Theresienkapelle

Wenn die Kapelle reden könnte, würde sie ein Stück „kleine Kirchengeschichte" erzählen. Mehr als 70 Jahre ist das Theresienhaus - die Kapelle - alt, erbaut 1930/31. Wir müssen unserer Mutterpfarrei St. Antonius und Herrn Stadtpfarrer Faller danken. Sie stellten eigene Wünsche und Bedürfnisse zurück; bis zur Einweihung der neuen Antoniuskirche 1936 mussten sie sich mit der Notkirche begnügen. Sie wollten vorher den Katholiken von Arlinger und Brühl den Bau der Theresienkapelle ermöglichen.

 

Anfang der zwanziger Jahre entstanden die Siedlungen Arlinger und Brühl. Damals wohnten nur wenige Katholiken hier. Mit dem weiteren Anwachsen der Bewohner erhöhte sich der Anteil der Katholiken auf etwa 18 %. Diese benötigten wenigstens einen Gebetsraum.

 

Als Pfarrer Faller 1925 hierher kam, waren vom Kirchenbauverein nur RM 400.- vorhanden; denn durch die Inflation war das früher vorhandene Geld verloren gegangen. Jetzt wurde wieder mit der Sammeltätigkeit begonnen, aber vorerst schien es aussichtslos, im Arlinger in absehbarer Zeit eine Kapelle und einen Kindergarten erbauen zu können. Aber mit Hilfe von Bonifatiusverein und Kirchenbauverein der Pfarrgemeinde konnte wenigstens ein Grundstück von 30 Ar in geeigneter Lage von Gärtnermeister Kamm erworben werden. Eine Übernahme der Kosten für den Bau von Schwesternhaus mit Kindergarten und Kapelle von einem Mutterhaus zu erhalten, war nicht möglich. 1930 vermittelte der Caritasverband ein günstiges Darlehen von 11 300.- Mark und das Veronikawerk in Bühl von 25 000.- Mark. Der Bonifatiusverein sicherte zudem eine jährliche Zinsenbeihilfe von 1 200.- Mark zu. Unter diesen Umständen konnte es gewagt werden, den Bau zu beginnen. Das noch fehlende Geld musste durch Sammlungen in der Gemeinde und durch den Kirchenbauverein aufgebracht werden. Die Gesamtkosten mit Inneneinrichtung betrugen 50 500.- Mark. Um die Zinsen zu bezahlen und die Schuld zu tilgen, fand jedes Jahr bis zum Krieg ein Basar im Elisabethenhaus und im Thersienhaus statt. In den Kriegsjahren tilgte die Gesamtkirchengemeinde die Restschuld von 5 000.- Mark. Wir dürfen sagen, die hl. Theresia vom Kinde Jesu, welche die Patronin der Kapelle ist, hat uns geholfen.

Die St. Theresienkapelle 1931 bei der Einweihung


Ein Zeitungsbericht vom 18. April 1931 kündigt die Einweihung an:

  • "In aller Stille wurde draußen in der Arlinger Siedlung ein Werk vollendet, auf das die Katholiken im Westen in besonderer Weise stolz sein dürfen. Inmitten der schmucken Häuschen des Arlingers erhebt sich auf freiem Platz und weithin sichtbar die neuerbaute Kinderschule mit Kapelle - das Theresienhaus - ein Wahrzeichen der Siedlung unserer Weststadt. Morgen wird zum ersten Mal die Glocke die Gläubigen der Siedlung zur Weihe des neuen Theresienhauses zusammenrufen. Alt und jung werden nun in Zukunft von dem Glöcklein gerufen werden, um in dem schlichten einfachen Raum der Kapelle Zwiesprache mit ihrem Schöpfer zu halten, Gottes Wort zu hören und sich daran zu erbauen. Und welch prächtiger Hort wird die Kinderschule für die Kleinen werden!“

Auszüge aus dem Einweihungsbericht vom 20. April 1931:

