Aus der Geschichte Pforzheims

Markgraf Karl II (1553-1577) führte am 1. Juni 1556 in der Markgrafschaft Baden-Durlach die Reformation ein. Das Land wurde evangelisch. Erst am 16. Juni 1846 übertrug der Katholische Oberkirchenrat in Karlsruhe die Seelsorge der wenigen Katholiken in Brötzingen und Dietlingen „vorläufig" der katholischen Pfarrei Pforzheim, die in Ellmendingen der Pfarrei Ersingen. Durch die Entwicklung der Pforzheimer Industrie kamen immer mehr katholische Familien in die Stadt, aber auch nach Brötzingen, so dass man über eine eigene Seelsorgestelle für Brötzingen nachdachte. Obwohl im Jahre 1897 Frau Karoline Stöhrer dem Bonifatiusverein 5000 Mark zum Ankauf eines Bauplatzes für eine St. Antoniuskirche in Brötzingen übergab, dauerte es noch Jahrzehnte, bis sie gebaut werden konnte. Dekan Leist (1899-1925) mietete im Haus Westliche 294 – gegenüber der Christuskirche – einen Betsaal, in dem am 20. Mai 1906 der erste Gottesdienst gefeiert wurde.

Brötzingen wird Kuratie

Am 29. November 1906 wurde für die Katholiken in Brötzingen (bis 1910 auch für Dillweißenstein und Büchenbronn) eine Kuratie errichtet. Erster Kurat war Johann Willmann (1906-1908). Er bemühte sich um den Bau der Kirche und versuchte Schwestern in die Gemeinde zu bringen. Unter Kurat Franz Seßler (1908–1915) errichtete man im Jahre 1909 zu Ehren des hl. Antonius eine Notkirche, die zwar nur für drei Jahre genehmigt war, aber als Folge des Krieges (1914-1918) und der nachfolgenden Inflation mehr als 25 Jahre hindurch genutzt wurde. In der jungen Gemeinde hatte sich rasch reges Leben entwickelt: im Jahr 1911 wurde der Kirchenchor gegründet, katholischer Volksverein, Mütterverein, Jünglingsverein, Jungfrauenkongregation, Männerverein und Kirchenbauverein folgten. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, mussten die größere der beiden geliehenen Glocken und die Zinnprospektpfeifen aus der Orgel abgeliefert werden. Männer mussten als Soldaten an die Front. Das Elend in den oft kinderreichen Familien war groß, besonders dann, wenn der Mann und Vater fiel und nicht mehr nach Hause zurückkehrte.


Die St. Antoniuskirche wird gebaut

Auf dem durch den „Wolfschen Platz" vergrößerten kircheneigenen Grundstück begann man im Frühjahr 1930 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Linder mit dem Bau des Pfarrhauses – höchste Zeit, denn auf den 1. Mai 1930 wurde mit Hermann Wickenhauser der erste Kaplan angewiesen. Um endlich eine richtige Kirche bauen zu können, schrieb Kurat Faller zahllose Bettelbriefe. Die Spende des Fabrikanten Antonius Kufferath aus Mariaweiler bei Düren in Höhe von 25 000 Mark legte den Grundstock. Die Architekten Graf und Luger vom Erzbischöflichen Bauamt fertigten die Pläne. Am 21. März 1934 war der erste Spatenstich, am 24. März 1935 wurde die St. Antoniuskirche von Domkapitular Dr. Thomas Aschenbrenner benediziert. Die Christkönigsglocke, die Antoniusglocke, die Marienglocke und die Theresienglocke – abgestimmt auf das Geläut der Christuskirche, riefen die Gläubigen zu den Gottesdiensten. Neben der Orgel und den Bänken wurden aus der Notkirche das Gemälde des seligen Bernhard von Baden, das heute das Treppenhaus des Pfarrzentrums schmückt, und das Gemälde der heiligen Familie, das in der Dietlinger Kirche hängt, in die neue Kirche übernommen. Der Hochaltar hatte ein aus Messing getriebenes Retabel mit dem hl. Antonius von Padua, der hl. Theresia vom Kinde Jesu, dem hl. Vinzenz von Paul, dem hl. Konrad von Parzham und dem hl. Eligius, dem Patron der Goldschmiede. Das Altargemälde, 1936 angefertigt von Johannes Michael Schmitt aus Hohenschäftlarn bei München, zeigte den als König thronenden Christus, umgeben von Engeln, den Patronen der Kirche, dem hl. Georg und der hl. Elisabeth. Die Kreuzwegstationen und der Taufstein stammen von Bildhauer Weber in Grötzingen. Am 25. Juni 1939 konsekrierte Weihbischof Dr. Wilhelm Burger die neue Kirche. Die Festpredigt hielt Pater Karl Junghanns SJ. Die Notkirche, deren Holzkonstruktion längst morsch geworden war, wurde im Jahr 1937 abgerissen.

