Die Arlinger Gemeinde war bis 1960 Filiale von St. Antonius. Deshalb wurden die Gottesdienste in der Theresienkapelle zunächst von Herrn Stadtpfarrer Karl Faller und den Kaplänen gehalten. Da ab Sommer 1946 katholische Gottesdienste in Dietlingen und Ellmendingen durch die wachsende Katholikenzahl nötig wurden, übernahmen die geistlichen Religionslehrer der Stadt die Sonntagsgottesdienste im Arlinger (Prof. Rudolf Jacobi, Herr Max Fauler, Herr Theodor Zeller). Die Werktagsmessen zelebrierten die Kapläne von St. Antonius.

 

Die Kirche wird gebaut

Die Pfarrkuratie Sankt Bernhard im Arlinger wurde am 1. Januar 1961 gegründet. Sie umfasste den Stadtteil Arlinger, das Industriegebiet Brötzinger Tal und die Siedlung Herrenstriet im oberen Enztal. Von 1961 bis 1967 war Herr Kurat Josef Fischer für die neu gegründete Kuratie zuständig. Sein Nachfolger wurde Kurat Karl-Heinz Würz (+27.02.2016). Im Jahre 1973 kamen von St. Antonius die Ortsteile DIETLINGEN, ELLMENDINGEN, WEILER und DIETENHAUSEN der Großgemeinde KELTERN hinzu. Am 1. Dezember 1974 wurde aus der Kuratie die Pfarrei St. Bernhard.

 

Als Gottesdienstraum diente zunächst die 1931 erbaute THERESIENKAPELLE, Ecke Merkur- und Brendstraße. Sie war verbunden mit einer Schwesternstation der Dominikanerinnen von Neusatzeck. Schwesternhaus und Kindergarten sind unmittelbar an die Kapelle angebaut. Die Theresienkapelle war jedoch als Gottesdienstraum bald zu klein geworden, so dass schon in frühester Zeit an einen Neubau gedacht wurde. Außerdem stand für nichtgottesdienstliche Veranstaltungen lediglich ein einziger Raum im Untergeschoss des Schwesternhauses zur Verfügung, ein Zustand, der auf lange Sicht unbefriedigend war.

 

So erwarb Kurat Josef Fischer mit seinen Mitarbeitern einige Grundstücke in der Nähe der Kapelle für einen Kirchenneubau. Es gab schwierige Verhandlungen mit verschiedenen Institutionen, die viel Ausdauer, Zähigkeit und Geduld erforderten. Durch eine freiwillige Baulandumlegung im August 1968 entstand dann Ecke Oos- und Brendstraße ein kleiner, aber hinreichender Platz für ein neues Gemeindezentrum mit Kirche.

 

Eine längere Vorbereitungsphase folgte unter dem Nachfolger Kurat Fischers, Karl-Heinz Würz. Die Gemeinde wurde daran bewusst in großem Maß mitbeteiligt. In mehreren offenen Pfarrversammlungen sprachen verschiedene Architekten mit den Gemeindemitgliedern über Fragen des modernen Kirchbaus. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Stiftungsrates unternahmen einige Besichtigungsfahrten, um neuere Kirchen an Ort und Stelle zu studieren. Am 18. November 1971 genehmigte schließlich das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg den Entwurf des Karlsruher Architekten, Dipl.-Ing. Otfried Weis. Der erste Bauabschnitt umfasste die Kirche mit allen Nebenräumen. Der zweite Bauabschnitt, der 1973 genehmigt wurde, bestand aus Pfarrhaus, Pfarrgarten und Garage.

Ende 1972 konnte mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden. Richtfest war am 9. November 1973. Kurz danach wurde auch mit dem Pfarrhausbau angefangen, so dass die gesamte Anlage (Kirche, Nebenräume, Pfarrhaus, Außenanlagen, Garage) mit der feierlichen Kirchenkonsekration durch den damaligen Weihbischof Oskar Saier am 1. Dezember 1974 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte.

 

Die Inneneinrichtung wurde ausschließlich durch Spenden aus der Gemeinde finanziert (300.000.- DM). Ein Bazar kurz vor der Kirchweihe erbrachte einen Reingewinn von etwa 30.000.- DM, mit dem eine 40 Register zählende Elektronenorgel angeschafft werden konnte. Die Gesamtkosten (Grundstück, Gebäude, Einrichtung, Außenanlagen, Parkplätze, Nebenkosten) beliefen sich auf etwa 2.500.000.- DM.

 

Der zur Verfügung stehende Platz war nicht sehr groß. Dennoch sollten in dem Gemeindezentrum möglichst viele verschiedene Aktivitäten entfaltet werden können, von Gottesdiensten über Großveranstaltungen bis hin zur Gruppenarbeit mit geringer Teilnehmerzahl. So war die grundsätzliche Variabilität der Räume von vorn herein vorgesehen. In möglichst wenigen Räumen sollten möglichst viele Veranstaltungen untergebracht werden können. Das Raumprogramm, das der Pfarrgemeinderat im April 1969 ausgearbeitet hatte, wird vom Architekten beschrieben: Es muss als sehr gut gelungen bezeichnet werden.

 

Die Gemeinde St. Bernhard hatte also im Dezember 1974 ihr neues Zentrum in Besitz genommen. Schnell wurde dieses HEIM zu einer neuen HEIMAT vieler aus nah und fern. Der Gottesdienstraum erwies sich als kontakt- und gemeinschaftsbildend. Die lockere Anordnung der liturgischen Gegenstände und des Gestühls ermöglicht vielerlei Formen (auch Experimente) von Gottesdienstgestaltung. Im rückwärtigen Teil des Kirchenraumes, der abgetrennt werden kann, finden gesellige Veranstaltungen heiterer und ernster Art statt (Bazar, Fasching, Pfarrfeste, Pfarrversammlung usw.). In den Nebenräumen entfaltete sich Gruppenleben. Der Kirchplatz wurde zu einem beliebten Kinderspielplatz und zu einem Ort freundlicher Freiluft-Feste („Hocketse"). Die Kegelbahn führt viele Freundeskreise und Vereine zu Sport und Geselligkeit zusammen. Der Bewuchs der Außenflächen hat  den zuerst herben Anblick von Beton und Glas gemildert und den Gesamteindruck noch verschönt. Alles in allem: ein gelungenes Werk, das seinen Sinn und Zweck sehr gut erfüllt.