, was sie in ihm auslösen.

 

So war der Herr nicht nur mit ihm, sondern auch ‚mit dir‘ und nicht „mit deinem Geiste“. Der Geist, den wir alle in der Taufe empfangen haben, macht keine Unterschiede.

 

Erhobenen Herzens erzählte er von dem Priester, der nicht sagte „Erhebet die Herzen“, worauf alle sagen „wir haben sie beim Herrn“, sondern „Wo habt ihr eure Herzen?“. Zum ersten Mal seit langem erlebte er das nicht als Floskel, während derer einer im Messbuch blättern konnte, um die nächste Floskel aufzuschlagen.

 

Als Thorsten mir dies damals erzählte, da kannte ich noch keinen Priester, der mich einlud, das „Durch ihn und mit ihm und in ihm... ist dir Gott alle Herrlichkeit und Ehre“ zu sprechen, statt durch ein knappes „Amen“ nur zu bestätigen. Wie hoch, so sagte er, will denn das Hochgebet sein, damit wir es nicht mehr erreichen und es uns auch nicht? Wenn alle das Tor gesehen und erlebt haben, so ruft dann am Ende einer Tor und alle anderen murmeln ‚So sei es‘? Das ist die Höhe, aber nicht hoch und erhaben.

Und wenn es hieß: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund“, da begann er mit: Herr, ich bin würdig...“

Er hat damals sehr oft in seiner Kirche, in der er arbeiten wollte, erlebt, dass man ihn nicht für würdig hielt, wenn er so ist, wie er ist. Auf diesem Hintergrund hat er in diesem Fall hier etwas verschwurbelt, was eigentlich nichts mit einem Machtapparat Kirche zu tun hat, der seine „Schäfchen über die ständige Erinnerung an ihre Unwürdigkeit klein halten wolle“.

Der Satz findet sich beim Evangelisten Matthäus:

Als Jesus nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Soll ich kommen und ihn heilen? Und der Hauptmann antwortete: Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund! Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden. Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll dir geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde sein Diener gesund. Mt 8,5-10.13

 

„Soll ich etwa kommen und ihn gesund machen?“ Der fromme Jude macht sich im Hause des nichtjüdischen Soldaten unrein. Das wissen alle, auch der Hauptmann, daher: Ich bin nicht würdig, es wäre ein hoher Preis, den Du, Rabbi hier zahlen musst, wenn Du uns hilfst.

Der Hauptmann ist normalerweise ein Macher. Seine Befehle wirken. Doch hier spürt er, dass er mit seinen Mitteln und Befehlen nichts ausrichten kann. Sein militärisches Leben und Denken helfen nicht. Darum begibt er sich zu Jesus. Er erkennt, dass er sich einer Macht anvertrauen muss, die er selber nicht in der Hand hat.

 

Wer muss hier eigentlich gesund werden?

 

Kann es sein, dass hier nicht zuerst der Diener geheilt wird, sondern der Soldat, der sein bisheriges Leben in Frage stellt? Wird etwas heil, wenn er erlebt, dass er im Leben eines anderen Menschen nicht das letzte Sagen hat? Darin übergibt er das Leben des anderen, aber auch sein eigenes Leben der Macht Gottes. Und er darf diese Macht erleben als eine, die herausfordert, ihn aber nicht beiseiteschiebt, nur weil er aus einer anderen Kultur kommt oder einen militärischen Auftrag zu erfüllen hat. Jesus lässt ihn gelten als Mensch, der seine Bedeutung hat. Und das führt sicherlich auch zur Veränderung gegenüber dem Diener, der aus dem Besitz des Hauptmannes nun zu einer eigenständigen Person werden kann. Eine Heilung, die die Veränderung des Hauptmannes bewirkt.

 

„Herr, ich bin nicht würdig“ ist der Beginn des Prozesses der Wandlung, es ist der Beginn der Heraus-Forderung durch Gott, die mit dem Heiligen Geist befeuert wird zum Erleben:

Du bist würdig. Und wie.

 

Zum 27. Juni 2020, Tobias Gfell

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Der neue Pfarrgemeinderat hat sich konstituiert! (24.06.2020)

Zunächst traf man sich zur Eucharistiefeier in der St. Antonius-Kirche. Der feierliche Gottesdienst am Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers wurde musikalisch gestaltet von Bernhard Kaburek an der Orgel und durch den Gesang von Beatrice Fuhr-Herz und Thomas Ruland. Pfarrer Georg Lichtenberger erinnerte in seiner Ansprache an den unerwarteten Tod von Pfarrer Bernhard Ihle, legte einen Schwerpunkt auf das Fest der Geburt Johannes des Täufers und spannte den Bogen bis zur Geburt Jesu Christi, die wir in genau einem halben Jahr an Weihnachten feiern werden. Nicht zuletzt wandte er sich den neu gewählten Pfarrgemeinderäten zu, die gemeinsam mit dem Seelsorgeteam Verantwortung für die Zukunft der Kirchengemeinde haben.


Im Pfarrsaal waren die Fenster weit geöffnet und an den vorgesehenen Plätzen - gemäß der Corona-Verordnung mit dem notwendigen Sicherheitsabstand - bereits Namenskarten für die Pfarrgemeinderäte aufgestellt, so dass man seinen Platz auf dem kürzesten Weg erreichen konnte.

Frau Isabel Odenthal wurde erneut zur Vorsitzenden, Karl-Heinz Renner zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neben Pfarrer Georg Lichtenberger sind die weiteren Mitglieder des Vorstandes: Gabriele Weber (Pastoraler Raum Pforzheim-Innenstadt), Bianca Flachenecker (Pastoraler Raum Pforzheim-West), Gerlinde Bangert (Pastoraler Raum Buckenberg) und Andreas Weber (Pastoraler Raum Dillweißenstein).

Dem Stiftungsrat gehören neben Pfarrer Georg Lichtenberger als Vorsitzender und Karl-Heinz Renner für den Vorstand des PGR diese Mitglieder an: Georg Kleiner und Dominik Singer (St. Franziskus), Manitra Rakotomahefa und Gabriele Weber (Herz Jesu), Ralph Breunig und Helmut Jahn (St. Antonius), Petra Muche und Marko Smolčić (St. Bernhard mit Heilige Familie), Cornelia De Wallace, Andreas Weber und Konrad Weber (Liebfrauen mit hl. Kreuz, Büchenbronn und St. Ulrich,

Huchenfeld), Robert Feil und Joachim Palm (St. Elisabeth mit vom Hl. Geist, Würm).

In den Dekanatsrat des Dekanates Pforzheim wurden gewählt: Dominik Singer (Pastoraler Raum Pforzheim-Innenstadt), Karl- Heinz Renner (Pastoraler Raum Pforzheim-West), Robert Feil (Pastoraler Raum Buckenberg), Veronika Warzecha (Pastoraler Raum Dillweißenstein).

Mit der Bekanntgabe wichtiger Termine und einem kurzen Rückblick auf die während des Corona-Lockdown gemachten Erfahrungen mit den geöffneten Kirchen und den ersten Eucharistiefeiern mit einer beschränkten Anzahl von Gläubigen seit dem 10. Mai ging der Abend zu Ende.

Text: Karl-Heinz Renner

Fotos: Helmut Jahn und Karl-Heinz Renner

 


Keine Berührungsängste

Jesus begegnet dem Aussätzigen (Matthäus 4, 1 – 4)

Letzte Woche im Stadtbus: Eine Frau bekommt plötzlich einen Hustenanfall. Erschrockene Blicke von den Leuten in Ihrer Nähe, alle gehen aus Angst vor Ansteckung reflexartig etwas mehr auf Abstand. Sie selbst schaut mit hochrotem Kopf um sich und stammelt vor sich hin: „Entschuldigung! Kein Corona, ist nur meine Allergie!“ Das Virus ist fies, weil es nicht sichtbar ist, nicht offensichtlich, nicht erkennbar und gerade darin liegt die Gefahr. Vorsicht ist angesagt.

Matthäus beschreibt im heutigen Tagesevangelium eine Situation, in der Jesus allen Grund gehabt hätte, vorsichtig zu sein und auf Abstand zu bleiben. Nach der Bergpredigt sind viele Menschen mit ihm unterwegs, als ein Mann auftaucht und sich inmitten der Menge vor Jesus auf den Boden wirft. Schon von weitem ist erkennbar, dass er von einer schlimmen Krankheit gezeichnet ist. Aussatz, Lepra war bis in die jüngere Geschichte hochansteckend. Im Gegensatz zu Corona eine offensichtliche, erkennbare Gefahr. Um die Ausbreitung der todbringenden Krankheit zu verhindern, gab es nur eine Möglichkeit: die Betroffenen komplett von der Gemeinschaft zu isolieren. Kranke wurden aus der Dorfgemeinschaft und sogar aus ihrer Familie ausgeschlossen. Oft wurden sie in abgelegene, schwer erreichbare Täler verbannt mit allen schrecklichen sozialen Konsequenzen.

Wie kommt der Kranke überhaupt hierher? Hätte ihn denn niemand aufhalten können? Er könnte doch alle anstecken. Ich kann mir gut vorstellen, dass alle Menschen, die dabei waren, vor Schreck zurückgewichen sind. Ganz anders Jesus. Er geht auf den Kranken zu, streckt seine Hand aus und berührt ihn. Viele Heilungserzählungen der Bibel berichten das ähnlich, immer wieder: Jesus berührt die Kranken und durch seine Zuwendung erfahren sie Heilung.

Jesus zeigt damit, wie Gott ist. Er geht nicht auf Distanz zu uns. Er hat keine Berührungsängste. Er kommt uns nahe, rührt uns an trotz aller Ansteckungsgefahr mit seiner liebenden Nähe.

Wenn Gott so ist, dass er sich von nichts abschrecken lässt, auch nicht von dem, was in uns abstoßend, unansehnlich ist, was krankhaft, zerbrochen, unvollkommen ist, nicht einmal von dem, was wir selbst nicht an uns leiden können, dann macht mir das Mut über den heutigen Tag hinaus.

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin
26. Juni 2020

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Tausch dich noch glücklicher


"Wir tauschen noch einmal Kleider, weil es beim ersten Mal schon eine gute Resonanz gab"

Am 18. Juli, zwischen 11 – 15 Uhr

Kleidertauschen ist mit den üblichen Abstandsregeln und Hygienevorschriften unter freiem Himmel erlaubt und möglich.


2. Kleidertauschbörse am 18. Juli, 11-15 Uhr, vor der Herz Jesu Kirche


Umweltschutz ist nicht erst seit der Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus ein Thema in der Kirche. Dennoch ist man, wie viele in dieser Gesellschaft noch Anfänger, ein Verhalten einzuüben, das der Schöpfung dient und sie nicht ausbeutet. Eine Kleidertauschbörse kann dazu ein kleiner Beitrag sein, denn sie regt zum kritischen Konsum an und zeigt Alternativen zur Wegwerfgesellschaft auf. Die Herstellung von Kleidung verbraucht beachtliche Ressourcen und Energie, daher schonen alle die Umwelt, die das eine oder andere tauschen.

Am 18. Juli kommen Sie einfach vor die Herz Jesu Kirche und tauschen ihre mitgebrachte, gut erhaltene Kleidung gegen andere Kleidung ein. Jeder Besucher darf maximal 4 Teile mitnehmen. Wer nichts zum Tauschen hat, darf auch kommen. Bereits jetzt sind viele schöne Anziehsachen zusammengetragen worden. Diese Sammlung darf bis zum 18. Juli noch größer werden. Daher darf man (ausschließlich!) nach Absprache schon jetzt schöne, schicke und einwandfreie Oberbekleidung vorbeibringen. Nehmen Sie dazu bitte mit Gemeindereferentin Barbara Ulmer (Barbara.Ulmer@kath-pforzheim.de) Kontakt auf.

 

 

Samstag, 18. Juli 2020

 

Uhrzeit: 11- 15 Uhr

 

Ort: vor der Herz Jesu Kirche, Pforzheim, Jörg-Ratgeb-Straße

 

Veranstalter: Kath. Kirchengemeinde und Ökumenische Citykirche Pforzheim, www.oekumenische-citykirche-pforzheim.de

 

Pressemeldung

 

 

 

Ökumenische Citykirche Pforzheim
Pastoralreferent Tobias Gfell
Weiherstr. 3, 75173 Pforzheim
tobias.gfell@kath-pf.de

 


„Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ (Mt 7,24)

Impuls am donnerstag, 25. Juni von

Diese Worte Jesu hören wir im heutigen Tagesevangelium. Sie stehen am Ende der Bergpredigt. Darin legt Jesus umfassend das Gesetz Gottes aus. Seine Worte lehren uns, wie unser Leben vor Gott und den Menschen gelingen kann. Nun liegt es an uns, was wir daraus machen! Wer die Worte Jesu hört und sie befolgt, der hat sein Leben auf ein festes und zuverlässiges Fundament gebaut. Die Worte Jesu sind für uns Bausteine für ein gelingendes Leben. Doch worauf bauen wir wirklich in unserem täglichen Leben? Sind es die Worte Jesu, an denen wir uns messen, oder nicht doch andere Dinge, auf die wir uns fokussieren und nach denen wir uns gerne ausrichten? Was ist das Fundament unseres Lebens, was trägt und formt uns? Der oben genannte Vers aus dem heutigen Tagesevangelium lädt uns ein, mal darüber nachzudenken!

 

Da gibt es sicher viele Dinge, die uns einfallen und die wir für unser Leben als unverzichtbar halten: einen Beruf, in dem wir uns wohl fühlen, eine Familie, in der wir Heimat und Geborgenheit erfahren, Freunde, auf die wir uns verlassen und mit denen wir uns gut austauschen können, Gesundheit, Nahrung, Kleidung, usw., also auch ein gewisser Wohlstand. Es sind alles Dinge, ohne die unser Leben sicher nicht bestehen könnte. So sind es im Grunde viele Fundamente, auf die wir uns Leben bauen. Und daher legen wir auch sehr viel Wert auf sie. Doch machen sie uns wirklich immer glücklich und zufrieden? Gibt es nicht doch etwas, was uns im Tiefsten unseres Lebens Halt verleiht? Die Worte Jesu, in denen Gott zu uns spricht, wollen uns Sinn und Orientierung geben. Gottes Wort bildet das eigentliche Fundament unseres Lebens! Es ist die Grundlage für alles, was uns als lebenswichtig erscheint. Unter all den für uns wichtigen Fundamenten, steht Gottes Wort als das eigentliche Fundament, das uns trägt und stärkt; gerade auch in den stürmischen Zeiten unseres Lebens, in denen selbst die Fundamente, auf die wir so sehr setzen, am Wanken sind. Gott selbst aber ist niemals am Wanken!

 

So wünsche uns, dass wir das göttliche Fundament unseres Lebens neu entdecken, und uns immer mehr von den Worten Jesu im Evangelium prägen und formen lassen.

 

Thomas Stricker, Kaplan

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Berufen und gerufen

Impuls am Mittwoch, 24. Juni von anita ketterl

"Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt."

aus der Tageslesung aus Jesaja 49

In der Bibel finden wir viele Berufungsgeschichten, beispielsweise die von Jesaja, Mose oder Jona zum Propheten, Simon und Andreas zu Jüngern, Maria zur Gottesmutter. Diese Geschichten erwecken den Anschein, dass es immer um eine bestimmte Aufgabe oder ein kirchliches Amt geht, wenn Gott einen Menschen beruft - quasi eine Stellenbeschreibung. Berufen zu sein bedeutet aber mehr als nur einen Auftrag zugewiesen zu bekommen.


Berufen sind wir...

... weil Gott jede und jeden Einzelnen sieht und mit Namen kennt.
... weil jeder mit seiner Einzigartigkeit in der Schöpfung Gottes wichtig und unersetzbar ist.

... nicht als Mitglieder eines exklusiven Klubs.

... nicht nur zu Diensten und Berufen, sondern zu liebevollen Vätern, Töchtern, Patentanten, besten Freunden, Omas, Nachbarinnen, Tennispartnern, Cousinen, Ehepartnern, Vereinsmitgliedern, ehrlichen Findern, Blutspendern, und als Menschen, die völlig Fremden im Supermarkt mit Respekt und Verständnis begegnen.

... nicht nur zur Erfüllung von Pflichten, sondern zu einem erfüllten Leben.

Anita Ketterl


Der schmale Weg der Liebe – ein Weg auch für mich?!

Impuls von ILONA SGRÓ

Im heutigen Tagesevangelium (Mt 7,6.12-14) verbindet Jesus mit der „Goldenen Regel“ („Alles, was ihr also vom anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Mt 7,12) zwei Mahnungen:


Zum einen ruft Jesus - wie damals seine Jünger - auch uns heute dazu auf, das Heilige in unserem Leben besser zu schätzen und zu hüten. Doch was ist „das Heilige“?

