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Pfarrbrief Nr. 9 (24.07.-19.09.2021)

Sommerzeit und Abschiedszeit

Wir befinden uns im Monat Juli; der Sommer ist da. Und mit ihm auch die langen Tage, das Draußen-Sein, der bevorstehende ersehnte Urlaub. Für viele ist das eine Zeit, in der sie bewusst nach einer Auszeit suchen und einfach mal die Seele baumeln lassen wollen. Es ist eine Zeit, in der gerade die Geschäftigkeit dem Nichtstun weichen darf. Was hat es eigentlich mit dem Nichtstun auf sich, dass es uns so begehrenswert erscheint? Was passiert denn, wenn ich nichts tue? Der Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick hat einmal für die zwischenmenschliche Kommunikation folgendes festgestellt: Man kann nicht „nicht kommunizieren“. Nichts zu sagen ist keinesfalls nichtssagend. Im Gegenteil: Es kann sogar höchst politisch sein, wie schon so mancher Schweigemarsch gezeigt hat. Das gleiche gilt im Grunde auch für das Nichtstun: Man kann nicht nichts tun. Das Nichtstun bringt keinesfalls alles zum Stillstand. Im Gegenteil: Im Nichtstun ist Bewegung! Das mag sich zwar komisch anhören und man glaubt es kaum. Doch nicht selten kommt es vor, dass Dinge liegen bleiben oder ruhen, und sich gerade dadurch manchmal von allein lösen. Zuweilen machen wir auch die Erfahrung, dass sich uns nach einer Zeit der Nichtbeachtung plötzlich ganz neue Perspektiven auf alte Probleme offenbaren. Nichts zu tun, bedeutet aber auch los- lassen zu müssen. Denn man muss vielleicht anderen Menschen die Kontrolle über Arbeitsprozesse überlassen und Entscheidungen abgeben.

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Katholische Kirchengemeinde Pforzheim
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Es heißt also, anderen zu vertrauen und sich selbst in seinem eigenen Wunsch nach Wirksamkeit zurückzunehmen. Darum heißt nichts zu tun auch, sich in Selbstgenügsamkeit, Vertrauen und Geduld einzuüben. Sicherlich kann Nichtstun auch zur Qual werden. Man fühlt sich macht- und nutzlos. Wenn es uns aber zugesprochen wird, dann kann das nutzlose Nichtstun wohltuend und befreiend wirken. Weil andere da sind, auf die wir uns verlassen können und dank derer wir spüren, wie wertvoll wir ohne Nutzen sind. Und vielleicht entdecken wir in diesem Geschenk des Nichts-tun-Müssens auch den Einen oder Anderen, der uns nicht verlässt und der uns aus dem Nichts die Fülle schenken will. Vielleicht können wir jetzt in dieser Sommerzeit solche Erfahrungen machen.

 

Für mich persönlich steht in diesem Sommer ein Abschied an, mein Abschied aus der Seelsorgeeinheit Pforzheim. Ende Juli endet meine zweijährige Dienstzeit hier. Damit geht meine insgesamt fünfjährige Vikars-Zeit zu Ende. Die ersten drei Vikars-Jahre verbrachte ich in der Seelsorgeeinheit Empfingen-Dießener Tal im Dekanat Zollern, und die letzten beiden Jahre hier in der Seelsorgeeinheit Pforzheim. So möchte ich an dieser Stelle vor allem Dank sagen: Ein großes Dankeschön an die Mitarbeiter/innen in unserem Seelsorgeteam für die gute Zusammenarbeit und für das gute Miteinander. Ebenso ein Dankeschön an die Sekretärinnen in den verschiedenen Pfarrbüros, an die Messner, Ministranten/innen und Organisten, und an die vielen ehrenamtlich Tätigen in unseren Gemeinden. Und ein Dankeschön Ihnen allen für die Begegnungen und Gespräche, die ich mit Ihnen erleben durfte, und für das gemeinsame Feiern unseres Glaubens, vor allem in den Gottesdiensten. Nach dem Abschluss des Pfarrexamens im November letzten Jahres und nach der letzten Vikars-Fortbildung im vergangenen März bin ich seit 1. April nicht mehr Vikar (Kaplan), sondern bereits Pfarrer. Als solcher wird es für mich ab dem 1. September an einer neuen Stelle weitergehen. Und zwar in der Seelsorgeeinheit Wald im Dekanat Sigmaringen-Meßkirch, zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee. Dort werde ich als Kooperator (mitarbeitender Priester) für die nächsten Jahre tätig sein.

 

Ich wünsche Ihnen nun an eine gute und erholsame Sommerzeit, mal eine bereichernde Zeit des „Nichtstuns“! Bleiben Sie in diesen Corona-Zeiten gesund und fit! Alles Gute und Gottes Segen Ihnen allen!

 

Thomas Stricker, Pfarrer

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Pfarrbrief St. Antonius - St. Bernhard - Hl. Familie
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