  •  "Die kirchliche Weihe des Theresienhauses in der Siedlung Arlinger fand am gestrigen Sonntag Morgen bei prächtigem Wetter statt. Die Weihehandlung wurde von Herrn Dekan Gehrig von Neuhausen unter Beistand des Herrn Pfarrkuraten Faller von der St. Antoniuskirche in Brötzingen und des Herrn Pfarrkuraten Seyfried von der Herz-Jesu-Kirche in Pforzheim vorgenommen. Die Kapelle als auch der mit ihr verbundene Saal der Kinderschule war bis auf den letzten Platz von einer andächtigen Gemeinde angefüllt. Der eigentlichen Weihe ging ein von einem Knaben am Eingang der Kapelle mit sehr gutem Ausdruck vorgetragenen Vorspruch voraus, der nächst Gott allen denen einen sinnigen Dank zollte, die sich um das Zustandekommen des anerkennenswerten Werkes verdient gemacht haben. Die Weihepredigt hielt Herr Pfarrkurat Seyfried. Er legte sich das Wort des Evangelisten Johannes von dem Guten Hirten, der sein Leben für die Schafe läßt, zugrunde, wobei er es auf die Kinderschule und das neue Gotteshaus deutete. Herr Pfarrkurat Faller las sodann die heilige Messe, zu der der gemischte Chor der St. Antonius-Kirche die begleitenden Gesänge und ein neuerworbenes, klangvolles Harmonium den instrumentalen Teil ausführte. Auch im übrigen umrahmten der Kirchenchor und das Harmonium den feierlichen Gottesdienst mit ihren stimmungsvollen Weisen. Geführt von den beiden Architekten Theo Preckel und Eduard Wolf wurde nach der Weiheandacht das Gebäude besichtigt. Übrigens ist das Gebäude bis Donnerstag der Besichtigung freigegeben. Am Nachmittag fand in der Wirtschaft zum Arlinger eine weltliche Feier statt, bei der in verschieden Reden denen Anerkennung und Dank ausgesprochen wurde, die ihr Teil zum Gelingen des bei aller Bescheidenheit des Äußeren und Inneren dennoch gediegenem und ansprechenden Bauwerkes beigetragen haben."

Dominikanerinnen von Neusatzeck/Bühl

Wie im St. Elisabethen-Haus der Pfarrei St. Antonius kamen vier Dominikanerinnen von Neusatzeck/Bühl und nahmen ihre segensreiche Arbeit im neuen Theresienhaus auf. Über Kapelle und Kindergarten stand für die Schwestern eine bescheidene Wohnung bereit. Von dieser trennten die Schwestern noch einen Raum für eine Nähschule ab. Sie mussten hauptsächlich von den spärlichen Einnahmen des Kindergartens, der Nähschule und des Krankenverein-Beitrags leben, ähnlich wie der hl. Franziskus und dabei leisteten die Schwestern Pionierarbeit im Arlinger.

 

In Haus und Garten waltete die tüchtige Haushaltschwester.

  • Wie?

betend, handelnd, oft schweigend, fröhlich, ausstrahlend, liebend. Sie hatten ja dazu hier in der Kapelle ihre „Tankstelle", wie sie selbst äußerten.

 

  • Wo halfen unsere Schwestern?

Im Kindergarten legten sie die Grundlage zur Ökumene. Es waren überwiegend evangelische Kinder hier. Auch in der Nähschule waren mehr andere Konfessionen vertreten. Die Frauen und Mädchen erlernten für ein paar Pfennige die Fertigkeit des Nähens von den tüchtigen Fachschwestern. Dabei wurde gelacht, gesungen, oft gute Gespräche geführt, die auch pädagogische und religiöse Hilfen waren. Bei den Kranken fragten die Schwestern nicht: "Ist der Kranke evangelisch oder katholisch, ist er Christ oder Kommunist (von letzteren gab es damals im Arlinger und Brühl mehrere). Ein Beispiel von Krankenschwester Camilla, die resolut-feinfühlig, nahezu 20 Jahre hier liebevoll wirkte.

  • Wann halfen sie?