Sicher gilt es, den großen Schatz der Sakramente neu hervorzuheben und die Menschen gewissenhaft auf deren Empfang vorzubereiten, da bei deren Spendung immer eine persönliche Christusbegegnung stattfindet. Bildlich gesprochen wird dem Empfänger eines Sakramentes immer eine Umarmung Gottes geschenkt, weshalb auch eine Antwort der Liebe darauf nicht ausbleiben und diese Umarmung erwidert werden sollte. Doch wo die Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes fehlt, oft auch aus mangelndem Glaubenswissen oder aus mangelndem Respekt, ist das Heilige der Gefahr ausgesetzt, entweiht zu werden.

Darüber hinaus müssen wir versuchen, die Schönheit des christlichen Glaubens noch stärker vor der Verwässerung bzw. Verdunstung zu bewahren. Gerade durch den Glauben können wir vor allem auch den spirituellen Wert der Herausforderungen in unserer Zeit erkennen und diese im Lichte des Evangeliums zu deuten versuchen. Letztlich kann dann alles, ja selbst die Corona-Krise, noch zu unserem Heil dienen, wenn wir bei allem bewusst danach trachten, unser Leben nach dem Willen Gottes auszurichten und nach Seinem Wort zu leben und zu handeln.

Zum anderen zeigt Jesus uns aber auch, dass der Weg des geringsten Widerstands nicht der Weg ist, der zum Heil der Menschen führt.

„Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.“ (Mt 7,13+14)

Jesus beschreibt hier also zwei mögliche Lebenswege: Den einen breiten und bequemen, der in den Untergang führt und den engen, schmalen, der zum ewigen Leben, somit in das Reich Gottes führt.

Wir müssen uns entscheiden: Entweder oder!

Will ich einfach mit dem breiten Strom mitschwimmen? Folge ich blind der Masse, ohne auf Gott zu hören bzw. nach Seinem Willen zu fragen? Mache ich, was alle tun, statt auf Gottes Wort und Seine Gebote zu achten?

Der heilige Paulus warnt vor dem breiten Weg, indem er in Gal 5,19 z. B. folgende Werke des Fleisches aufzählt, die den Menschen letztlich „versklaven“ und zum Verlust des ewigen Lebens führen können, wenn er nicht umkehrt: „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid, maßloses Trinken und Essen und dergleichen.“

Stattdessen sollen diejenigen, die Jesus angehören und den schmalen Weg folgen, nach Gal 5,24 „ihr Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden ans Kreuz … schlagen“.

Paulus lädt hier zu einer radikalen Christusnachfolge ein. Es geht ihm dabei nicht darum, das Schöne und Gute zu verachten, sondern es so zu gebrauchen, als besäße ich es nicht (vgl. 1 Kor 4). Denn letztlich bleibt nur Gott, die ewige Liebe und alles, was in Ihm Bestand hat.

 

Die Dinge (Geld, Macht, Ansehen …) und Geschöpfe dieser Welt vergehen und sind nur Windhauch (vgl. Koh 1,2). Wir sollen sie nicht zu unserem Endziel machen, um Gott, die Mitte und das Ziel unseres Lebens nicht aus den Augen zu verlieren.

Daher sollen wir nach Mt 6,33 zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit suchen, dann wird uns alles andere dazugegeben.

Bin ich bereit, den engen und schmalen Weg einzuschlagen, auch wenn er mich etwas kostet?

Wohl wissend, dass dieser mir gewiss mehr Engagement und Selbstdisziplin abfordert als der breite und komfortable Weg?

Schließlich sagte Jesus in Mt 16,24 zu seinen Jüngern: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“

Wenn ich mich also dafür entscheide, wie mein Meister auf den schmalen Weg zu gehen, auf dem nicht jeder geht, dann kommt es darauf an, die Gottes-und Nächstenliebe zu praktizieren, die alle Gebote Gottes zusammenfasst.

Sie bremst meinen eigenen Egoismus, meine Eitelkeit und meinen Stolz und hat nicht nur das eigene, sondern gerade auch das Wohl und Heil des anderen im Auge.

Das ist eine Haltung, für die es sich lohnt, den engen und schmalen Pfad der Liebe zu gehen. Denn wenn wir uns nach dem Beispiel Jesu selbstlos den Nächsten hingeben, kann Gottes Barmherzigkeit und Güte umso tiefer in die Dunkelheit unserer Welt aufleuchten.

Alles, was Gott in unserem Leben zulässt bzw. uns zumutet, können wir mit Seiner Hilfe in Liebe und Geduld annehmen lernen, wenn wir darauf vertrauen, dass Er es uns letztlich zum Guten gereichen lässt (vgl. Röm 8,28).

Zum Weg der Nachfolge Christi gehört folglich auch, unseren Mitmenschen nach dem Beispiel Jesu mit Würde und Feinfühligkeit liebevoll zu begegnen und ebenso an ihnen zu handeln. So können wir unseren Nächsten Gottes Heiligkeit nicht nur näher bringen, sondern ihnen sogar Gottes Liebe erfahrbar werden lassen.

Es gilt, die Mittelmäßigkeit im spirituellen Leben abzuschütteln und die Zeit, die Gott uns jeden Tag neu schenkt, zu unserem und zum Heil der anderen sinnvoll zu nutzen!

Für welchen Weg entscheide ich mich?
 

Ihre Ilona Sgrò, Gemeindereferentin

 

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Warum zeigst du auf andere, wenn drei Finger auf dich selbst zeigen?

Impuls am Montag, 22.6.20 von markus schütz

Diese freie Übersetzung des heutigen Evangeliums aus der Bergpredigt, Mt 7,1-5 beschreibt sehr gut, das ich schnell auf andere zeige, ohne zu merken, was ich selbst nicht gut mache.

Mit dem Finger auf andere zeigen erhebt mich gleichzeitig über andere Menschen, fühle ich mich als etwas Besseres. Manche Menschen meinen sogar, der Menschheit oder Gott etwas Gutes zu tun, wenn sie andere erniedrigen und ausgrenzen.

Das Gegenteil ist aber der Fall:

  • Ich handle nicht aus der Liebe heraus.
  • Ich verletzte Menschen und grenze sie aus.
  • Ich erniedrige auch Gott, der mir im Anderen begegnen will.

Mit meinem Erniedrigen und Ausgrenzen trage ich zum Rassismus in unserer Welt bei.

 

Richard Rohr, ein amerikanischer Franziskaner schreibt: „Die einzige Schule, in der wir Gott kennen und lieben lernen, ist die Schule der Menschlichkeit. Sie ist unser täglicher, lebenspraktischer Pfad zur Erleuchtung. Für uns Christen ist dies der Weg zur

 

Menschwerdung. Es ist die Liebe, die den Beweis erbringt, dass wir zu Gott gehören!“

 

„Was tue oder sage ich, um andere Menschen zu erniedrigen?“

 

„Wie kann ich dieses Verhalten verändern?“

 

Impuls am Montag, 22.6.20

Pastoralreferent Markus Schütz,
markus.schuetz@kath-pforzheim.de
Tel.: 07231-4557868

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Matthäus 10,26-33

Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Impuls zu Mt 10,26-33 am 12. Sonntag A 21.06.2020

Klingt nicht so gut. Zunächst jedenfalls. „Kommt alles raus!“ „Kommt alles ans Licht!“ „Gott sieht alles. Gott hört alles. Gott hat dich schon längst durchschaut!“ Drohungen. Kleine Kinder hat man damit klein gehalten. Auch als Erwachsene. Ein Aufpasser- Gott wurde ihnen in die religiöse DNA eingeimpft. Kein Wunder, dass viele von ihnen auf einen solchen „Überwachungs-Gott“ keine Lust haben…

Andererseits: So erfahre ich es ja auch irgendwie im Moment. Gerade in der Coronazeit. Die Krise bringt so manches ans Licht, macht vieles deutlich, unterstreicht so einiges, macht einiges offen-sichtlich, was wir eh schon geahnt haben. Wenn auf einen Schlag 7000 Mitarbeiter*innen einer Fleischfabrik in Quarantäne geschickt werden. Da kann doch was nicht stimmen mit unserem Billigfleisch. Da läuft doch einiges schief mit unserem Bedürfnis nach dem täglichen Fleisch, wo doch Jesus nur vom täglichen Brot spricht. Das geht doch überhaupt nicht, dass Billiglohnkräfte, für billiges Fleisch sorgen und unter grausam billigen, primitiven, unzumutbaren Umständen wohnen und leben müssen. Corona macht es deutlich: Das geht nicht so weiter. Das kann auch nicht länger, vertuscht, versteckt, gerechtfertigt werden. Vor allem: Ich kann etwas tun mit meinem Hunger nach dem täglichen, billigen Fleisch…

 

Die Krise bringt es ans Licht: vor allem die Ärmsten der Armen leiden am brutalsten. In Peru, in Brasilien, in Indien, in Angola und so vielen Ländern Afrikas, Südamerikas, Asiens. Aber auch bei uns. Jene, die in beengten Verhältnissen leben müssen, Arbeitslose oder jene, welche um ihren Job fürchten müssen, sozial Benachteiligte, die trifft es auch bei uns besonders hart. Armut macht krank. Corona bringt ans Licht, was eh schon Fakt ist.

 

So manches kommt in diesen Tagen zum Vorschein, was zuvor erfolgreich verborgen, verhüllt, versteckt und unter den Teppich gekehrt werden konnte. Ich finde schon, dass da auch die Chancen in dieser Krise liegen. Wir können miteinander lernen. Wie wir leben können. Wie wir möglichst nicht auf Kosten voneinander und von anderen leben. Wie wir überhaupt überleben können auf dieser gebeutelten Erde.

 

Ob es Jesus überhaupt darum geht? Seine Worte klingen wohl besonders seinen ersten Freundinnen und Freunden in den Ohren, die nach seinem Tod und seiner Auferstehung, seine frohe Botschaft verkünden wollten: „Die Liebe ist stärker als der Tod. Hände reichen ist besser als Fäuste ballen. Es geht um das, was nicht mit Geld zu kaufen ist. Gott ist für uns wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter. Er hilft uns auf die Füße und er möchte dass wir das Leben in seiner ganzen Fülle haben und nicht kleingehalten, niedergemacht und unterdrückt werden. Es geht um Gott und nicht um den Kaiser und die anderen Herren dieser Welt. Es geht um Gott und darum, dass sein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit, der göttlichen Menschlichkeit auf dieser Erde anbrechen möchte….“

 

Mit einer solchen Botschaft konnten sie eben nicht aufs Dach steigen und nicht die Bühne dieser Welt betreten, ohne dass sie dafür niedergemacht, verfolgt und umgebracht worden wären. Ich denke an die Jünger vor Pfingsten hinter verschlossenen Türen, im stillen und dunklen Kämmerlein. Oder an versteckte christliche Häuser in Rom mit dem Geheimzeichen des Fisches, weil sie sich verstecken mussten vor brutaler Verfolgung. Deswegen: „Was jetzt nicht gehört wird, was jetzt nur als stille Post um die Welt geht, was ihr euch jetzt noch überhaupt nicht zu sagen traut – das wird nicht verborgen bleiben. Wirkungslos auch nicht. Auch wenn ihr euch nur hinter verschlossenen Türen von mir zu erzählen traut, mein Brot der Liebe in dunklen Verstecken miteinander brecht, wenn ihr höchstens noch in Synagogen von mir erzählt und Angst um euer Leben haben müsst – das alles ist nicht umsonst und nicht vergeblich!“

 

Mutmachtexte in Verfolgung und Versteck, in Angst und Niedergeschlagenheit. Auch für mich? Ich werde doch nicht verfolgt. Ich kann doch offen und frei reden. Ich muss mich doch nicht verstecken. Bestimmt nicht. Aber, was mich wirklich im Innersten bewegt, was mir wichtig ist – kommt es an, wird es verstanden, hört überhaupt jemand zu? Unsere Botschaft von Jesus, vom Reich Gottes für diese Erde: Systemrelevant? Lebenswichtig? Der Meister der Geister hat jeden Samstagabend ein zigfaches an mehr an begeisterten Zuschauern, als der noch so gute, noch so tiefe, noch so eindrückliche und begeisternd gefeierte Fernsehgottesdienst am Sonntagmorgen. Auch zu Coronazeiten…

 

Ob das was wir in dieser Krise lernen könnten, ob das was wir im Hören auf Jesus und seine Botschaft für uns selbst lernen könnten und für das Überleben dieser Welt, ob das noch interessiert, zählt, bewegt und beschäftigt?! Und schon bin ich beim Klagen und Jammern – furchtbar! Und so will ich eine frohe und befreiende Botschaft verkünden? Also auch ich, vielleicht wir alle, wenn wir nur noch klagend, jammernd, anklagend Kirche sind mit hängenden Schultern und Köpfen, wir alle brauchen doch diese Worte, die uns Mut machen:

 

„Was heißt hier umsonst und vergeblich? Es geht doch nicht um Einschaltquoten und Erfolgsstorys und die besten Schlagzeilen. Alles Quatsch. Es geht um Gott. Es geht um seine Liebe, um seinen Frieden, seine göttliche Menschlichkeit. Das alles gehört ihm. Das alles kann ihm niemand nehmen. Er schenkt und er verteilt und er wirft diese Liebe, diese Gerechtigkeit, seinen Frieden und seine göttliche Menschlichkeit mitten hinein in diese Welt. Auch in eure Gesellschaft. Auch in eure Kirche. Mitten hinein in dein Leben. Mit offenen Händen. Ohne zu knausern. Überreichlich. Mit offenem Herzen. Ob andere das aufnehmen, sich beschenken lassen, das kannst du nicht machen. Aber: Du bist beschenkt! Du bist unendlich getragen, gehalten, geborgen. Nimm an, danke und lebe daraus. Die beste Voraussetzung, dass das was Gott schenkt und für diese Welt möchte nicht verloren geht….“

 

Ob das reicht? Ob wir so die Welt aus den Angeln heben können, die Armut besiegen und die Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg“? Nicht so schnell. Nicht so einfach. Stolpern und Fallen krieg ich wahrscheinlich nicht aus meinem Leben vertrieben. Aber in „Auferstehung“ steckt ja „aufstehen“ drin, nicht liegen bleiben. „Gott und ich sind immer in der Mehrheit…“, sagt einmal die Hl. Teresa von Avila. Klingt doch gut. Mir klingt das verdächtig nach Jesus und seinen Mutmachworten für seine Freundinnen und Freunde. Auch für mich. Auch für uns….


Georg Lichtenberger

 

 

 

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12. Sonntag im Jahreskreis A 21.06.2020.
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Lieben und Fressen?

Zum 20. Juni 2020, Tobias Gfell

Sie heißt Mila. Und sie tut, was Katzen so tun, kurz bevor die Menschen schlafen gehen oder mittendrin, wenn ich versuche, den Impuls für Samstag zu schreiben: sie fängt Mäuse. Nicht, dass in unserem Wohnzimmer diese frei herumlaufen würden. Sie fängt sich in der Regel eine Maus im Garten und bringt sie zum Spielen, zum Zeigen und irgendwann auch zum Fressen mit in die Wohnung.

Bei allem Verständnis für die Natur einer Katze: Gewöhnen kann ich mich nicht daran.


Die hör- und sichtbare Angst der Mäuse gibt der Harmonie der Schmusekatze einen bitteren Beigeschmack. Das Volk der Mäuse in und um die Liebfrauenstraße – nicht Segen, sondern die raue Pfote der Katze liegt auf ihm. Jeder, der das sieht wird erkennen: Das sind nicht die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat – denke ich so, während ich Jesaja 61 lese.

Jes 61,9-11So spricht der Herr: Die Nachkommen meines Volkes werden unter den Nationen bekannt sein und ihre Sprösslinge inmitten der Völker. Jeder, der sie sieht, wird sie erkennen: Das sind die Nachkommen, die der HERR gesegnet hat. Von Herzen freue ich mich am HERRN. Meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt und der Garten seine Saat sprießen lässt, so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen und Ruhm vor allen Nationen.

Wie ist das denn jetzt mit Gott? Tut er auch, was Götter so tun? Was ist denn da gerecht? Liegt es „in seiner Natur“ die einen zu lieben und die anderen zu fressen? Immer wieder in der Osternacht muss ich das fragen: „Rosse und Reiter warf er ins Meer“, die Ägypter kommen in den Fluten des Roten Meeres um, damit die Israeliten gerettet werden. Glücklich also, wer zum „richtigen“ Volk gehört? Wer hat die Exklusivrechte?

