Hl. Antonius von Padua

Antonius, ein Heiliger mit vielen Zeichen

Die Patronate finden sehr häufig ihren bildhaften Ausdruck in den Attributen, die von der Kunst den Heiligen beigegeben werden. Unter Attribut verstehen wir Zeichen oder Symbole, mit denen der Heilige gewöhnlich dargestellt wird und an denen er erkannt werden kann. Ein Attribut ist beispielsweise beim hl. Antonius dem Großen das Schwein, bei Petrus der Himmelsschlüssel, bei Paulus das Schwert, bei Katharina ein Rad, bei Barbara ein Turm usw. Freilich bezeichnen die Attribute nicht immer Patronate. Das Rad der hl. Katharina will nur die Art ihres Martyriums angeben, der Turm der hl. Barbara ein wichtiges Geschehnis aus ihrem Leben, dagegen will das Schwein des großen Einsiedlers auf sein Patronat für die Haustiere hinweisen.

 

Antonius von Padua, dieser viel angerufene Heilige, hat so zahlreiche Patronate, dass sein Bild geradezu überhäuft werden müsste, wollte man allen diesen Spezialitäten der Hilfeleistung Ausdruck geben. In den ältesten Darstellungen, im Jahrhundert seines Todes, trägt der Heilige die Bibel. Das ist das Zeichen der Apostel und Evangelisten, das hauptsächlichste Rüstzeug des Predigers und vorzüglich geeignet für den hl. Antonius, den Papst Gregor IX. wegen seiner Schriftkenntnis die „Arche des Testamentes“ genannt hat. Auch die ältesten deutschen Darstellungen, z.B. das spätgotische Bild von Gerard Davod und der älteste Holzschnittdruck zeigen uns den Heiligen mit dem Buch in der Hand. Es war das allerdings nicht so sehr ein Erkennungszeichen, als vielmehr eine Auszeichnung. Bis ins 15. und 16. Jahrhundert hinein trägt Antonius das Buch, manchmal sogar mehrere Bücher als Zeichen seiner Gelehrsamkeit.

 

Doch mit dem Buche wird auch der hl. Franziskus dargestellt und andere Heilige; darum wollte das Volk ein Erkennungszeichen haben, das des Heiligen Eigenschaften wirklich charakterisiert. Und was war bei Antonius hervorstechender als seine Gottes- und Nächstenliebe? Die Liebe zu den Brüdern und Schwestern ließ ihn rastlos die Lande auf und ab ziehen als Wanderprediger und Beichtvater, als Freund und Beschützer der Armen, Bedrängten und Entrechteten. Darum gab man ihm zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine Flamme in die Hand, die seine Liebe zu Gott und den Mitmenschen andeuten sollte. Gut 150 Jahre hindurch wurde Antonius immer wieder mit der Flamme dargestellt.

 

Ein Künstler, der dem Volke die Liebe des Heiligen noch anschaulicher und deutlicher zeigen wollte, zeichnete Antonius mit dem Symbol des Herzens. Oft sind beide Symbole miteinander vereinigt, indem aus dem Herzen noch Flammen schlagen, wie auf dem Gemälde von Pietro von Orioli im Museum von Siena, wo Antonius dieses flammende Herz der Gottesmutter mit dem Kinde darbietet.

 

Die Lilie ist schon das vierte Attribut des Heiligen. Sie steht für die Reinheit von Leib und Seele.

 

Flamme und Herz sind längst verschwunden aus den Darstellungen des hl. Antonius von Padua. Das Buch und die Lilie finden sich noch häufig in Verbindung mit dem letzten und deutlichsten Attribut des Heiligen, mit dem Jesuskind. Die Darstellung mit dem Jesuskind findet sich nicht früher, als die Legende von dem Erscheinen des Kindes auftritt. Wohl gehen einige Darstellungen, auf denen Antonius an der Brust oder auf dem Buche ein winzig kleines Kind trägt, in sehr frühe Zeit zurück, doch handelt es sich hier nicht um die Legende von der Vision des Jesuskindes, sondern um die Darstellung der kindlichen Christusverbundenheit des Heiligen.

 

Im Wappen unserer Seelsorgeeinheit wird die Legende der Fischpredigt ebenfalls zu einem Symbol verdichtet. Alpha und Omega, gleich Anfang und Ende, stehen für die Botschaft Jesu Christi. Der „springende“ Fisch ist, anders als in der Legende, sinnenfälliges Zeichen für das Volk Gottes, das diese Botschaft freudig aufnimmt. Das Wappen verweist gleichzeitig auf die Sendung der Christen, sich als „Menschenfischer“ uneigennützig in den Dienst Christi zu stellen. Der ins Bild gesetzte Leitspruch sagt dem Träger und Betrachter, denen Rede und Antwort zu geben, die Gott suchen. Hier schließt sich der Kreis. Antonius, der große Kirchenlehrer, ist ein glaubwürdiger Verkünder und Zeuge, damit Vorbild und Patron der Suchenden.

 

Pfr. Michael Dederichs, Kooperator

 


Heiliger Antonius von Padua

* um 1195 in Lissabon

+ 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua

Attribute: mit dem Jesuskind, mit Fischen, mit Esel

Gedenktag katholisch: 13. Juni

Name bedeutet: der vorne Stehende

(latein.: aus dem Geschlecht der Antonier)

 

Hl Antonius ist Patron von Padua, Lissabon, Paderborn und Hildesheim; der Armen und Sozialarbeiter, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder, der Bäcker, Bergleute, Schweinehirten und Reisenden, der Pferde und Esel; gegen Unfruchtbarkeit, teuflische Mächte, Fieber, Pest und Viehkrankheiten; bei Schiffbruch und in Kriegsnöten; für Wiederauffinden verlorener Gegenstände, gute Entbindung, Altwerden und eine gute Ernte


Das Copyright © für das Ökumenische Heiligenlexikon liegt beim Autor, Joachim Schäfer in Stuttgart.

Gebet

Oh Gott, guter und barmherziger Vater,

du hast den Hl. Antonius auserwählt

als Zeuge des Evangeliums

und Botschafter des Friedens

aus all deinem, Volk,

erhöre das Gebet das wir an dich richten

durch seine Fürsprache.

Heilige jede Familie, hilf den Glauben zu vermehren,

bewahre sie in der Einigkeit,

dem Frieden und der Ehrhaftigkeit.

Segne unsere Söhne und Töchter,

beschütze die jungen Menschen.

Stehe denen bei, die unter Krankheit,

unter Schmerzen und Einsamkeit leiden.

Unterstütze die Schwachen jeden Tag,

schenke ihnen deine Liebe.

Im Namen Christi unseres Herrn.

 

Amen.