Immer - aber besonders in der Arbeitslosenzeit der 30er-Jahre, im 3. Reich, in manch seelischer Not, nach dem 23. Februar 1945 (Großangriff auf Pforzheim), als Überlebende in die äußerste Weststadt, insbesondere in den nicht zerstörten Arlinger strömten, bei Kriegsende nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen. In ihrem Habit gingen sie mutig durch die Straßen; auf Leiterwagen sammelten sie Bettzeug, um in der Kapelle „Wallensteins Lager" aufzuschlagen, damit Mädchen und Frauen Unterkunft und Schutz vor den damals wilden Marokkanern hatten. Manchen Ausgebombten gewährten sie im Hause Obdach. Hier war Zuflucht, Heimat, Geborgenheit für Leib und Seele. Die Seelsorger von St. Antonius hatten wenig Zeit bei den vielen anfallenden Aufgaben. Dazu kamen noch die Dietlinger, Ellmendinger, „Weilemer", Dietenhausener - Heimatvertriebene, Heimatlose zu der bisher ganz kleinen Katholikenschar in diesen Orten. Hilfe und Trost war hier zu finden für die trauernden Angehörigen der Kriegsopfer. Sie kamen in die Kapelle, weinend - betend - eng zusammengerückt und zusammengehörend: Die Kapelle half zum „Miteinander Kirche sein". Neben Leid, Schmerz und Trauer konnte auch wieder Freude in der Gemeinde erfahren werden. Viele haben für das Überleben, das Wieder-glauben-können und das Neuanfangen Kraft in der Kapelle geholt.

Zwei Priester, die Brüder Otmar und Günter Hirt sind Spross aus der Theresienkapelle, ihre Primiz im Juni 1960 und im Juni 1964. Eine Dominikanerin Sr. Judith (Doris Zimmerer +) fand sicher hier als Kind und junges Mädchen ihren Weg nach Neusatzeck. Ein anderes Pfarrkind Brigitta Marschall gehörte der Gemeinschaft der Weißen Schwestern Trier an. Sie wirkte als Missionsschwester in Ruanda Afrika und bildete Katecheten aus.

 

Die Schwesternstation werden aufgelöst

Der Nachwuchsmangel war für die Priorin von Neusatzeck so bedrückend, dass sie zum 1. November 1986 die Schwesternstation St. Elisabeth auflösen musste, weil sie die Schwestern dringend in einem klostereigenen Haus brauchte. Die vielen Aufgaben der Schwestern mussten von anderen Menschen übernommen und das Elisabethenhaus umgebaut werden. Am 9. September 1989 konnte der erweiterte Kindergarten wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Seit Ostern 1991 schmücken Majolika-Platten die Fassade neben dem Haupteingang des St. Elisabethenhauses, auf denen Anina Gröger die Geschichte der hl. Elisabeth von Thüringen dargestellt hat.

Im Jahr 1989 musste auch die Schwesternstation in St. Bernhard geschlossen werden. In der Folge wurde auch das Theresienhaus umgebaut: aus der früheren Kapelle entstand der Theresiensaal, so dass heute für Feste – unabhängig vom Kirchenraum – ein Saal zur Verfügung steht.

 

Kapellchen wird Gemeindesaal

Pfarrversammlung St. Bernhard, Arlinger beschloss den Umbau

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nimmt die Pfarrgemeinde St. Bernhard im Arlinger bei einer letzten Eucharistiefeier am 10. Februar um 10.30 Uhr in der Theresienkapelle Abschied von deren ursprünglichen Bestimmung. Jahrzehnte hindurch war die Theresienkapelle der einzige Versammlungsort der Katholiken im Arlinger, bis das Gemeindezentrum St. Bernhard stand.

 

1989 kam es durch den Schwesternmangel zur Schließung der Schwesternstation. Da die Kapelle kaum noch genutzt wurde, haben nun Pfarrgemeinderat und Pfarrversammlung über die weitere Verwendung der Kapelle beraten. Es gab mehrere Vorschläge, doch einigte man sich schließlich auf die Umgestaltung des Raumes zu einem Gemeindesaal. Ausschlaggebend war, dass die Bernhardskirche bei Veranstaltungen der Gemeinde schwer abzutrennen ist. Das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg gab dieser Tage grünes Licht für das Vorhaben.