Wie geht der jüdische Glaube mit diesen Fragen um? Überrascht lese ich, wie das Pessach-Fest beginnt. Nicht grenzenlose Freude über die Errettung beim Auszug aus Ägypten herrscht dort, sondern bei der Erwähnung jeder der Plagen, mit denen die Ägypter geschlagen werden, wird ein Tropfen Wein verschüttet, so dass der Kelch der eigenen Freude nicht voll ist. Im Talmud findet sich der Hinweis auf die Frage der Engel ob Gott nun froh sei, dass sein Volk gerettet ist. Die Antwort Gottes: „Wie kann ich mich darüber freuen, wenn meine Geschöpfe ertrinken?“ Die Ägypter sind auch seine Geschöpfe. Was allgemein bei der Schöpfung gilt, gilt ganz konkret für die weißen, schwarzen, Küsten- und Berg-Völker, wie zum Beispiel beim Propheten Amos zu lesen ist: „Wohl habe ich Israel aus Ägypten heraufgeführt, aber ebenso die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir.“ (Am 9,7)

Ein Gott für alle wird hier gezeichnet, keine Exklusivität, wie hier und da angenommen. Und darin bringt er Gerechtigkeit hervor und „kleidet in Gewänder des Heils“. Gerecht lebt, der so zu Gott und den Menschen steht, dass Gottes Heilswille für alle wirksam werden kann. Rettend, liebend, aufhelfend.

Denn was wir schnell als willkürlichen Gott der Gewalt vermuten, hat doch auch die Seite des Königs, der sich, auch im Zorn, um die Bedrohten und Bedrängten kümmert, den Schutzlosen zu Gerechtigkeit verhilft.

Die Katze war bei den alten Ägyptern heilig. Wohl gerade weil sie Mäuse fing. Denn Getreide galt als kostbar und die kleinen Nager waren eine große Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung. Da waren die Katzen ein wirksamer Schutz vor dem Verhungern.

Ein wenig bin ich versöhnt mit meiner Katze.

Vor allem aber mit Gottes Gerechtigkeit.

Zum 20. Juni 2020, Tobias Gfell

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Das Herz Jesu

Persönliches Statements von michael dederichs

Biographisch kenne ich die Herz-Jesu-Ver­ehrung aus den besonderen Got­tesdiensten am Herz-Jesu-Freitag, in denen ich ab meinem neunten Lebensjahr als Ministrant frühmorgens diente. Mit dabei in der Hauskapelle waren Schwestern aus dem Orden des Heiligen Franziskus, die Kinder- und Altenheim zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hatten. Manchmal wurde ich auch ins Krankenhaus zum ministrieren einbestellt. Auch dieses Haus wurde von „Töchtern des Heiligen Franziskus“ geleitet. Der erste Freitag im Monat jedenfalls war bereits in meiner Kindheit aus dem Alltag herausgehoben. Bis heute erinnert mich der Freitag immer an die zentrale wie geheimnisvolle Botschaft unseres christlichen Glaubens: Gott ist leibhaftig Mensch geworden. Er ist nicht abstrakte Liebe geblieben, son­dern er hat in Jesus ein Herz aus Fleisch und Blut und mit diesem Freud und Leid bis hin zum Kreuz erlebt. Jesus war ein Mensch wie wir und gleichzeitig unendlich viel mehr. Das Herz Jesu ist für mich Symbol, mein Herz, mein Leben von Gott erfüllen zu las­sen, dabei fest im Hier und Jetzt zu stehen und gleichzeitig auf eine viel größere und weitere Wirklichkeit vertrauen zu dürfen.

Diese Botschaft hat sich damals tief in mein Herz eingegraben bis heute. Zweifelsohne ist es auch ein weiteres Geschenk meiner geistlichen Lehrer die mir später im Studium die biblisch, theologisch und anth­ropologisch an Herz legten. So z.B. wird in christ­licher Deutung Christus zum neuen Moses, der nicht nur das Wasser aus dem Felsen gibt, nach dessen Genuss man später wieder Durst bekommt, sondern der das lebendige Wasser gibt, das er aus dem „Fel­sen seines Herzens" spendet (Joh 19,34ff.). Dementsprechend ist der biblische Refe­renzpunkt für die Herz-Jesu-Verehrung die vom Johannes-Evangelium beschriebene Szene der Durchbohrung der Seite Jesu, aus der Blut und Wasser hervorquollen.

Für die Kirchenväter (2./3. Jh) in Kleinasien und ihrer Theologie war das Herz Jesu, das mit der Seitenwunde identifiziert wurde, die Quelle, aus der die Sakramente Taufe (Was­ser) und Eucharistie (Blut) - und damit die Kirche - hervorströmen. Die von Origenes beeinflusste alexandrinische Richtung leg­te den Akzent auf die Erkenntnis, die aus dem Herzen des Herrn fließt. Damit steht der Einzelne in mystischer Einheit mit dem Herrn im Vordergrund. Die spätere Herz-­Jesu-Verehrung nahm beide Strömungen, die ekklesiologische und die mystische, auf.

Die neuerliche Hinwendung zur Mensch­heit Christi ab dem 12. Jahrhundert för­derte eine intensivere Betrachtung seines Leidens. Die Wunden Jesu wurden bei Bernhard von Clairvaux - unter Aufnah­me eines Motivs aus dem Hohenlied (2,14) - zur Stelle, in denen die Vögel Nester bauen können. Der Mensch hat in Christi Wunden, besonders der Herzwunde, Platz für seine eigenen Wunden. Das Herz Jesu wird zur Verkörperung des Gottes, der sich in Christus verwundbar macht, nicht der ferne und unnahbare, sondern der mittra­gende und mitleidende Gott, der aus eige­ner Erfahrung weiß, was Leid und Schmerz bedeutet und deshalb den Menschen barm­herzig nahe ist. Christus verbirgt seine Wunden, sein durchbohrtes Herz nicht, sondern zeigt es. Das berührt mich zutiefst.

Freitag, 19.06.2020

Heiligstes Herz Jesu, Hochfest

Michael Dederichs, Seelsorger, Priester

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So sollt ihr beten (Matthäus 6,7-15)

Impuls zum Evangelium am Donnerstag der elften Woche im Jahreskreis II

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.

Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten:

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!

Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.

Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt,

dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.


Das Vaterunser, das Jesus seinen Jüngern in diesem Abschnitt des Matthäus-Evangeliums ans Herz legt, ist für Christen das Gebet der Gebete. Es verbindet die Christen unterschiedlicher Konfessionen, egal ob katholisch, evangelisch oder orthodox. Fast alle Christen können dieses Gebet – meist als einziges – auswendig sprechen. Viele lernen es schon als kleines Kind, lange bevor sie lesen lernen, und die meisten lässt es nie mehr los, selbst dann nicht, wenn ihnen die Inhalte des christlichen Glaubens nichts mehr sagen.

Bei der Vorbereitung von Trauerfeiern treffe ich manchmal auf Angehörige, die sich schon lange von der Kirche abgewendet haben, die schon seit Jahren keinen Gottesdienst mehr mitgefeiert und nicht mehr gebetet haben. Im Trauergespräch und während der Trauerfeier selbst verspüre ich dann – mehr oder weniger unverhohlenes – Desinteresse oder gar Ablehnung. Wenn ich dann am Grab dazu einlade, für den oder die Verstorbene das Vaterunser zu beten, dann berührt es mich immer wieder auf eigenartige Weise, wenn ich merke, dass alle mitbeten - auch die, denen der Glaube scheinbar nichts mehr bedeutet.

Dass das Vaterunser eine solche Bedeutung erlangen konnte, würde man nicht annehmen, wenn man die Sätze liest, mit denen Jesus dieses Gebet einleitet: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, und Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. Das sind keine Sätze, die zum Beten ermuntern; das hört sich eher an wie eine abschreckende Warnung davor, beim Beten etwas falsch zu machen.

Dabei hat die Frage, ob und wenn ja, wie wir beten sollen, durchaus ihre Berechtigung. Können wir denn einerseits glauben, dass Gott allmächtig, allwissend und barmherzig ist und ihn anderseits im Gebet um etwas bitten? Wenn uns etwas fehlt, weil Gott es „übersehen“ hätte, dann wäre er nicht allwissend; würde er es uns dagegen wider besseren Wissens verweigern, dann wäre er nicht barmherzig.

 

Im Februar 2017 hat die Zeitschrift CHRIST IN DER GEGENWART eine Umfrage zum Thema »Hilft beten?« gestartet, an der knapp 12.000 Interessierte teilgenommen haben. Immerhin 10,4 % davon haben die These „Fürbitten sind sinnlos, denn Gott weiß, was wir brauchen“ zugestimmt und 17,1 % waren der Meinung, dass das bittende Beten einem aufgeklärten wissenschaftlichen Weltverständnis widersprechen würde.

Neben dieser skeptischen Einstellung zum Beten gibt es aber auch das genaue Gegenteil. In den Zeiten vor Corona, als das GOTTESLOB noch in der Herz-Jesu-Kirche auslag, hat eine uns nicht bekannte Person regelmäßig Gebetszettel mit einer „Novene zum heiligen Judas Thaddäus“ darin deponiert. Darin wird versichert, dass der heilige Judas Thaddäus ein Fürsprecher in schweren und ganz aussichtslosen Anliegen sei. Die Novene müsse neun Tage konsequent sechsmal gebetet werden und täglich müssten neun Exemplare des Gebetszettels in einer Kirche ausgelegt werden; dann würde jedes Anliegen garantiert erhört.

Hinter dieser Einstellung mag wohl ein kindlicher Glaube an die Fürsorge Gottes stehen, aber letztendlich verkommt dabei das Beten zu einem „Deal mit Gott“: Ich strenge mich an, also verdiene ich auch eine Belohnung in Form der Erfüllung meiner Wünsche.

Das wirklich Einmalige am Vaterunser ist, dass es uns den goldenen Mittelweg lehrt zwischen dem „Plappern wie die Heiden“ und dem Nicht-Beten, weil Gott ja sowieso schon alles geregelt hat.

Das liegt nicht zuletzt an der Struktur dieses Gebets, denn am Anfang steht nicht der Beter und sein Anliegen, sondern Gott. In den sogenannten Du-Bitten des Vaterunsers versprechen wir nicht etwa, Gottes Name zu heiligen, sein Reich herbeizuführen und seinen Willen zu tun, sondern wir bitten Gott, dies zu bewirken. Als Beter des Vaterunsers anerkennen wir damit, dass Gottes Name und sein Reich für uns Menschen unverfügbar sind. ER ist nicht nur der Schöpfer, sondern der König der ganzen Welt, der seine Herrschaft gegen den Widerstand des Bösen zum Heil aller Menschen letztlich selbst herbeiführen wird. Diese Bitten sind ein Bekenntnis, das uns davor bewahrt, uns selbst und unsere Wünsche und Vorstellungen in den Mittelpunkt zu stellen und dabei den Versuch zu unternehmen, uns selbst erlösen zu wollen.

Auch bei den sogenannten Wir-Bitten geht es eigentlich nicht um unsere Bedürfnisse, sondern um das Kommen des Reiches Gottes. Wer um nichts anderes bittet als um das Brot für den heutigen Tag, der zeigt sich bereit, sich aussenden zu lassen, so wie Jesus es seinen Jüngern geboten hat: Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! (Lk 10,4).

Wenn Jesus uns sagt So sollt ihr beten!, dann heißt das nicht, dass wir nur das Vaterunser beten dürften. Aber wir sind damit aufgefordert, unser ganzes Beten an dem auszurichten, was der Kern des Vaterunsers ausmacht: Nicht wir, sondern Gott, unser Vater und das Kommen seines Reiches steht im Mittelpunkt. Es lohnt sich, das Vaterunser einmal ganz bewusst mit diesem Gedanken im Vordergrund zu beten.

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de
Telefon 07231 468556

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Impuls am Mittwoch, 17. Juni

von ANITA KETTERL

Im Tagesevangelium (Mk 6,1-6.16-18) geht es heute um die Frage, wie man seine Beziehung zu Gott angemessen gestaltet.

Dabei ist mir ein Halbsatz besonders aufgefallen - Jesus spricht dort von

Gott als

"Dein Vater, der auch das Verborgene sieht..."

 

Seit den biblischen Zeiten wurde unzähligen Menschen vom alles sehenden, alles kontrollierenden Gott erzählt. Mir selbst wurde das erspart - nur der Nikolaus mit seinem goldenen Buch hat mir etwas Bauchweh bereitet... Mit dem "Auge Gottes" verbinde ich daher folgendes:


Gott, der mein Innerstes kennt,

das mir selbst verborgen ist

Gott, lebendige Geistkraft, die mich liebevoll und

erwartungsvoll ansieht, nie zornig,

Gott, vor dem ich so echt und ehrlich sein kann,

wie sonst bei niemandem

Gott, lebendige Geistkraft, die sehen darf,

was ich vor der Welt verstecken will

- alle Schuld, alle Scham

Gott, der sich an alles Verborgene und Unverborgene

erinnern wird, wenn ich vergessen werde

Gott, lebendige Geistkraft,

die meinen guten Willen sieht

Gott - vielleicht kann ich mich nur durch deine Augen klar

sehen und erkennen, was in mir verborgen ist...

Anita Ketterl

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Zitate zum Tagesevangelium "Matthäus 5, 43-48"

IMPULS am 16. Juni 2020 von Barbara Ulmer

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.


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In welcher Zeit leben wir?

Impuls von  Josef Fodor am montag 15.06.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

 

George Carlin, ein US-Schauspieler und Komiker verfasste anlässlich des Todes seiner Frau ein Gedicht mit dem Titel:

 

In welcher Zeit leben wir?

 

Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung,

der großen Männer und der klein karierten Seelen.

 

Es ist die Zeit der Wegwerfwindeln und der Wegwerfmoral…

Es ist die Zeit der Pillen, die alles können:

sie erregen uns, sie beruhigen uns, sie töten uns.

 

Vergesst nicht, mehr Zeit denen zu schenken, die Ihr liebt,

weil sie nicht immer mit Euch sein werden.

 

Schätzt die Augenblicke,

wo Ihr zusammen seid,

denn eines Tages wird dieser Mensch

nicht mehr neben Euch sein.

 

Findet Zeit Euch zu lieben,

findet Zeit miteinander zu sprechen,

findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt

miteinander zu teilen,

 

denn das Leben wird nicht gemessen

an der Anzahl der Atemzüge,

sondern an der Anzahl der Augenblicke,

die uns des Atems berauben.

 

Der Heilige Geist möchte uns dazu begeistern: Die Zeit in diesem Sinne zu nutzten und so sie die Ewigkeit zu erahnen, und das ewige Leben zu gewinnen.

Dr. Josef Fodor, Pastoralreferent

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11. Sonntag im Jahreskreis A 14.06.2020.
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Impuls zu Ex 19,2-6a/Mt 9,36-10,8

von pfr. lichtenberger am 11. Sonntag im Jahreskreis A 14.06.2020

„Die Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt an Medikamenten und an Sauerstoff… Alle Unternehmen sind geschlossen. Es gibt keine Arbeit, die Menschen hungern und müssen sich der Ansteckungsgefahr aussetzen. Deshalb wurden von Codehica und von der Pfarrei aus Tüten mit Lebensmitteln in vielen besonders armen Gebieten verteilt…. Die einzige Tätigkeit in der Pfarrei ist die Verteilung dieser Tüten. Ansonsten keinerlei Zusammenkünfte, keine Gottesdienste…“, schreibt P. José Manuel. Und Cristina, die uns noch vor knapp einem Jahr besucht hat: „In Acomayo ist die Krankenstation in Betrieb. Wie ich hörte, arbeitet P. Antonio am Empfang, wenn die Labortechnikerin nicht da ist…“ – So sieht es aus in Acomayo Ica in Peru, in der Partnergemeinde von Liebfrauen. Die Briefe haben uns in der letzten Woche erreicht. Erschütternd. Peru wird im Moment sehr heftig vom Corona Virus heimgesucht. Dazu kommt noch das Dengue-Fieber. Die Ärmsten der Armen trifft es wieder mal besonders hart. Kein funktionierendes Gesundheitssystem. Keine Kurzarbeit mit entsprechender Vergütung. Kein Arbeitslosengeld. Wer nicht arbeiten kann muss hungern, wenn es ganz schlimm kommt verhungern.