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen

Nach Schätzungen Pfarrer (seit 1936) Fallers waren etwa 500 Personen auswärts dienstverpflichtet oder als Soldaten im Feld. In den Kirchenbüchern ist nachzulesen, dass 109 Soldaten aus der Gemeinde gefallen sind. Im Jahr 1942 mussten drei der vier Glocken abgeliefert werden. Am 8. Mai 1944, zu Beginn des letzten Kriegsjahres, das der Stadt und unserer Pfarrgemeinde wenige Monate vor der Kapitulation noch viel Leid und Not bringen sollte, wurde durch Erzbischof Dr. Konrad Gröber die Pfarrei St. Antonius in Pforzheim-Brötzingen errichtet. Beim Fliegerangriff am 23. Februar 1945 fanden etwa 90 Menschen aus der Gemeinde den Tod. Viele Häuser in der Neustadt, darunter das Schwesternhaus St. Elisabeth, wurden vollkommen zerstört. Die Schwestern konnten sich über einen Notausgang aus den Trümmern retten und mit ihren paar Habseligkeiten über die Antoniuskirche noch in der Nacht zum Theresienhaus im Arlinger durchschlagen. Kirche und Pfarrhaus hatten den Angriff überstanden, allerdings waren sämtliche Fenster kaputt und das Dach schwer beschädigt. Wie die Pfarrchronik berichtet, wurde das Gotteshaus schon bald wieder notdürftig instandgesetzt. Kaplan Kleiser deckte zusammen mit ein paar Jugendlichen das Dach und vernagelte die Fenster mit Brettern. So hatten die Christen dieser Stadt wenigstens eine Kirche für zentrale Gottesdienste. Sowohl die Firmung 1945 als auch die Konfirmation 1946 wurden hier gefeiert, und auch eine Gedenkfeier für die Fliegeropfer am Jahrestag der Zerstörung der Stadt Pforzheim, am 23. Februar 1946, fand ebenfalls in der St. Antoniuskirche statt. Pfarrer Faller zelebrierte den Gottesdienst, und der Pfarrer der benachbarten evangelischen Lukasgemeinde, Dekan Merkel, predigte in der überfüllten Kirche.

 

Die Menschen von St. Antonius ließen sich nicht entmutigen; sie sammelten, spendeten, beteten: Bereits am 6. Juli 1952 konnte das neue St. Elisabethenhaus an der Maximilianstraße eingeweiht werden. Das Trümmergrundstück „Westliche 121“ und das Gelände zwischen der Westlichen und der Antoniusstraße wurden an die „Neue Heimat" (heute: „Familienheim") verkauft, um Wohnungen für Heimatvertriebene und Flüchtlinge bauen zu können. Als die einzige, nach dem Krieg verbliebene Glocke am 23. Februar 1953 einen Sprung bekam, musste ein neues Geläute angeschafft werden. Für die zwei großen Glocken „Christus Rex" und „Marienglocke" fanden sich in den Familien Herb und Grosse großherzige Stifter, die Unkosten für die kleine „Theresienglocke" wurden durch Sammlungen in der Gemeinde aufgebracht.

St. Antonius seit den 1960er Jahren bis heute

Wenige Montage nach seinem goldenen Priesterjubiläum verließ Pfarrer Karl Faller am 1. Dezember 1963 nach 38 Jahren Pforzheim. Er starb am 5. April 1967 im Alter von 78 Jahren in Winden bei Sinzheim. Als Nachfolger kam am 15. Januar 1964 Pfarrer Manfred Häfner nach St. Antonius. Im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils wurde in der St. Antoniuskirche ein neuer Altar errichtet, den Weihbischof Karl Gnädinger am 30. April 1966 konsekrierte. In den beiden folgenden Jahren schuf der aus der St. Antoniusgemeinde stammende Künstler Anton Kunz einen Tabernakel und einen Ambo. Die Seitenaltäre, die Kommunionbank und die Kanzel wurden entfernt; zwei Beichtzimmer ersetzten die Beichtstühle, Bleiglasfenster die einfachen Buntglasfenster. Die Entwürfe nach Gleichnissen aus der Heiligen Schrift stammen von Kunstmaler Franz Dewald aus Karlsruhe. Seit 1972 wird der Altarraum durch ein Hängekreuz geprägt; das Anton Kunz ebenso geschaffen hat wie die Portale mit Motiven aus dem Leben des heiligen Antonius. Die neue Orgel von Orgelbaumeister Kubak in Augsburg wurde am 27. Februar 1988 durch Dekan Joachim Grunwald eingeweiht. Der Außenputz der Kirche wurde in den Jahren 1993/94 einer gründlichen Sanierung unterzogen; eine umfassende Innenrenovation schloss sich in den Jahren 1995/96 an.

Die Pläne für das am 3. Juli 1971 eingeweihte Gemeindezentrum an der Antoniusstraße hat Architekt Hubert Schoch entworfen. Seit 1978 verbindet das von Bernhard Wildschütte errichtete Pfarrbüro das Pfarrhaus mit dem Pfarrzentrum.

Am 29. November 1981 war die Pfarrgemeinde St. Antonius 75 Jahre alt. Dieses Jubiläum beging sie anlässlich ihres Patroziniums am 6. Juni 1982. Gleichzeitig wurden 70 Jahre Kirchenchor, 70 Jahre Frauengemeinschaft und das silbernen Priesterjubiläum von Manfred Häfner gefeiert, der bis zum 12. August 1985 Pfarrer von St. Antonius war. Pfarrer Häfner starb am 15.01.1996 in seiner Heimatstadt Tauberbischofsheim. Bis zum 30. November 1985 betreute Pfarrer Karl-Heinz Würz von St. Bernhard beide Gemeinden. Mit der Investitur am 1. Dezember 1985 begann Pfarrer Klaus Bundschuh (bis zu seiner Pensionierung) eine gemeinsame Wegstrecke mit der Gemeinde St. Antonius. Seit 2008 ist Pfarrer Dr. Johannes Mette sein Nachfolger.