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Karfreitag (02.04.2021)

An die Kreuzigung und den Tod Jesu erinnern Kirche und Gläubige am Karfreitag: Um 15 Uhr – zur Sterbestunde Jesu – kommen sie zur Karfreitagsliturgie zusammen, um des Leidens und Sterbens Jesu zu gedenken – in einer Feier, die sich völlig von anderen Gottesdiensten unterscheidet:


Geistliche und Messdiener legen sich zu Anfang auf den Boden bzw. verneigen sich tief. Nach der Lesung der Passionsgeschichte und einer Predigt folgt eine weitere Besonderheit: die Großen Fürbitten. In zehn Fürbitten für die ganze Kirche, die christlichen Konfessionen, nicht-christlichen Religionen, Atheisten sowie für die gesamte Welt bringen die Gläubigen ihre Anliegen vor Gott – allerdings ausführlicher als in den üblichen Gottesdiensten. Jede Fürbitte besteht aus drei Teilen: Zunächst wird die Gemeinde eingeladen, in einem bestimmten Anliegen zu beten: „Lasset uns beten…“ Es folgt Stille, die eigentliche Zeit des Betens. Nach der Stille folgt der dritte und letzte Teil der jeweiligen Fürbitte: Der Priester fasst das stille Gebet der Gläubigen zusammen. In einer Schlussoration bringt er es vor Gott: „Allmächtiger, ewiger Gott,…“

Es folgt die Kreuzverehrung: Ein mit einem violetten Fastentuch bedecktes Kreuz wird enthüllt und durch Kniebeugen der Gläubigen verehrt. „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen“, ruft der Priester dreimal. Die Gläubigen antworten: „Kommt, lasset uns anbeten!“ Durch das Knien und die Kniebeugen huldigen Priester und Gemeinde Jesus Christus als König und Sieger, der durch seinen Tod am Kreuz der Welt das Leben bringt.

Es gibt keine Eucharistiefeier. Die Gläubigen beten das Vaterunser und empfangen die heilige Kommunion, zu der die konsekrierten Hostien vom Gründonnerstag geholt werden.

Die Karfreitagsliturgie endet mit einem Segensgebet ohne Kreuzzeichen – schließlich ist sie nur ein Teil, denn „die heiligen drei Tage sind in Wirklichkeit nur ein einziger Tag – und ein einziger Gottesdienst („Triduum Paschale“).

Das Kreuz bleibt zur weiteren Verehrung in der Kirche aufgestellt.

Pater Maria Arokiadoss (SdC) war Zelebrant der Karfreitagsliturgie in St. Antonius. Gwendolyn Phear (Sopran), Franziska Pflüger (Alt) und Petrit Hamiti (Tenor) gestalteten durch eine Reihe von Liedern aus dem Gotteslob die Liturgie musikalisch (a capella) mit. Darunter war selbstverständlich „O Haupt voll Blut und Wunden“ (GL 289) von Paul Gerhardt (1607-1676). Etwas ganz Besonderes an diesem Karfreitag war das „Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736). Es ist die berühmte Vertonung des Textes: „Stabat mater dolorosa, juxta crucem lacrimosa, dum pendebat filius.“ Die Musik drückt in betörend schöner Weise aus, was der Text beschreibt, nämlich „die tränenreiche Mutter, die voll Kummer unterm Kreuz steht, während ihr Sohn dort hängt“.

Text und Fotos: Karl-Heinz Renner