„Die einzige Tätigkeit in der Pfarrei ist die Verteilung dieser Tüten… P. Antonio arbeitet am Empfang der Krankenstation…“ Daran musste ich denken, als ich die Worte Jesu gelesen habe: „Heilt Kranke,…macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben…“ Dazu schickt Jesus seine Freundinnen und Freunde aus. Nicht um die Welt zu bekehren. Nicht um schöne Gottesdienste zu feiern. Nicht um den Leuten die Meinung zu geigen, oder alles besser zu wissen. Nein: „Kranke heilen, Aussätzige rein machen, Dämonen austreiben…“

Kranke heilen. Aber wie? Wir sind doch keine Ärzte. Kranke sind ein Fall fürs Krankenhaus. Wie sollen wir denn Kranke heilen? Wir haben nicht das nötige Fachwissen und nicht die richtige Medizin. Gott sei Dank haben wir ein einigermaßen funktionierendes Gesundheitssystem. Gott sei Dank, gibt es bei uns qualifizierte Ärztinnen und Ärzte, und Pflegepersonal. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Jesus seine Freundinnen und Freunde nicht so einfach springen lassen würde. Klar braucht es die Mediziner und die Medizin, damals wie heute. „Aber schaut doch bitteschön auch mal bei Euch selbst nach. Was habt ihr zu bieten? Vielleicht brauchen Kranke einfach mal ein gutes Wort, einen aufmunternden Blick, Aufmerksamkeit, Nähe. Dass jemand nach ihnen fragt, sich für sie interessiert. Eure Nähe, Eure Aufmerksamkeit, euer gutes Wort und euer aufmunternder Blick, der kann ihnen doch einfach gut tun. Wer weiß, ob dies zum Gesundwerden für Kranke nicht mindestens genauso wichtig ist, wie die beste Medizin.“ P. Antonio steht am Empfang der Gesundheitsstation. Das beschämt mich. Das bewundere ich. Hier zeigt ein Pfarrer: Jetzt geht es nicht um Gottesdienste und wie wir doch noch irgendwie beten und unser Gemeindeleben retten können. Jetzt geht es darum, dass jene, die es brauchen spüren dürfen: Wir sind nicht vergessen! Jetzt geht es darum, dass die Freundinnen und Freunde Jesus nichts anderes tun, als für andere da zu sein. Zum Beispiel am Empfang der Krankenstation. Hut ab, P. Antonio!

Aussätzige rein machen. Aber wie? Wir müssen doch gerade auf Distanz gehen. Ja nicht andere berühren. Masken tragen. Hygiene und Abstandsregeln einhalten. Das ist wichtig. „Die einzige Tätigkeit in der Pfarrei ist die Verteilung dieser Tüten…“ Wenigstens das geht. Und das ist doch entscheidend. Eine Tüte mit Lebensmittel vor die Haustür stellen. Jene, die sich nicht selbst versorgen können, die zu Hause bleiben müssen, nicht vergessen. Das rettet Leben. So wird Nähe denen geschenkt, denen niemand nahe kommen darf, den Aussätzigen, den Infizierten mit Covid 19 oder Dengue-Fieber. „Die einzige Tätigkeit in der Pfarrei ist die Verteilung dieser Tüten…“ Hier gehen Menschen in den Spuren Jesu. Gott sei Dank!

 

Dämonen austreiben. Aber wie? Die Menschen in Peru stehen mir vor Augen, wie sie die Lebensmitteltüten verteilen. Aber ich muss gar nicht so weit gehen. Was hat mir gut getan in diesen letzten Wochen? Was war mein Lebensmittel gegen die Dämonen der Angst, der Unsicherheit, der Hilflosigkeit? Menschen. Jene in der Kirche, die einfach ein Kerzchen angezündet haben. Jene, die ich im Wald oder auf der Straße getroffen habe – und dann das gute Gefühl: Wir sind nicht allein. Es sind alle noch da. Wir sind füreinander da. Die freudestrahlenden Augen der älteren Menschen beim Gottesdienst vor dem Pflegeheim. Die tollen Ideen wie wir mit unseren Familien und den Kindern in Kontakt bleiben können. Ausgemalte Mandalas in unserer Kirche, die vielen Ideen zur Gestaltung dieser Zeit, was alles am Kreuz Jesu abgelegt wurde und was auf die Holzscheiben geschrieben wurde. E-Mails und Telefonate, das Gefühl, dass wir aneinander denken und mit dem Herzen ganz nahe beieinander sind. Also das hat bei mir schon so manchen Dämon der Angst, des Zweifels, der Unsicherheit vertrieben.

 

Jetzt habe ich noch überhaupt nichts dazu gesagt, dass wir um Berufungen beten sollen. Wo doch Jesus unmissverständlich sagt: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter in seinen Weinberg zu schicken..“  Ja, das ist bestimmt wichtig und richtig. Aber mir ist heute einfach so richtig ins Auge gesprungen, wozu Jesus seine Freundinnen und Freund eigentlich ausschickt: Kranke heilen, Aussätzige rein machen, Dämonen austreiben. Jesus ist anscheinend so richtig davon überzeugt: Seine Freudinnen und Freund können anderen einfach gut tun. Sie können denen, die das gerade besonders brauchen, zeigen: „Gott hat dich nicht vergessen. Wir vergessen dich auch nicht. Wir sind für dich da.“

 

Nicht als lebendigen Vorwurf hat Jesus seine Freundinnen und Freund in die angeblich ach so böse Welt geschickt. Nein, in diese von Gott so unendlich geliebte Welt schickt Jesus Menschen, damit sie es allen, die es brauchen, spüren lassen: Gott hat euch immer noch nicht vergessen. Gott wird euch niemals vergessen. Er ist für euch da. Wir haben es selbst so erfahren. Wie er damals seinen Bund mit dem Volk Israel geschlossen hat, so ist er immer noch mit uns im Bunde. Seine Nähe tut uns einfach gut. In ihr leben wir auf. In ihr werden wir gesund, so richtig von innen heraus, selbst dann wenn wir körperlich vielleicht nicht mehr auf die Höhe kommen sollten. Gott tut uns gut. Wir können einander gut tun. Er ist eine Wohltat für uns und für diese Welt. Nichts anderes sollen doch wohl die Freundinnen und Freunde Jesu sein, oder? Eine Wohltat für die Welt in der sie leben.-  „Die einzige Tätigkeit in der Pfarrei ist die Verteilung dieser Tüten… P. Antonio arbeitet am Empfang der Krankenstation…“ Eine Wohltat für die Menschen. Unsere Geschwister in Peru machen mir in diesen Tagen genau dazu Mut…

 

Georg Lichtenberger

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Ein Heiliger für heute - Antonius

Impuls von Schuldekan Georg Hauser

Seine Statue fehlt in fast keiner Kirche, er gehört zu den beliebtesten Heiligen – und auch hier in Pforzheim trägt eine Kirche seinen Namen: Der Franziskaner Antonius von Padua. Der 13. Juni ist sein Gedenktag.

Unter allen Heiligen ist Antonius ein ganz besonderer, ein ganz sympathischer und ein ganz aktueller Heiliger: Er ist Patron derer, die etwas verloren haben und auf der Suche sind...

Damit steht er uns ganz nahe: Wir haben alle schon einmal etwas Wichtiges verloren oder haben uns selbst verloren gefühlt, waren verzweifelt auf der Suche und es fehlte die Idee, wo die Erfüllung unserer Sehnsucht verborgen sein könnte. Dieses Gefühl von Panik, das nach vergeblichem Suchen langsam in einem hochsteigt, ist nichts, an das wir uns gerne erinnern.


In diesen belastenden Momenten stehen wir unter dem Patronat des Antonius von Padua. Aber wieso eigentlich?

Antonius lebte am Beginn des 13. Jahrhunderts, war Portugiese und als junger Mann begeistert von Franziskus von Assisi und seinen Mitbrüdern, die bereit waren alles aufzugeben um ganz radikal Jesus nachzufolgen. Er trat in den Orden der Franziskaner ein, und fand nach vielen Wirrnissen in Norditalien Zuhause und Lebensaufgabe als Prediger, Lehrer und Seelsorger. Viele Legenden berichten von Antonius‘ ans Wunderbare grenzende Begabung, sich durch den Schwung und die Anschaulichkeit seiner Rede verständlich zu machen. Volkstümlich war er und begeisterte seine Mitmenschen, ein begnadeter Seelsorger und Helfer vieler Notleidender. – Mit gerade einmal 36 Jahren starb er am 13. Juni 1231.

Eine Legende aus seinem Leben erklärt die spezielle Zuständigkeit für alle Suchenden und Verlorenen: Einer von seinen Schülern habe in einer Sinnkrise Kloster und Studium Hals über Kopf verlassen, nicht ohne Antonius‘ handschriftliches Notizbuch mitgehen zu lassen. Auf dem Weg aus Padua habe er eine schreckliche Erscheinung gesehen und sei daraufhin mit dem Buch zurückgekehrt. Man kann sich gut vorstellen, wie entsetzt Antonius über den Verlust von Schüler und Buch gewesen war und wie dankbar nun, beides wieder gefunden zu haben.

Für mich ist der begeisternde Prediger und solidarische Helfer Antonius ein ganz aktueller Heiliger: Verlusterfahrungen machen wir gerade als Zeitgenossen der Corona-Krise mit ihren Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft, Kirche bis hinein in die persönliche Lebensgestaltung ja einige durch. Und als Christen macht es uns betroffen, wenn viele Beobachter zu Recht einen Relevanz- und Sprach-verlust von Christentum und Kirche konstatieren.

Vielleicht gibt gerade der Patron der Suchenden und Verlorenen uns heute diesen Rat mit auf den Weg: Raus aus dem Lamentieren und Verzweifeln. Hin zum Reden und Handeln: „Der Prediger steige herab und neige sich zu seinem Mitmenschen. Nur so kann er den Nächsten aufrichten, der am Boden liegt.“

 

Heiliger Antonius von Padua, hilf uns suchen, was wir verloren haben.

 

Georg Hauser, zum 13. Juni 2020

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Überraschend ANDERS

Impuls am FreiTAG (12.06.2020) von Gemeindereferentin Margarete Hosbach


Mit Leidenschaft und Eifer hat der Prophet Elija für seinen Gott gekämpft. Alle seine Kräfte hat er aufgeboten, um das Volk daran zu hindern, von Gott abzufallen und sich anderen Göttern zuzuwenden. Nun ist er am Ende, er fühlt sich allein, verlassen von seinen Mitmenschen und sogar von Gott. Sein Tun erscheint ihm zwecklos und sinnlos. Eine depressive Welle erfasst ihn. Er mag nicht mehr. Er kann nicht mehr. Und er flieht weit weg bis zum Gottesberg Horeb.



Aus der Lesung von heute (1 Könige 19, 9a.11-16)

Dort ging er (Elija) in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des HERRN erging an ihn: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den HERRN!

Da zog der HERR vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem HERRN voraus. Doch der HERR war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der HERR war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der HERR war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elija? (...)

Gott ist anders als erwartet – überraschend anders. Elija hätte ihn erwartet im gewaltigen Erdbeben, im Feuer und im Sturm. Erfahren hat er ihn in im säuselnden Wind, sanft und leise.

Gott ist anders als erwartet – überraschend anders. Die Sterndeuter, die Weisen aus dem Morgenland dachten, sie würden den neugeborenen König, den Messias, im Palast finden. Aber sie landeten in einem armseligen Stall draußen auf den Feldern.

Und wir? Wir suchen Gott auch meistens da, wo er scheinbar hingehört, und wir erwarten ihn in Kapellen, Klöstern, Kirchen und Kathedralen. Nicht ausgeschlossen, ihn da zu finden. Keineswegs!

Aber Gott ist eben auch anders als erwartet – überraschend anders eben. Und so zeigt er sich eben an ganz ungewöhnlichen Orten, in verlassenen Gegenden, in der einfachsten Hütte, im einsamen Krankenzimmer, in überfüllten Flüchtlingslagern, in den Armenvierteln in Peru, in den Slums in Afrika, in den Fabrikhallen unserer Zeit, bei im Spiel versunkenen Kindern, an einem plätschernden Bach, in der Fußgängerzone, in uns selbst.

Denn er ist Jahwe – der ICH-BIN-DA.

Wir sollten einfach immer wieder Augen, Ohren, Herz öffnen und uns von Gottes Gegenwart überraschen lassen!


Zum Hochfest Fronleichnam

Impuls am DoNNERSTAG (11.06.2020) von Kaplan Thomas Stricker

Heute feiern wir Fronleichnam. Es ist das Fest des „heiligsten Leibes und Blutes Christi“. So stehen die eucharistischen Gestalten von Brot und Wein heute besonders im Mittelpunkt. In der kleinen, anspruchslosen Hostie begegnet uns Jesus als „das Brot des Lebens“. In dieser sichtbaren Brot-Gestalt scheint den Augen der Glaubenden auf, wer und wie Gott ist. In und durch Jesus Christus ist Gott für uns Menschen lebensspendend wie das Brot und Grund zur festlichen Freude wie der Wein. Brot und Wein werden auf dem Altar zu Leib und Blut Christi. Das wollen sie aber nicht für sich bleiben! Leib und Blut Christi werden für uns zur wahren Speise und zum wahren Trank, die uns zum Leben gereichen. Doch nicht nur in diesen kleinen Stücken von Brot und Wein allein will Gott gegenwärtig sein, sondern alles, was es gibt, soll immer mehr zum Zeichen, zur Verheißung und zum Ort seiner Gegenwart werden. Die Verwandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi auf dem Altar ist im Grunde nur ein Anfang. Die Verwandlung soll noch weitergehen! Alle Christen, die ganze Kirche und die ganze Welt sollen sich wandeln, auf dass – wie es bei Paulus heißt – Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15,28).

 

Für uns bedeutet das, dass wir uns selber auch verwandeln lassen. In jeder heiligen Messe werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christ gewandelt. Dabei sollen auch wir uns wandeln lassen; und zwar durch den, der uns sein Wort zuspricht und uns im Sakrament seine liebende Gegenwart schenkt. Gottes Wort, das uns verkündet wird, und seine Liebe, die uns im Sakrament, in Leib und Blut Christi, begegnet, wollen uns zu neuen Menschen formen. Das Entscheidende, damit wir uns wirklich wandeln, ja erneuern lassen, besteht darin, dass wir an Jesus glauben. Nach den Worten des heutigen Tagesevangeliums heißt das konkret: zu Jesus kommen und die Speise, der er gibt, essen. Ihn selber mit allem, was er sagt und tut, annehmen und in sich aufnehmen wie lebensnotwendiges Brot. So sollen also nicht nur Brot und Wein allein verwandelt werden, sondern auch an uns muss etwas geschehen. Auch in unserem Leben soll sich immer wieder etwas wandeln und verändern. Mit Hilfe der eucharistischen Speise kann unser Leben erneuert werden.

Dazu passt, was der heilige Augustinus einmal gesagt hat: „Empfangt, was ihr seid, werdet, was ihr seid: Leib Christi!“. Das bedeutet: Von der Liebe Jesu, die uns in der Eucharistie als Gabe geschenkt wird, haben wir uns wandeln und erneuern zu lassen. Und diese Liebe haben wir dann gleichfalls weiter zu schenken! Leib und Blut Christi sind an uns Gabe und Auftrag zugleich. Wir werden beschenkt mit dem Brot und dem Trank des Lebens. In gleicher Weise sollen wir den Menschen in der Welt das zum Leben Notwendige geben. So wünsche ich uns allen, dass wir immer mehr zu „eucharistischen Menschen“ werden: dass wir in unsrem Leben bereit und offen sind für die Liebe Jesu und sie ebenso weiter schenken.

 

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Fronleichnam in Pforzheim-West (11.06.2020)

Auch dieses Fest wurde aufgrund der Corona-Pandemie ganz anders gefeiert als geplant. Eigentlich war in diesem Jahr St. Elisabeth an der Reihe, das Fronleichnamsfest für die Kirchengemeinde Pforzheim zu gestaltet. Der Festgottesdienst sollte beim Bürgerhaus auf dem Haidach gefeiert werden, die Prozession sollte sich anschließen – verschoben auf 2021!.

In Heilige Familie, Keltern-Dietlingen zelebrierte Pater Arokiadoss den festlichen Gottesdienst. In einer Prozession mit der Monstranz durch die Kirche zum blumengeschmückten Altar, vom Mesner mit dem Weihrauchfass begleitet, schloss sich an. Zum Abschluss spendete der Priester den eucharistischen Segen.


In St. Antonius feierte Pfarrer Michael Dederichs die Eucharistie. Seine Ansprache stellte er unter das Motto „Brot, das die Hoffnung nährt“. Nach der zweiten Lesung wurden im Wechsel Verse aus den Hymnen zum Fronleichnamsfest von Thomas von Aquin (1224-1274) vorgetragen: ... „Doch wie uns der Glaube kündet, der Gestalten Wesen schwindet, Fleisch und Blut wird Brot und Wein. Was das Auge nicht kann sehen, der Verstand nicht kann verstehen, sieht der feste Glaube ein.“ ...

 

Auch diese hl. Messe endete mit dem eucharistischen Segen für alle Mitfeiernden, für alle Kranken und von der Pandemie direkt oder indirekt Betroffenen.

Fotos: Martina Peter und Karl-Heinz Renner

Text: Karl-Heinz Renner



Salz der Erde-Licht der Welt! (Mt 5,13-16)

Tagesimpuls für Dienstag, 9.6. 2020.

Jesus verwendet diese beiden ausdrucks-starken Symbole, um uns zu zeigen, wozu wir als Christen in dieser Welt berufen sind. Er betont, dass wir schon Salz und Licht sind, denn durch die Taufe sind wir ja Jesus Christus einverleibt worden, der selbst das Licht der Welt ist und uns Leben in Fülle schenkt.

Aber sind wir wirklich wie Salz?

Sicher verwendet jeder von uns beim Kochen oder Essen Salz. Dabei kommt es auf die richtige Dosis an, damit die Speisen nicht fad, sondern gut gewürzt schmecken. Was das Salz für die Speisen ist, das sind wir Christen mit unserem ganzen Leben unabdingbar für die Botschaft Jesu in dieser Welt. Durch unseren gelebten Glauben, unsere Hingabe und Liebe zum Nächsten dürfen wir dazu beitragen, dass das Leben für unsere Mitmenschen Geschmack bekommt, d.h. erträglicher, schöner, ja sinnerfüllend wird.

Um die Welt im Geist Gottes zu verändern, ist es wichtig, sich nicht selbst in den Vorder-grund zu stellen, sondern sich bildlich gesprochen wie das Salz in der Suppe „aufzulösen“. Das meint, dass wir in unserem Leben und Handeln durchlässig für Christus werden sollen, damit die anderen durch unser Zeugnis selbst zum Leben in Fülle finden. Dafür braucht es Mut zur Wahrheit, Bereitschaft zum selbstlosen Dienst am Nächsten, Diskretion und Bescheidenheit, ja ein Leben aus den Gaben des Heiligen Geistes, die uns in Taufe und Firmung geschenkt worden sind.

 

Salz dient über das Würzen hinaus auch zur Reinigung und Bewahrung vor Fäulnis. Dort, wo wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu unser Christsein im Alltag überzeugend leben, geschieht Reinigung in dem Sinn, dass Menschen sich für oder gegen Christus entscheiden müssen, wenn sie sich mit dem „Anders-Sein“ unseres Lebens, ja mit unserem „Anders-Handeln nach dem Beispiel Jesu“ auseinandersetzen müssen. Schließlich sollen die Menschen ja durch die guten Werke, die wir tun, denjenigen erkennen, dem der Lobpreis gehört, nämlich unseren Vater im Himmel.

Sind wir Licht für die Welt?

Durch die Verkündigung der Botschaft Christi in Wort und Tat können wir Sein Licht in die Dunkelheit dieses Lebens bringen. Doch was bedeutet es, Licht zu sein? Wie das Salz nur salzen kann, wenn es vergeht, sich auflöst, so muss sich auch das Licht – damals Öl, Kerze – verzehren, damit es leuchtet. Das bedeutet analog für uns Christen, dass wir uns ganz an Christus hingeben, ja aus Seiner Liebe leben sollen. Dann können auch wir wie das milde und wohltuende Licht einer Kerze den Menschen Wärme und Trost, Heilung und Zuversicht, ja sogar Orientierung schenken. Immer sollen wir dabei nach dem Vorbild Jesu leuchten, damit die anderen aus dem Licht Gottes in uns Hoffnung und Kraft schöpfen und zur Wahrheit finden können. Manchmal müssen wir vielleicht sogar wie ein Schein-werfer sein, der in unserer Gesellschaft mit seinem Strahl selbst in die dunklen Ecken leuchtet, um Missstände aufzudecken und die Wahrheit zum Vorschein zu bringen. Die Nach-folge Jesu, d.h. die Annahme des Evangeliums, muss sich in der Praxis im Glauben auswirken. Ohne Glauben ist Jüngerschaft fade und sogar zur Finsternis geworden. Wie Gottes-und Nächstenliebe eine Einheit bilden, so gehören zum Glauben auch die Werke. Ziel dieser Werke ist immer der Lobpreis Gottes durch die Menschen. Indem sie das Licht, Salz in uns erkennen, werden sie dazu eingeladen, den Vater im Himmel zu preisen. Daher gilt auch für uns, diese Herausforderung Jesu in unserem Leben zu verwirklichen, damit nicht nur wir, sondern auch die anderen durch unsere Mitwirkung zum Heil gelangen können.

Ihre Ilona Sgrò

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Gewaltfreie Kommunikation

Impuls am Montag, 8. Juni 2020

Neulich las ich ein Zitat von Mahatma Gandhi, das mich nachdenken ließ:

„Der berechtigte moralische Schluss, der aus der Bombe als schlimmster Katastrophe gezogen werden muss, ist, dass sie ebenso wenig durch Bomben vernichtet werden kann, wie Gewalt durch Gegengewalt. Die Menschheit kann und darf aus dem Gewaltkreislauf nur durch Gewaltfreiheit aussteigen. Hass kann nur durch Liebe überwunden werde. Mit Hass zu antworten, führt nur zu einer Ausweitung und Vertiefung des Hasses.“

Jesus ruft in der Bergpredigt zu Vergebung und zu Liebe zu den Feinden auf.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Gewaltfreier Kommunikation. Eigentlich dachte ich immer, dass ich in meiner Sprache keine Gewalt anwende, aber diese Methode, die ein den 1960er Jahren von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde, hat mich eines Besseren gelehrt.

Hier werden die Ansätze von Jesus und Gandhi auch in einfacher Kommunikation konkret. Darum wird die Gewaltfreie Kommunikation auch Wertschätzende Kommunikation bezeichnet. Es schließt das christliche Menschenbild, jeder Mensch hat eine Würde von Gott erhalten und wird von Gott so geliebt wie er ist, mit ein. Wenn ich diese Grundhaltung jedem Menschen zugestehe, dann ändert sich meine Beziehung zu ihm.

Die GFK geht davon aus,

• dass Menschen so handeln, wie sie es tun, um Bedürfnisse zu erfüllen.

• dass Kooperation besser als Konkurrenz ist.

• dass Menschen Dinge für andere lieber erfüllen, wenn sie es freiwillig machen.

• Dass es Menschen Freude bereitet, wenn Sie dazu beitragen, dass sich andere wohlfühlen.

Die Ziele der GFK sind:

• Tiefgründige Beziehungen schaffen

• Bedürfnisse erfüllen, unter Rücksichtnahme allgemeiner Werte

• Schmerzvolle oder erfolglose Beziehungen kurieren

• Scham, Angst, Depression etc. auflösen

• Ärger und Frustration in Kooperation und Partnerschaft verwandeln

• Lösungen finden anhand von Rücksichtnahme, Respekt und Konsens

• Lösungen finden, die bereichernd sind

Vier Schritte können helfen, gewaltfrei das eigene Bedürfniss dem anderen Menschen zu kommunizieren:

1. Beobachten und beschreiben von überprüfbaren Fakten

2. Gefühle wahrnehmen und ausdrücken mit Begründungen

3. Meine Bedürfnisse wahrnehmen und äußern.

4. Eine Bitte formulieren, damit ein Bedürfnis freiwillig erfüllt wird. Keine Forderung.

 

Für mich ist diese Methode auch eine alltagstaugliche Handlungsanweisung des Gebots der Nächstenliebe: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!“ Nur wenn ich meine eigenen Bedürfnisse wahrnehme und einbringe, kann ich auch die Bedürfnisse anderer beachten und mit ihnen zu einem gleichwertigen Konsens finden.

Die Praxis der Gewaltfreien Kommunikation ist an Anfang nicht einfach, aber es lohnt sich, es zu lernen, weil bei gemeinsamer Anwendung es keinen Gewinner oder Verlierer mehr gibt, sondern ein friedliches und erfülltes Zusammenleben möglicher wird.

Markus Schütz, Pastoralreferent

markus.schuetz@kath-pforzheim.de
Tel.: 07231-4557868

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Impuls zu Joh 3,16-18/Ex 34bff

am Dreifaltigkeitssonntag 07.06.2020, von PFARRER LICHTENBERGER

In einem Text von Marie-Luise Lanwald wird der Dreifaltige Gott mit einem Taschentuch verglichen. Das kann ich ausfalten und erst, wenn ich es wirklich ganz entfaltet habe, kann ich es brauchen. Gott faltet sich aus als Schöpfer der Welt, in Jesus seinem Sohn, in seinem guten, schöpferischen Geist. Er entfaltet sich in diese Welt hinein – ähnlich vielleicht wie ich ein Taschentuch entfalten kann…

Taschentuch. Brauchen wir das überhaupt? Ich meine zurzeit? Trägt doch jeder sein „Mauldäschle“ und wenn wir Niesen müssen, dann sollen wir doch sowieso in die Armbeuge niesen. Taschentuch überflüssig?

Taschentuch als Symbol für den dreifaltigen Gott…auch in dieser Hinsicht? Brauchen wir Gott überhaupt noch? Ist Gott systemrelevant? Dass wir – seine Kirche – kaum gebraucht sind und so gut wie nicht systemrelevant, das haben wir ja in den letzten Wochen mitbekommen. Die Verkäuferin im Supermarkt und an der Kasse, die wird gebraucht. Genauso selbstverständlich wie das medizinische Personal. Aber die Kirche? Pfarrer? Hauptamtliche? Gemeinden? Gottesdienste? Glaube? Religion? Geht doch auch ganz gut ohne das alles. Klar. Kirchgänger und fromme Christen vermissen etwas. Aber wir sind in der Minderheit. Eindeutig. Die Mehrheit kommt doch ganz gut ohne Glaube, ohne Gott, ohne Religion, ohne Kirche aus. So ist es allem Anschein nach und wir müssen wohl den Tatsachen in die Augen schauen… Überflüssig, eher von Gestern, wie ein Taschentuch, das aus der Mode gekommen ist…

„…Gott hat die Welt so sehr geliebt…“, höre ich. Die Worte hallen in mir nach. So rum ist es also: Ganz egal, ob wir ihn brauchen oder nicht, ganz egal, was die „Welt“ von ihm hält, sogar wenn sie ihn aus der Welt heraus ans Kreuz drängt, aufs Kreuz legt, umbringt – „Gott hat die Welt so sehr geliebt…“ Wenn es nur darum geht? Nichts und niemand kann Gott davon abhalten seine Welt zu lieben. Darum geht es doch. Kein Hass, kein Streit, kein Krieg, kein zum Himmel schreiendes Unrecht, nicht mein Versagen, nicht meine Kleingläubigkeit, nicht mein Stolpern und Fallen – nichts und niemand kann Gott daran hindern seine Welt zu lieben und in ihr sogar mich!

 

Bilder aus den USA sind mir – bestimmt vielen von uns – besonders nachgegangen. Die grausame Ermordung von Georg Floyd durch die Polizisten in Minneapolis. Der amerikanische Präsident, der sich den Weg zur Kirche frei prügeln lässt und dann mit der Bibel in der Hand vor den Fotografen posiert. Wie zynisch. Ich finde das nur daneben, empörend, skandalös.

 

„…Gott hat die Welt so sehr geliebt…“ Ich glaube er liebt sie immer noch, diese seine Welt. Er liebt jede und jeden auf ihr. Jede und jeden. Vielleicht geht es ja nur darum, dass ich dies zulasse. Vielleicht geht es ja nur darum, dass ich mich von Gott lieben lasse. Wenn ich wirklich spüre und begreife, dass ich von Gott gehalten bin, wie kann ich dann jemanden anderen einfach fallen lassen? Wenn ich spüre und begreife, dass Gott mich so annimmt wie ich bin, wie kann ich dann jemanden anderen ausgrenzen nur weil er oder sie anders ist als ich, anders aussieht, anderes glaubt, anders lebt? Wenn ich spüre und begreife, dass Gott mir immer wieder vergibt, mir immer wieder die Hand entgegenstreckt, wie kann ich dann die Faust ballen?

 

Das möchte ich auch feiern und dafür Danke sagen an diesem Dreifaltigkeitssonntag: Dass Gott, der Vater, immer noch seine Welt liebt und alle seine Geschöpfe, die auf ihr leben. Dass Jesus, der diese Liebe Gottes auf so einzigartige Weise auf dieser Erde verkörpert ist, dass er immer noch die Anwesenheit Gottes unter uns ist, liebt und leidet und sich verschwendet und hingibt, in allen die von Herzen lieben und in allen, die leiden müssen auf dieser Erde. Dass dieser Geist der Liebe immer noch und ohne Wenn und Aber hineinwehen möchte in diesen blutrünstigen Dunst der Menschenverachtung, in Mord und Totschlag und Habgier, in Gewalt und Diskriminierung. Dieser dreifaltige Gott hört nicht auf diese Welt zu lieben, in und aus dieser Liebe heraus, die er selbst ist. Er ist und bleibt liebende Beziehung in sich selbst und zu seiner Welt und zu jedem seiner Geschöpfe.

 

Dann lande ich doch nochmal beim guten alten Papiertaschentuch. Ich kann es entfalten. Deswegen ist es ja auch als Symbol für Gott gedacht. Weil er eben nicht einfältig ist, sondern sich immer mehr entfalten möchte, hineinfalten möchte in mein Leben und in seine Welt. Nein, wir brauchen ihn nicht so sehr als Erklärung für unsere Probleme. Ob wir ihn brauchen oder nicht, ist ja gar nicht so sehr die Frage. Er ist einfach da mit seinem großen Herzen, dass für seine geliebt Welt schlägt. Mit ihr möchte er sich immer wieder hineinentfalten in diese Welt. Immer wieder neu. Voll Fantasie. In unterschiedlichen Gestalten. In verschiedenen Menschen und in die unmöglichsten Situationen hinein. Er hört nicht damit auf.

 

Ich glaube, das haben wir dann auch bitter nötig. Dass sich die Liebe Gottes voll Fantasie und unermüdlich hineinentfaltet in diese gewaltstarrende Welt. Dass ich diese Liebe begreife und ergreife und mich von ihr ergreifen lasse, damit ich aus ihr lebe und andere in ihr leben lasse.  Wie Mose möchte ich diesen Gott, der langmütig ist und geduldig, barmherzig und gnädig, der nichts anderes ist als unendlich geduldige und verschwenderische Liebe, wie Mose möchte ich zu diesem Gott rufen: „Zieh doch in unserer Mitte. Geh mit uns auf unseren Wegen. Verabschiede dich nicht aus dieser Welt. Lass Deine Liebe unter uns leben – wir haben sie doch so bitter nötig!“

 

 

 

Georg Lichtenberger

 

 

 


Ungemütliche Gemütlichkeit

Zum 6. Juni 2020, Tobias Gfell

Wer kennt es nicht, das Lied von Balu dem Bären im ‚Dschungelbuch‘? Darin die überzeugenden Zeilen: „Probier's mal mit Gemütlichkeit. Mit Ruhe und Gemütlichkeit vertreibst du deinen ganzen Sorgenkram. Und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir egal woher es kam. Denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir! Es kommt zu dir!“

Dem gestressten Mitteleuropäer, der ständig immer wieder vergisst, dass er seine Balance verliert wegen des Stresses, wegen der Ansprüche, wegen der Schwere des unbeherrschbaren Lebens, dem tut es gut, von Leichtigkeit zu singen und davon, dass in der Ruhe auch das Glück kommt. Es gehört zu unserer Entschleunigungsspiritualität – und das ist in vielen Situationen nichts Schlechtes - dass doch alles da liegt am Wegesrand, oft sogar gemütlich zu erreichen.

Ein Sehnsuchtslied.


Denn wir haben verinnerlicht „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. Wir haben die Muße, das absichtslose Nichtstun mit Faulheit in Verbindung gebracht. Wer nicht arbeitet, nutzt die anderen aus, macht sich lustig über die, die alles am Laufen halten, die rechtschaffen ihre Aufgaben erfüllen, lebt auf Kosten der Allgemeinheit und ist Anlass und Auslöser für Ärger, Neid und Abwertung.

Es sind die Menschen, die nichts leisten und nichts bringen. Weniger ist eben nicht mehr. Im Grunde passen sie uns nicht. Und das Evangelium (Mk 12,41-44) des heutigen Tages passt nicht in unser Urteil.

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.

Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.

Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Es passt auch nicht zur Gemütlichkeit, sondern ist im Gegenteil äußerst ungemütlich.

Fasziniert von diesem Ereignis ruft Jesus sofort seine Jünger, um Ihnen mitzuteilen, was er an dieser Frau verstanden hat. Sie wirft alles, was sie besaß in den Opferkasten, aber entscheidend ist nicht die Größe, die Menge, die Zahl des Opfers.


Entscheidend ist das Unbezahlbare, die Hingabe.

 

So lebt er, so wird er sterben. Sehr ungemütlich.

Es ist gut, wenn uns dieses Evangelium einen Stich gibt. Essentiell ist die einfache aber alles verändernde Erkenntnis, was wir geben, zu geben haben, woran wir uns messen sollen.

Es ist ungemütlich, Hingabe zu leben. Es ist schwierig, oft verbunden mit Angst selbst dabei unter die Räder zu kommen, es ist eigentlich auch nicht möglich.

Aber, ich kann ja üben.

Es wäre doch toll, wenn ich dabei ein wenig eine Ahnung davon bekäme, worum es beim Christsein eigentlich geht. Eine Hilfe ist mir dabei ein Taizelied, in dem es heißt: „Gott ist nur Liebe. Wagt für die Liebe alles zu geben. Gott ist nur Liebe, gebt euch ohne Furcht.“

Probieren wir es also lieber nicht mit Gemütlichkeit?

Doch, denn das Bild vom Müßiggang ist ein Lebensbild, das sich befreit von der Fremdbestimmung und Raum lässt für die Begegnung mit Gott, auch für die ungemütliche, wachrüttelnde.

Was ist sie auch wert, eine gestresste Hingabe, die nichts vom Leben verstanden hat als Pflichterfüllung? Wo es doch bei der Hingabe um viel mehr geht, dass wir den Sinn unsers Daseins nicht verfehlen.

Zum 6. Juni 2020, Tobias Gfell

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Freundschaft - vernetzt

Impuls zum 05. Juni 2020

Was Freundschaften angeht, waren die letzten Wochen nicht gerade einfach. Und manche Freundschaft wurde vermutlich ganz schön auf die Probe gestellt oder zumindest auf Eis gelegt. Wenn Beziehungen und Freundschaften nicht gepflegt werden, drohen sie zu verkümmern – heißt es zumindest immer.

So richtig engen Kontakt halten konnten wir in der Coronakrise dank Telefon und sozialen Medien wenigstens zur Familie und einigen „Best Friends“. Und die andern, die etwas losen Freundeskreise in Vereinen, beim Sport, in unseren Gemeinden, die zwar nicht so persönlich, aber dennoch wichtig sind, weil sie das Leben auf ihre je eigene Art bereichern? Sind sie inzwischen vertrocknet, eingeschlafen? Aus, vorbei?


Viele leiden darunter, dass sie sich nicht wie gewohnt treffen können. Auch Menschen aus unseren Gemeinden sagen das immer wieder. Vor ein paar Tagen habe ich eine Sängerin aus dem Kirchenchor getroffen. Sie erzählte, wie sehr ihr die wöchentlichen Treffen und das gemeinsame Singen fehlten. Von der Mutter eines Ministranten hörte ich: Mein Sohn wünscht sich so arg wieder einen Mini-Treff. Die Kinder brauchen das Spielen mit Freunden dringend. Oder eine Frau nach dem letzten Sonntagsgottesdienst: Ich bin so froh, dass wir wieder miteinander feiern dürfen.

Solche Aussagen machen mir Mut für alle Gruppen und Kreise in unseren Gemeinden, zeigen sie doch: nicht nur ganz persönliche „Best Friend“-Freundschaften tragen, sondern auch losere Beziehungen, wenn es sich um eine innere Verbundenheit handelt, die in Jesus begründet ist, der uns im heutigen Tagesevangelium sagt: „IHR SEID MEINE FREUNDE“ (Joh 15,14). Er spricht mich in diesem Fall nicht als Einzelperson an, sondern nimmt mich auf in seine Gemeinschaft, in seinen Freundeskreis.

Und so habe ich es als echte Freude erlebt, bei den Gottesdiensten der letzten Wochen mehr und mehr vertraute Gesichter zu sehen. Oft kenne ich nicht einmal den Namen von den anderen, aber ich weiß: er/sie gehört mit mir zum Freundeskreis Jesu. Das verbindet.

Für heute nehme ich mir daher ein paar Minuten Zeit und stelle mir in Gedanken vor meinem geistigen Auge möglichst viele Menschen vor, die zu diesem Freundeskreis Jesu gehören: Minis, Kirchenbesucher*innen, Senioren, Kommunionkinder, Chöre, Frauenkreis, Perukreis, Familienkreise. Ich glaube, mir fallen da ganz schön viele Menschen ein. Mit allen will ich mich heute gedanklich vernetzen.

Haben Sie Lust das auch zu tun?
Vielleicht denken wir ja gleichzeitig aneinander!

In diesem Sinne einen gesegneten Tag

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin

Die Grafik ist das Logo der Kath. Kirchengemeinde Pforzheim von U. Jungemann

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Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden

Impuls zum Evangelium am Donnerstag der neunten Woche im Jahreskreis II

In jener Zeit

ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin

und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?

Jesus antwortete:

Das erste ist: Höre, Israel,

der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.

Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben

mit ganzem Herzen und ganzer Seele,

mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.

Als zweites kommt hinzu:

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.

 

Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister!

Ganz richtig hast du gesagt:

Er allein ist der Herr,

und es gibt keinen anderen außer ihm,

und ihn mit ganzem Herzen,

ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben

und den Nächsten zu lieben wie sich selbst,

ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.

Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte,

und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.

Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.



Das Schma Jisrael (deutsch ‚Höre, Israel‘) ist das wichtigste Gebet der Juden. Es ist benannt nach dem Anfangssatz eines Abschnitts aus der Tora (Dtn 6,4-9):

 

Höre Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

 

Dieser Satz ist zentraler Bestandteil des jüdischen Morgen- und Abendgebets. Jeder gottesfürchtige Jude betet diesen Satz also mindestens zweimal am Tag und kann ihn demzufolge auswendig rezitieren. Der Satz ist ein Bekenntnis zur Einzigartigkeit Gottes. Die darin enthaltene Aufforderung, Gott zu lieben, bezieht sich auf die Treue zu dem Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Das Schma Jisrael ist damit nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern auch Ausdruck des Selbstverständnisses des Volkes Israel als ein von Gott erwähltes Volk.

 

Es ist also kein Wunder, dass Jesus auf die Frage, welches das wichtigste Gebot sei, mit dem Schma Jisrael antwortet. Wenn die Antwort aber absolut selbstverständlich ist, dann verwundert es allerdings, dass der Schriftgelehrte diese Frage so überhaupt gestellt hat.

 

Vor dem Dialog mit dem Schriftgelehrten ist Jesus von Mitgliedern des Hohen Rates in mehrere Streitgespräche verwickelt worden. Die Pharisäer und die Herodianer versuchen, Jesus mit der Frage nach der Zulässigkeit der kaiserlichen Steuer eine Falle zu stellen. Die Sadduzäer wollen ihn mit einer Diskussion über die Auferstehung der Toten in Widersprüche verwickeln. Ihnen geht es nur darum, Beweise für eine Anklage gegen Jesus wegen Gotteslästerung zu sammeln.

 

Ganz anders dagegen der Schriftgelehrte. Von ihm heißt es, dass er die Frage gestellt habe, weil er bemerkt habe, wie treffend Jesus den Pharisäern und Sadduzäern geantwortet habe. Leider ist diese Information bei der Auswahl des Abschnitts aus dem Markusevangelium weggelassen worden, aber sie ist wichtig für das Verständnis des Textes.

 

Jesus antwortet nämlich nicht nur mit dem Schma Jisrael als dem Gebot, Gott in seiner Einzigartigkeit anzuerkennen und zu lieben, sondern er bringt zusätzlich das Gebot der Nächstenliebe ins Spiel. Der Satz Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst ist ein dabei ein wörtliches Zitat aus dem Buch Levitikus (Lev 19,18). Das Gebot der Nächstenliebe ist damit keinesfalls – wie oft vermutet wird – eine „christliche Erfindung“, sondern sie ist ein urjüdisches Gebot.

 

Es scheint so, dass der Schriftgelehrte die Frage nach dem wichtigsten Gebot nur deshalb gestellt hatte, um sich von Jesus in seiner Meinung bestärken zu lassen, nämlich dass die Gebote der Gottesliebe und der Nächstenliebe gleichwertig sind und einander ergänzen. Das wird darin deutlich, dass er Jesu Antwort nochmals mit eigenen Worten zusammenfasst.

 

Der Schriftgelehrte betont aber auch, dass das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe viel wichtiger sei als alle Brandopfer und anderen Opfer. Eigentlich ist auch das eine Selbstverständlichkeit, denn schon der Prophet Hosea lässt Gott sprechen: An Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern (Hos 6,6) und im ersten Buch Samuel (1 Sam 15,22), in den Psalmen (Ps 51,18f) und im Buch der Sprichwörter (Spr 21,3) finden sich ähnliche Zitate.

 

Mit den Brandopfern im Tempel sollte dem einzigen Gott die Ehre erwiesen werden; sie waren also Ausdruck der Gottesliebe. Aus der kritischen Anmerkung des Schriftgelehrten wird aber deutlich, dass die Pharisäer und die Sadduzäer den exakten Vollzug des Tempelkult derart verabsolutiert hatten, dass sie darüber die Nächstenliebe vergessen hatten.

 

Die Frage, in welchem Verhältnis die Gottesliebe und die Nächstenliebe stehen, stellte sich nicht nur zur Zeit Jesu, sondern auch heute.

 

Wenn wir die Eucharistie feiern, ist auch von einem Opfer die Rede. Dabei sollten wir weniger an die eucharistischen Gaben von Brot und Wein denken, denn diese erinnern uns und vergegenwärtigen das Opfer, das Jesus Christus durch seinen Kreuzestod für uns erbracht hat, aber sie sind nicht unser Opfer an Gott im Sinne des alttestamentlichen Opferkultes.

 

Wenn der Priester im dritten Hochgebet die Worte spricht Er [Christus] mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir [Gott] wohlgefällt, dann wird deutlich, dass wir selbst das Opfer sein sollen: Wir sollen unseren Egoismus und unsere Selbstbezogenheit „opfern“ und Jesus Christus auf seinem weg der bedingungslosen Nächstenliebe nachfolgen.

 

Gottesliebe und Nächstenliebe gehören untrennbar zusammen; Gottesdienst ohne Dienst am Nächsten ergibt keinen Sinn. Gerade jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie, wo es uns einerseits wegen der Maßnahmen zum Infektionsschutz schwerfällt, würdig Gottesdienst zu feiern und wo andererseits viele Menschen die Hilfe ihres Nächsten bräuchten, lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob unser Verhältnis zwischen Gottesliebe und Nächstenliebe noch stimmt.

 

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim,

stephan.rist@gmx.de,

Telefon 07231 468556

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Kein anderes Gebot ist größer als diese
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Der Gott der Lebenden

Impuls am Mittwoch, 3. Juni von Anita Ketterl

Im Tagesevangelium (Mk 12,18-27) wird Jesus mit der Frage konfrontiert, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Er sagt:

"Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von  Lebenden."

Damit könnte er meinen: Gott will Leben und Lebendigkeit für seine Geschöpfe - Gott sucht die Beziehung zu uns und kann kein Interesse daran haben, dass der Tod uns ihm nimmt.

Die Hoffnung auf ein "ewiges Leben" bedeutet nicht unbedingt, dass das Leben einfach ewig weitergehen soll. Es geht vielleicht mehr darum, dass ein verstorbener Mensch nicht einfach ausgelöscht sein soll, sondern dass seine Identität, seine Lebensgeschichte, seine Einzigartigkeit bei Gott aufgehoben sind. Und noch mehr: Dass es durch Gott Trost, Versöhnung, Gerechtigkeit und zweite Chancen geben kann - gerade, wenn wir an Menschen wie George Floyd denken, die dem Leben ungerecht und brutal entrissen wurden.


Wir dürfen lernen Jesus zu vertrauen, der nach seinem Tod den Jüngerinnen und Jüngern erschienen ist. Wir dürfen aber auch unseren persönlichen Erfahrungen mit Trauer trauen: So natürlich der Tod zum Leben gehört, so unnatürlich und falsch fühlt es sich doch an, einen geliebten Menschen zu verlieren.

Hoffen wir also, auch für alle Menschen, die dem Rassismus zum Opfer fallen, auf den Gott der Lebenden - und geben wir uns alle Mühe Leben und Würde zu schützen.

 

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Die Frage nach der kaiserlichen Steuer Markus 12,13-17

Gedanken zum Tagesevangelium, Dienstag 2. Juni 2020

Einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wurden zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken. Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und auf niemanden Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wahrhaftig den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen. Man brachte ihm einen. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Und sie waren sehr erstaunt über ihn.

Religiöse Eiferer wie die Zeloten riefen in neutestamentlicher Zeit dazu auf, die Steuerzahlungen an Rom zu verweigern. Man wollte die Römer nicht im Land. Und so musste man in vielen Bereichen des Lebens Kompromisse eingehen.

Das gefällt mir. Wie Jesus das den hochnäsigen Pharisäern zeigt. Da bin ich immer „unchristlich“ Schadenfroh.

Die Pharisäer forderten Jesus heraus: Ist er einer, der sich gegen die Römer wehrt oder gibt er klein bei, um nicht rechtlich verfolgt zu werden? „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“

Die Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wissen was richtig ist. Oder meinen es.

Und so gibt es auch heute noch viele, die genau meinen zu wissen, was die Wahrheit ist. Und diese Menschen sparen auch nicht damit ihr perfektes Wissen kund zu tun. Und dann frage ich mich: Gibt es überhaupt die richtige Sichtweise, Reaktion, Weltanschauung. Eigentlich kann ich ja nur in meiner kleinen Welt meine kleine Wahrheit finden. Oder mit dem Philosoph Socrates gesprochen“ ich weiß, dass ich nichts weiß“ Sind diese „wissende“ Menschen nicht schon deshalb unwissend, weil sie ihre Meinung als allgemein gültig ansehen?

Jesus findet einen Weg. Sehr einfallsreich. „Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“

Die Wahrheit ist nicht in den kaiserlichen Steuern oder im Streit mit den politischen Verhältnissen zu finden. Die Wahrheit ist bei Gott.

Suchen wir sie bei ihm.

Ich wünsche Ihnen eine erlebnisreiche Entdeckungsreise.

Ihre Barbara Ulmer

 

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Geisterfahrungen durch Achtsamkeit auf den Atem

Impuls für Pfingstmontag, 1. Juni 2020

In der Bibel sind Erfahrungen des Heiligen Geistes sehr unterschiedlich beschrieben, nicht nur wie Feuerszungen, sondern auch wie der Atem, der dem Menschen innewohnt und kommt und geht, ohne dass wir etwas dazu tun.

So möchte ich Sie zu einzelnen Achtsamkeitsübungen einladen, in denen wir unseren Atem wahrnehmen:

  • Setzen Sie sich in eine angenehme Position, in der Sie nichts festhalten müssen. Schließen Sie die Augen. Achten Sie nur auf Ihren Atem, ohne etwas zu tun.
  • Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch.
  • Atmen Sie durch die Nase tief in den Bauch hinein und nehmen Sie diese Atmung bewusst wahr.
  • Stellen Sie sich beim Einatmen vor, dass Sie einen wohltuenden Duft aufsaugen, der Ihren ganzen Körper durchströmt.
  • Atmen Sie durch den leicht geöffneten Mund aus. Stellen Sie sich dabei vor, wie sie ganz zart eine Pusteblume blasen.
  • Zählen Sie beim Ein- und Ausatmen; das erleichtert die gleichmäßige rhythmische Atmung. Versuchen Sie zum Beispiel jeweils fünf Sekunden lang ein- und auszuatmen.
  • Wechseln Sie auch mal die Position und atmen Sie bewusst im Sitzen, Stehen und Liegen. Spüren Sie einen Unterschied?

Vielleicht sind die Übungen ungewohnt, erzeugen Unruhe und lassen viele Gedanken durch unseren Kopf strömen. Das ist anfangs normal. Sobald Sie es aber öfters praktizieren, kann es sich verändern, so dass Sie loslassen und sich ganz dem Atmen, dem Heiligen Geist überlassen können. Was wichtig ist, Nichts muss!!! Aber es darf alles sein. So wie wir sind, sind wir von Gott geliebt und will uns der Heilige Geiste immer wieder neu mit seiner Liebe erfüllen.

 

Markus Schütz, Pastoralreferent

Markus.schuetz@kath-pforzheim.de
Tel.: 07231-4557868

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Impuls zu Joh 20,19-23/Apg 2,1-11

an Pfingstsonntag 31.05.2020

Es geht also um Beatmung an Pfingsten: „Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ Beatmung. Da klingeln uns die Ohren. Darum geht es nun schon mindestens die letzten 10 Wochen. Beatmung kann lebensrettend sein, wenn jemand sich mit Corona infiziert hat. Beatmungsplätze können knapp werden, wenn sich zu viele infizieren. Zuerst in Italien, dann auch in Frankreich, Spanien, New York, zuletzt in Brasilien und Indien – und an vielen anderen Orten von denen wir es gar nicht so genau wissen – sind die Beatmungsplätze so rar geworden, dass Ärzte gezwungen waren die fatale Entscheidung zu treffen: „Jene können wir beatmen, jene nicht“. – Und die müssen dann sterben. Eine grausame, unmenschliche Situation. Beatmung kann lebensrettend sein…

Wenn Jesus seine Jünger anhaucht, dann geht es anscheinend um mehr, als um die Versorgung mit lebensnotwendigem Sauerstoff. Obwohl – ich finde das ist eigentlich gar kein so schlechtes Bild. Der Sauerstoff, der von Lunge und Haut aufgenommen wird, versorgt unser Blut und durchströmt die Poren und Zellen unseres Körpers. Er versorgt uns. Er ist lebensnotwendiger Atem. Lebensatem. Der Atem ist selbstverständlich, fast automatisch. Ich entscheide mich ja nicht zu atmen, so wie ich mich entscheide aufzustehen, oder mich hinzulegen, los zu laufen oder mich aufs Fahrrad zu setzen oder ins Auto. Der Atem kommt und geht fast wie von selbst. Wenn ich nicht atme, bin ich tot.

 

Klar: Der Heilige Geist ist ja nochmal was anderes als lebensnotwendiger Sauerstoff. Aber wenn Jesus seine Jünger mit ihm beatmet, sie anhaucht, dann könnte ich mir vorstellen, dass er uns ja auch ganz und gar durchströmen möchte, bis in den letzten Winkel unseres Lebens hinein. Unser Tun und Wollen, unser Denken und Fühlen, unser Reden und Handeln, unsere Beziehungen zueinander und zu all unseren Mitgeschöpfen, das Leben in unserer Stadt, in unserem Land, in der ganzen Welt. Alles durchatmet, durchströmt vom Heiligen, guten Geist Gottes…. Ich kann ihn nicht machen. Ich werde von ihm beatmet. Göttlicher Atem mit dem Jesus uns anhaucht, beatmet. Lebensnotwendig, weil wir ohne ihn in unmenschlichem Egoismus, in Hass und Gewalt, in Rücksichtlosigkeit, in Unmenschlichkeit untergehen und versinken. In der Taufe, bei Kommunion und besonders bei der Firmung feiern wir dies ausdrücklich und bekommen wir es ganz besonders in das Stammbuch unseres Lebens hineingeschrieben: Von Anfang an sind wir so angelegt, dass wir von göttlichem Atem angehaucht sind, dass wir mit dem Heiligen Geist Gottes beatmet werden.

 

Es gibt natürlich einiges zu klagen in diesen Coronazeiten. Besonders für erkrankte, alte, gefährdete Menschen. Für Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder betreuen sollen, für jene, deren berufliche Existenz auf dem Spiel steht oder den Bach runter geht, für jene, die liebe Familienangehörige gerade nicht sehen können…  Auch ich klage ab und zu: Gerne würde ich anders Gottesdienst feiern zum Beispiel, als so wie es uns im Moment eben nur möglich ist. Selbstverständlich. Aber in dem einen oder anderen Klagelied, das vor allem öffentlichkeitswirksam und laut gesungen wird, klingt für meine Ohren auch ziemlich viel „Ich“ durch: „Ich kann dies oder jenes nicht mehr. Meine Freiheit und meine Grundrechte werden mir weggenommen. Ich darf nicht mehr so feiern, wie ich gerne möchte. Ich, ich, ich…“

 

„Der Heilige Geist ist das, was zwischen Menschen ist, die sich lieben“, hat unser Pfarrer damals gesagt. Ich war vielleicht 14/15 Jahre alt, aber ich habe diesen Satz bis heute nicht vergessen. „Der Heilige Geist ist das, was zwischen Menschen ist, die sich lieben“. Und was das ist, weiß doch jede und jeder von uns. Die ganze Bandbreite eben: Von den schwirrenden Schmetterlingen, die dann hoffentlich, wenn es gut geht, auch die Kräfte freisetzen, die Menschen fähig machen zueinander zu stehen, miteinander durch dick und dünn zu gehen, sich gegenseitig anzunehmen, sich zu tragen und zu halten. Bis dahin, dass sie Menschen die Kraft gegeben im jeweils anderen zu Hause zu sein, die Menschen miteinander und beieinander durchatmen und neue Lebensenergie schöpfen lässt…. „Der Heilige Geist ist das, was zwischen Menschen ist, die sich lieben…“

 

Ist das zu ideal? Zu rosarot? Das wissen Sie besser als ich. Aber ich glaube eigentlich schon, dass dieser Heilige, gute Geist Gottes uns wenigstens daran erinnert, dass keine und keiner von uns als „Ich-AG“ gegründet ist. Wenn er das ist, was zwischen Menschen lebt, die sich lieben, dann treibt er uns doch an, dass wir nicht ständig Ich sagen, sondern Du: „Ich möchte, dass es Dir gut geht. Ich möchte, dass Du gehalten, getragen, geborgen bist. Ich möchte, dass alles was in Dir ist auch leben darf. Ich möchte, dass es Dich gibt. Gott sei Dank bist Du da!“ Dann ist es doch der tiefste Wunsch unseres Herzens: „Ich möchte, dass Du lebst, immer lebst und niemals gehen musst“. Dann ist es doch im tiefsten unseres Herzens der Wunsch nach nimmer endendem Leben miteinander, der Aufstand gegen den Tod!

 

Ich höre nicht nur Klagelieder in dieser Coronazeit. Manche sagen auch: „Endlich mal eine Schnaufpause in diesem hektischen, durchgetakteten Leben.“ Eltern, die es eigentlich besonders schwer haben, habe ich gehört: „Unserer Familie tut das auch mal ganz gut. Wir sind fast gezwungen mehr Zeit miteinander zu verbringen, uns miteinander zu beschäftigen, sogar zu spielen…“ Nein, ich möchte die Not dieser Tage damit überhaupt nicht relativieren. Aber mich erinnern solche Aussagen an die alte Binsenweisheit, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Ich entdecke darin ganz konkrete Zeichen, wie Menschen in dieser Zeit aus den „Ich-AG-Gefängnissen“ ausbrechen, zueinander finden und das neu entdecken, was eigentlich ja längst zwischen ihnen lebt….

 

Das wünsche ich für uns alle, für diese Welt und überhaupt für jede und jeden, dass wir spüren: Zwischen uns lebt guter, Heiliger Geist. Liebe gegen Hass. Friede gegen Gewalt, Streit und Krieg. Miteinander statt gegeneinander. Damit sind wir beatmet. Das lebt zwischen uns. Grund zu feiern und Danke zu sagen!

 

Mit dem Sprechen und Verstehen hat es schon einmal begonnen. Ich wünsche uns, dass es damit auch weitergeht und uns allen mit den Worten von Ilse Pauls ein frohes, begeisterndes und gesegnetes Pfingstfest:  Zuerst - Worte - falsch verstanden als Waffen gebraucht um Recht zu haben als Todesurteile. Es geschehen Wunder: Worte - die wärmen, trösten Schmerzen lindem, heilen – Worte machen Mut.“

 

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Ein Ausreißer

Impuls zum 30. Mai 2020

Das Ende des heutigen Tagestextes steht beim Evangelisten Johannes. Das ist der letzte Satz der Evangelien.

Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen. (Joh 21,25)

Da sind unerschöpflich viele Geschichten über die Anwesenheit Gottes in der Welt. Über Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gerade das Pfingstfest öffnet den weiten und reichen Schatz des Lebens, in dem wir das Wirken des Geistes Gottes erahnen und erleben.

Eine Begebenheit, die aber aufgeschrieben wurde, ist die eines 12jährigen Ausreißers, der eigene Wege geht: Jesus war 12 Jahre alt. Mit seinen Eltern zog er zum Paschafest nach Jerusalem hinauf und nach den Feiertagen machten sich alle auf den Weg zurück nach Hause. Zumindest glaubten das Maria und Josef. Sie waren schon eine Tagesstrecke weit gekommen als sie merkten, dass Jesus nicht in der Pilgergruppe war. Sie suchten ihn bei Verwandten und Bekannten. Der Junge war nicht da. Also suchten Sie ihn in Jerusalem und fanden ihn tatsächlich im Tempel unter den Lehrern, zuhörend und Fragen stellend.

„Kind wie konntest du uns das antun, wir haben dich voll Angst gesucht“, soll Maria gesagt haben. Doch Jesus reagierte verwundert: „Wie konntet ihr euch nicht denken, dass ich im Haus meines Vaters bin?“

Eltern verstehen die einfachsten Dinge nicht, könnte man meinen. Kinder auch nicht, könnte man auch meinen.

Doch es geht um den Platz, den wir im Leben finden müssen. In Raum und Zeit zurecht zu kommen, seines zu finden, die Grenzen zu überwinden, seine Berufung hören und danach handeln.

Alles gelassene Worte, doch verbunden mit einem kraftintensiven Suchen, Finden, Verwerfen und Neuwerden. Welcher Geist treibt uns an, in Zeit und Raum zurecht zu kommen?

Der Geist Gottes schwebt schon bei der Schöpfung über den Wassern. Die Ruach, das hebräische Wort für Geist, Sie treibt an, sie unterscheidet, sie baut auf und bewirkt. Gottes Geist in der Schöpfung, in uns.

Der Geist Gottes sagt Jesus, dass er im Tempel sein soll. Fern vom braven Jungen, der artig bei den Eltern bleibt, führt ihn der Geist in sein Element. Ein noch harmloser Vorgriff des Ausreißers aus den Regeln der Welt. Mit seiner Lebenshingabe reißt Jesus später ganz andere Regeln und Selbstverständlichkeiten für eine Neuschöpfung nieder. Ein Ausreißer. Der Geist Gottes wirkt.

Nun ein anderer 12jähriger: Zu Pfingsten hörten wir in den vergangenen Jahren in der Barfüßerkirche immer wieder großartige Gitarrenmusik, unter anderem von dem Komponisten Isaac Albeniz. Albéniz begann als Wunderkind am Klavier, sein erstes Konzert gab er im Alter von vier Jahren. Seine Eltern präsentierten ihn dabei verkleidet als Musketier. Schon bald lief er immer wieder von zu Hause fort, zunächst innerhalb Spaniens, und finanzierte sich durch spontane Konzerte. Schließlich floh er im Alter von zwölf Jahren (oha) als blinder Passagier auf einem Schiff nach Puerto Rico, von dort weiter nach Buenos Aires, dann nach Kuba. Hier gelang es seinem Vater, ihn aufzuspüren. Isaac konnte ihn jedoch überreden, dass er allein nach New York weiterreisen durfte.

Welcher Geist hat diesen Jungen getrieben? Und was muss der Geist mit diesem Vater angestellt haben, dass er seinen Sohn durch die halbe Welt sucht und, in Kuba gefunden, sich dann überreden lässt, dass er allein weiterreisen darf.

Vielleicht kann man nicht verstehen, was einen treibt und vielleicht darf man auch nicht alles auf den Geist Gottes schieben.

Aber: Vielleicht verstehen Eltern wie Kinder die einfachsten Dinge nicht und es genügt, dass ein anderer tief blickt? Denn: Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.

Wenn Sie Musik von Albeniz einmal hören/sehen wollen: Hier spielt Ana Vidovic das Stück „Asturias“ von Isaac Albeniz (Auf den Link klicken oder den Link in den Browser einfügen: https://youtu.be/inBKFMB-yPg

Zum 30. Mai 2020, kurz vor Pfingsten, Tobias Gfell

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Pfarrbrief-Nr.7 (30.05.-28.06.2020)

Vorwort

Lassen Sie sich „anstecken“

„Bleibt zuhause“ – so lautete der Slogan, der uns einige Wochen während der Corona-Zeit begleitete. Bleibt zuhause, da ist es sicher, da ist die geringste Ansteckungsgefahr für Euch selbst und auch für andere. Bleibt zuhause, damit sich das Virus nicht weiter verbreiten kann.


Bleibt zuhause – das war womöglich auch der Slogan der Jünger nach Jesu Tod und Auferstehung. Fenster zu, Türen verschlossen, so harren sie gemeinsam in Jerusalem aus. Nur kein Risiko eingehen. Könnte ja sein, dass die Leute, die Jesus ans Kreuz gebracht haben, auch hinter ihnen her sind. Verängstigt, eingeschüchtert, verunsichert, fragend, zweifelnd, enttäuscht, wie versteinert – all das mag die Gefühlslage der Freunde Jesu immer noch beschreiben.

Doch dann kam Bewegung in die ganze Situation: Der Heilige Geist, von Jesus angekündigt, kam mit Macht bis in jenen verschlossenen Raum in Jerusalem und erfüllte die mutlose Runde mit all seiner Kraft. Petrus war der erste, der Fenster und Türen öffnete, vor die Menge trat und Jesus als den Gekreuzigten und Auferstandenen bezeugte: mutig, entschlossen und kraftvoll. Diese Begeisterung wirkte ansteckend und breitete sich aus. Immer mehr Menschen wurden vom Glauben an Jesus infiziert und ließen sich taufen. Pe- trus, so könnte man sagen, war der erste in der Infektionskette. Gott sei Dank ging er hinaus.

Pfingsten ist für mich ein Synonym für Mut, Kraft, Lebendigkeit, Offenheit, für Begeisterung und Freude an unsrem Glauben. Das sollten wir in diesem Jahr ganz besonders feiern. Und dass es wie- der Gottesdienste gibt, wenn auch mit Bedacht und Verantwortung, manchmal wie mit angezogener Handbremse, ist für mich wie ein kleines Pfingstfest. Auch hinter den vielen kreativen Ideen der letzten Zeit war für mich das Wirken des Heiligen Geistes zu spüren.

Lassen Sie sich immer wieder anstecken von dieser pfingstlichen Begeisterung und Freude!

Margarete Hosbach Gemeindereferentin

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Katholische Kirchengemeinde Pforzheim
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Pastoraler Raum Pforzheim-West
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Monsignore Karl Binder feiert am 30. Mai seinen 80. Geburtstag!

Karl Binder wurde am 29. September 1968 vom brasilianischen Bischof Dom Camilo Faresin in der St. Antoniuskirche zum Priester geweiht. Seither ist er unermüdlich in Brasilien tätig, vor allem in der Diamantensucherstadt Torixoreu und in deren Umgebung. Im Juni 2007 erhielt er von Papst Benedikt XVI den Ehrentitel Monsignore. Nach dem plötzlichen Tod seines Bischofs wählten ihn die Priester der Diözese (die so groß ist wie Baden–Württemberg) am 22.12.2007 einstimmig zum Diözesanadministrator. Diesen Dienst in der Bischofsstadt Guiratinga als Leiter der Diözese versah er 15 Monate hindurch zusätzlich zur Seelsorge in seinen Gemeinden, und anschließend machte ihn der neue Bischof zu seinem Generalvikar.

Am 30. Mai 1940 in Tannowitz bei Nikolsburg geboren, war er mit seiner Familie über Andersbach bei Sinsheim nach Pforzheim gekommen.


Den Kontakt zu St. Antonius und zum Dekanat Pforzheim, wo er Gruppenleiter und auch eine Zeitlang Dekanatsjugendführer war, pflegte er in all den Jahren. Im September 2018 feierte er in St. Antonius sein Goldenes Priesterjubiläum. Dabei sang der Kirchenchor - wie er es bei der Priesterweihe getan hatte - die ‚Messe Salve Regina’ von G. E. Stehle (1839-1915).

Jetzt am Pfingstsonntag wollte Karl Binder ebenfalls wieder in St. Antonius zusammen mit der Gemeinde in einem Dankgottesdienst seinen 80. Geburtstag feiern, doch die Corona-Pandemie kam dazwischen. Er schrieb mir am 3. Mai 2020: „Leider muss ich meine Geburtstagsfeier auf das nächste Jahr verschieben. Es gibt im Mai keinen Flug nach Deutschland.“

Nach wie vor brennt Karl Binder für seinen Beruf und lebt seinen Wahlspruch: „Gehet hin in alle Welt und verkündet allen Menschen die frohe Botschaft!“ Er ist dankbar, dass viele Menschen in Pforzheim und darüber hinaus für ihn beten und ihn finanziell unterstützen!

Die Kirchengemeinde Pforzheim, und hier vor allem der Pastorale Raum Pforzheim-West, gratuliert Monsignore Karl Binder von Herzen zum 80. Geburtstag und erbittet für ihn den Segen Gottes und Gesundheit, damit er seinen Dienst an den Menschen in Brasilien noch lange ausüben kann.

Wir freuen uns auf die Nach-Feier des 80. Geburtstags im Jahr 2021!

Karl-Heinz Renner, Sprecher des Gemeindeteams von St. Antonius

PS: Wer ihm für seine Arbeit eine Spende zukommen lassen möchte, kann dies in einem an das Pfarrbüro gerichteten Umschlag oder durch Überweisung auf das Konto der Gemeinde mit dem Stichwort „Karl Binder“ tun.


Osterkerzen in Pforzheim-West

Wie seit einer ganzen Reihe von Jahren haben auch in diesem Jahr wieder Frauen aus Hl. Familie Osterkerzen für alle drei Kirchen geschmückt. Ihre Handschrift ist unverkennbar. Die Osterkerzen erregen stets Aufmerksamkeit, man freut sich darüber bei jedem Kirchenbesuch.

Herzlichen Dank und Vergelt’s Gott!

Text und Foto: Karl-Heinz Renner



Werktagsgottesdienste

Bitte beachten Sie:

Nach den Pfingstferien ab 15. Juni finden die Werktagsgottesdienste am Dienstag in St. Bernhard bzw. Hl. Familie wieder um 14.30 Uhr statt. Ebenfalls um 14.30 Uhr ist die Hl. Messe jeden Donnerstag in St. Antonius.


Neuer leitender Pfarrer der Kirchengemeinde Pforzheim ist Georg Lichtenberger!

Nach dem unerwarteten Tod von Dekan Bernhard Ihle ist Pfarrer Georg Lichtenberger, früher als erwartet, neuer Leiter der Kirchengemeinde Pforzheim. Auch für uns in Pforzheim-West ist Herr Lichtenberger kein Unbekannter, zumal er seit 2003 Pfarrer von St. Elisabeth und seit zehn Jahren zusätzlich Pfarrer von Liebfrauen ist. In dieser langen Zeit sind wir ihm bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten immer wieder begegnet.

Wir sind uns sehr bewusst, dass er mit der neuen Aufgabe zusätzliche Lasten zu tragen hat.

Wir freuen uns auf das neue Miteinander und erbitten für unseren leitenden Pfarrer den Segen Gottes für viele gute gemeinsame Jahre in der Kirchengemeinde Pforzheim!

Für die Gemeindeteams von Pforzheim-West

Karl-Heinz Renner, St. Antonius; Markus Clemens, St. Bernhard und Martina Peter, Heilige Familie


Fronleichnam 2020

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation entfällt das gemeinsame große Fronleichnamsfest der Katholischen Kirchengemeinde Pforzheim. Gottesdienste in den einzelnen Gemeinden werden gefeiert, allerdings unter den bekannten Hygienemaßnahmen und den jeweils für die einzelnen Kirchen begrenzten Besucherzahl.

Für nächstes Jahr ist an Fronleichnam, dem 03. Juni 2021 wieder ein großer gemeinsamer Fronleichnamsgottesdienst in St. Elisabeth geplant.

Gottesdienste zu Fronleichnam in unserer Kirchengemeinde: Mittwoch, 10. Juni 2020

18.30 Uhr Vom Hl. Geist, Würm, Vorabendmesse zu Fronleichnam

Donnerstag, 11. Juni 2020

09.00 Uhr Herz Jesu

09.00 Uhr Heilige Familie, Dietlingen 09.30 Uhr St. Elisabeth

10.30 Uhr St. Antonius

11.00 Uhr St. Franziskus

11.00 Uhr Liebfrauen


Wer bist Du, Maria?

Impuls zum 29. Mai 2020

Immer noch sind wir im Mai – in der Tradition der katholischen Kirche auch als Marienmonat bezeichnet. Vielerorts sind die Marienaltäre in dieser Zeit mehr als sonst geschmückt. Wenn es keine Versammlungsbeschränkungen wegen Corona gibt, treffen sich Gläubige zum Rosenkranz und zu Maiandachten. Viele Menschen fühlen sich von Maria besonders verstanden, weil sie als Frau und Mutter alle Facetten des Lebens durchlebt hat, die auch wir heute kennen: Unsicherheit, Angst, Freude und Leid. Die vielen Kerzen, die gerade täglich beim Marienaltar entzündet werden, singen ein Lied davon.

Zugegeben: mit so mancher Form der in meiner Kindheit erlebten Marienfrömmigkeit tue ich mich eher schwer. Begriffe wie Himmelskönigin, Sternenumglänzende aus traditionellen Marienliedern kommen scheinbar aus einer anderen Zeit. Und Maria als Magd des Herrn? Könnte da nicht allzu leicht ein unterwürfiges Frauenbild in der Kirche hergeleitet oder verstärkt werden, das es längst zu überwinden gilt?

Und doch: ich nehme mir Maria gerne als Vorbild.

Mein Blick geht dabei auf die Erzählungen der Bibel. Und da finde ich unendlich viele Dinge, die mich an ihr beeindrucken und faszinieren.

  • Mir fällt auf, wie unglaublich mutig sich diese junge Frau aus Nazareth ohne Vorbehalt und Risikoabwägung, mit jeder Faser ihres Seins auf den überraschenden Ruf Gottes eingelassen hat. (Lk 1,26ff)
  • Oder wie sie beim Magnificat, dem Lied Marias bei der Begegnung mit Elisabeth, ihre prophetische Seite zeigt, wenn sie singt: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk 1, 52f).
  • Dabei steht Maria nie selbst im Mittelpunkt, sondern bleibt immer ganz auf Jesus bezogen, wie bei der Hochzeit zu Kana, wenn sie sagt: „Was er euch sagt, das tut!“. (Joh 2, 5)
  • Schließlich ist sie Mutter in aller Konsequenz, muss erleben, wie Ihr Kind auf seinem Weg scheitert und geht trotzdem mit, hält aus und bleibt bei ihrem Sohn bis in die dunkelste Nacht unter dem Kreuz. (Joh 19,25)
  • Sie erlebt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und im Kreis der Jünger empfängt auch sie an Pfingsten den lebensspendenden Geist Jesu, Mut und Kraft, die uns allen zugesagt ist. (Apg 2, 1ff)

Maria kann in vielen Bereichen ein Vorbild sein.

Immer aber ist sie ein Weg, der zu Jesus führt.

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin

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Tageslesung 28.Mai Donnerstag der siebten Woche der Osterzeit

Lesung (Apg 22,30; 23,6-11)

 

Du sollst auch in Rom Zeugnis ablegen

In jenen Tagen,

als der römische Oberst genau wissen wollte,
was die Juden Paulus vorwarfen,
ließ er ihn am nächsten Tag aus dem Gefängnis holen

und befahl,
die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat
sollten sich versammeln.

Und er ließ Paulus hinunterführen
und ihnen gegenüberstellen.

Da Paulus aber wusste,
dass der eine Teil zu den Sadduzäern,
der andere zu den Pharisäern gehörte,
rief er vor dem Hohen Rat aus:

Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern;
wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten

stehe ich vor Gericht.

Als er das sagte,
brach ein Streit
zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus,

und die Versammlung spaltete sich.
Die Sadduzäer behaupten nämlich,

es gebe weder eine Auferstehung

noch Engel noch Geister,
die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem.

Es erhob sich ein lautes Geschrei
und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer

standen auf und verfochten ihre Ansicht.
Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen.
Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.

 

Als der Streit heftiger wurde,

befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen.

Daher ließ er die Wachtruppe herabkommen,
ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen
und in die Kaserne bringen.

In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus
und sagte: Hab Mut!
Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast,

sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.

Mess-Lektionar 1982 ff. © 2018 staeko.net

 


Antwortpsalm (Ps 16 (15),2 u. 5.7-8.9-11a (R: vgl.1))

 

Kv Behüte mich, Gott, denn ich vertraue auf dich. - Kv
Oder:
Kv Halleluja. - Kv

Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr; *
mein ganzes Glück bist du allein.»
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; *
du hältst mein Los in deinen Händen. - (Kv)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. *

Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.

Ich habe den Herrn beständig vor Augen. *
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. - (Kv)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; *
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.

Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; +
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. *
Du zeigst mir den Pfad zum Leben. - Kv

Mess-Lektionar 1982 ff. © 2018 staeko.net

 


Evangelium (Joh 17,20-26)

 

Sie sollen eins sein, wie wir eins sind: Sie sollen vollendet sein in der Einheit

In jener Zeit
erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach:

Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier,
sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

 

Alle sollen eins sein:
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin,

sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben,

die du mir gegeben hast,
damit sie eins sind, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir.
So sollen sie vollendet sein in der Einheit,
damit die Welt erkennt,

dass du mich gesandt hast
und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast,
dort bei mir sind, wo ich bin.

Sie sollen meine Herrlichkeit sehen,
die du mir gegeben hast,
weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt,
ich aber habe dich erkannt
und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan
und werde ihn kundtun,

damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist
und ich in ihnen bin.

Lektionar 2018 ff. © 2018 staeko.net

 


Alle sollen eins sein!

IMPULS ZUR TAGESLESUNG AM DONNERSTAG DER SIEBTEN OSTERWOCHE (28. MAI 2020)

Divide et impera, auf Deutsch: „Teile und (be)herrsche“, war eines der tragenden Prin- zipien des Römischen Reiches. Durch zahlreiche Kriegszüge hatte das Imperium Ro- manum ab dem dritten Jahrhundert vor Christus von Italien ausgehend seinen Macht- bereich auf den ganzen Mittelmeerraum ausgedehnt. Der römische Senat und später die römischen Kaiser hätten das Reich nie zusammenhalten können, wenn sich alle eroberten Völker gemeinsam gegen Rom erhoben hätten. Also zielte die römische Po- litik darauf ab, Zwietracht unter den beherrschten Völkern zu fördern. Zum einen gab es nur Bündnisse zwischen Rom und den einzelnen Provinzen; Bündnisse zwischen den Provinzen waren verboten. Zum anderen konnten die Völker durch Wohlverhalten ihren Status von Unterworfenen zu Verbündeten oder sogar Bundesgenossen bis hin zum Erwerb des römischen Bürgerrechts verbessern, was natürlich den Neid und das Misstrauen der weniger privilegierten Nachbarn gefördert hat.

An dieses Prinzip des „Teile und herrsche“ hat sich Paulus wohl erinnert in der Episode, die in der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt wird. Nach seiner dritten Missionsreise war er nach Jerusalem zurückgekehrt. Die Tatsache, dass er unter den Heiden missioniert hatte, erregte Misstrauen und Widerstand, vor allem bei den Juden, die wie er aus Asien kamen. Ihm wurde vorgeworfen, Irrlehren zu verbreiten, gegen das Gesetz des Mose zu verstoßen und den Tempel zu entweihen. Es entstand ein Tumult und Paulus wurde von der römischen Besatzungsmacht verhaftet. Weil er sich auf sein römisches Bürgerrecht berief, wurde er nicht gefoltert, sondern der römi- sche Oberst untersuchte den Fall, indem er den Hohen Rat als Vertreter der klagenden Partei anhört.

Das ist die Chance des Paulus. Er weiß, dass dem Hohe Rat sowohl Sadduzäer als auch Pharisäer angehören. So sehr sich diese beiden Gruppierungen einig sind in der Ablehnung dessen, was Paulus verkündet, so zerstritten sind sie untereinander, unter anderem in der Frage, ob es eine Auferstehung der Toten gibt: Die Pharisäer glauben daran; die Sadduzäer lehnen diese Vorstellung strikt ab. Paulus nutzt diese Uneinigkeit aus, in dem er sich als Pharisäer zu erkennen gibt und behauptet, wegen seines Glaubens an die Auferstehung der Toten vor Gericht zu stehen. Auf dieses Stichwort hin entsteht ein heftiger Streit zwischen den Mitgliedern des Hohen Rates und der römi- sche Offizier lässt Paulus in Sicherheit bringen.

Ganz im Gegensatz zu dem Prinzip des „Teile und herrsche“ steht der Wunsch, den Jesus im Gebet zu seinem Vater äußert: Alle sollen eins sein! Mit diesem Gebet schließt Jesus die Abschiedsrede an die Apostel ab, bevor er seine Passion antritt. Was wir heute im Johannes-Evangelium lesen, ist nicht nur ein Gebet, es ist zugleich das theologische Vermächtnis Jesu. Diejenigen, die durch die Verkündigung der Apos- tel an ihn glauben, sollen untereinander eins sind, so wie er eins ist mit dem Vater. Diese Aussage ist Jesus so wichtig, dass er diese Bitte gleich zweimal ausspricht: An der Einheit der Christen untereinander soll die Welt erkennen, dass Gott die Menschen liebt!

Das ist ein hoher Anspruch und wenn man bedenkt, wie sich die Christenheit im Laufe der Jahrhunderte zersplittert hat, kann man schon Zweifel haben, ob wir dem gerecht werden. Da gab es nicht nur das Schisma zwischen der orthodoxen und der römischen Kirche im 11. Jahrhundert und die Spaltung der Kirche in katholische und evangelische Christen durch die Reformation im 16. Jahrhundert, sondern auch die Abspaltung der sogenannten Piusbrüder nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, ganz zu schweigen davon, dass in jüngster Zeit die Konflikte zwischen konservativen Kreisen in der ka- tholischen Kirche und denen, die den Kurs der Erneuerung der Kirche unter Papst Franziskus stützen immer offensichtlicher werden.

Wie sollen wir also dem Anspruch Alle sollen eins sein gerecht werden?

Die Episode des Paulus vor dem Hohe Rat zeigt mir, dass es nicht so sehr darauf ankommt, dass man bei jeder theologischen Fragestellung immer einer Meinung ist, sondern wie man mit den Meinungsverschiedenheiten umgeht. Mit eins sein hat es sicher nichts zu tun, wenn man - so wie die Sadduzäer und die Pharisäer - nur auf das passende Stichwort wartet, um sofort und ungehemmt aufeinander loszugehen.

Der Einheit unter den Christen dient es aber auch nicht, wenn man versucht, alle the- ologischen Diskrepanzen mit der harmoniesüchtigen Phrase „Wir glauben doch alle an den einen Gott“ zuzudecken. Leider hört man dieses (Schein-) Argument immer wieder im ökumenischen Dialog und gerade bei der Frage der Interkommunion, also der Zulassung nichtkatholischer Christen zum Empfang der Eucharistie, scheint dies „common sense“ zu sein. Wenn sich These A und These B widersprechen, dann kann aber A niemals gleich B sein. Wer etwas anderes behauptet, hat kein ernsthaftes Inte- resse am theologischen Diskurs oder es fehlt an intellektuellem Tiefgang.

Wer sich dagegen dem Anspruch Alle sollen eins sein verpflichtet fühlt, der pflegt einen wertschätzenden Dialog mit dem Andersgläubigen, hört geduldig seine Argumente, sucht die Gemeinsamkeiten und nimmt diese als Basis zur Vertiefung des gemeinsamen Verständnisses, anstatt das Trennende in den Vordergrund zu stellen.

Jesus Christus betet: So sollen sie vollendet sein in der Einheit ... Dieser Satz steht im Passiv und das hat für mich die beruhigende Gewissheit, dass nicht wir selbst, son- dern nur Gott diese Einheit vollenden kann. Aber mit der Hilfe des Heiligen Geistes, um dessen Beistand wir in dieser Zeit vor Pfingsten besonders beten, können wir ein gutes Stück darauf zugehen.

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de

Telefon 07231 468556

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Impuls am Mittwoch, 27. Mai 2020

In Psalm 68 betet jemand so:

Ich sage zum Herrn: Du bist mein Herr;

mein ganzes Glück bist du allein.

Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen.

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.

Ich habe den Herrn beständig vor Augen.

Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.

Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis;

du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.

Du zeigst mir den Pfad zum Leben.

Ich sage zu Gott:

 

Du, Gott, bist es, den ich als Grund hinter allem erahne; das Ziel meiner Sehnsucht, so glaube ich, bist Du. Du segnest mich mit Leben, mit Kraft, mit Menschen. Hast du meine Zukunft, meinen Lebensweg, vor Augen?

Ich danke Gott, der meinen Weg bis hierhin begleitet hat. Bestimmt öfter ohne, dass ich es gemerkt habe. Oft spüre ich eine Unruhe, eine Sehnsucht nach Dir, meistens nehme ich aber nur ein Schweigen wahr. Täglich bin ich verunsichert, Wanken gehört zu meinem Alltag, und doch glaube ich: Mein Wanken ist in dir geborgen und aufgefangen.

Es gibt Momente, da fühle ich es: Alle Unsicherheiten meines Lebens sind nichts gegen deinen Segen. Ich vertraue darauf, dass durch deine Liebe niemand verloren geht auch nicht die, die schon verstorben sind. Ich hoffe, dass ich die Wege zur Lebendigkeit jeden Tag klarer erkennen kann zeige sie mir, Gott!

Wie sagt Ihr Herz heute zu Gott? Einen schönen Tag wünscht Anita Ketterl

 

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