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Klagemauer in der Herz Jesu Kirche

KLAGEMAUER


In diesen Coronazeiten ist es besonders schwer, von unseren Verstorbenen Abschied zu nehmen. So viele Begegnungen und viele der Halt gebenden Rituale sind nicht möglich. Mit einer Klagemauer in der Herz Jesu-Kirche möchten wir bewusst ein Zeichen setzen, das Raum für Trauer sein soll.


An der Mauer finden sich Psalmtexte oder auch unbeschriebene Zettel. Wer möchte, darf in der Mauer eine Notiz, eine Bitte, einen Namen hinterlassen. An der Mauer gibt es auch eine Liste mit Ansprechpersonen, mit denen Sie ein Gespräch am Telefon oder in der Sakristei vereinbaren können.

 

 


Zeichen auf dem Weg auf Ostern zu ...

In der Fastenzeit, der österlichen Bußzeit, in der wir uns auf das Fest der Auferstehung Jesu vorbereiten, sind unterschiedliche Zeichen in unseren Kirchen zu sehen.

In manchen Kirchen werden Kreuze, Bilder und der Altar mit violetten Tüchern verhüllt. Es gab ja auch Zeiten, in denen das Kreuz als Sieges- und Triumphzeichen vorausgetragen wurde. Der mittelalterliche Brauch bezieht sich auch auf Joh 8,59, wo es heißt „Jesus verbarg sich vor ihnen“. Damit wird die Erfahrung aufgegriffen, die uns manchmal plagt: Es gibt Momente, Situationen, Augenblicke, in denen wir von Gott überhaupt nichts sehen, spüren, erfahren. Ich frage mich dann schon ab und zu mal: „Ist er über- haupt (noch) da? In meinem Leben? In unserer Welt? In unserer Gesellschaft?“ Situationen der Abwesenheit Gottes, die zu unserem Glauben gehören. Auch diese wollen auf dem Weg auf Ostern zu miteinander durchgestanden werden. Gerade in diesen Erfah- rungen wollen wir uns nicht allein lassen.

In anderen Kirchen scheint gerade das Gegenteil der Fall: Das Kreuz ist offensichtlich. Es liegt, vielleicht auf violetten Tüchern, auf den Altarstufen. Der Mittelgang führt als Weg auf die- ses Kreuz zu. Oft finden sich dann Stifte und Zettel in den Kirchen. In St. Elisabeth und Liebfrauen sind es in diesem Jahr Fußspuren. Aus dem Gemeindeteam kam die Idee, damit eine Verbindung mit dem aktuellen Hungertuch herzustellen, auf dem das Röntgenbild eines verletzten Fußes zu sehen ist. Mit allem was unseren Schritt schwer macht, mit Wegen, die wir im Moment nicht gehen können, aber auch mit allem, wofür wir – manchmal auch mit Risiko und den entsprechenden Konsequenzen – ein- und aufstehen, kom- men wir zum Kreuz Jesu. Es lädt uns ein, dort alles abzulegen, was uns weh tut, traurig macht, worunter wir leiden. In all dem sind wir von Jesus getragen, der selbst sein Kreuz tragen musste...

In vielen unserer Kirchen ist in dieser Zeit das aktuelle Hungertuch aus Chile zu sehen. Es passt auch deswegen besonders gut zu uns, weil es auf die Bibelstelle Bezug nimmt, die auch im Leitsatz unserer Kirchengemeinde vorkommt: „Du stellst unsere Füße auf weiten Raum....“ (Ps 31,9). Flyer und Meditationsheftchen sollen helfen, einen persönlichen Zugang zum Hungertuch zu finden. Sie laden dazu ein, auch einfach mal ab und zu einige Augenbli- cke in unseren offenen Kirchen vor dem Hungertuch zu verweilen. Bestimmt wird auch immer wieder in unseren Gottesdiensten auf dieses Hungertuch Bezug genommen.

 

In der Herz Jesu-Kirche werden Sie vielleicht über eine Mauer staunen. Dazu kam die Idee aus einem Treffen des Arbeitskreises Trauerpastoral in unserem Dekanat. Abschiednehmen und trauern ist in dieser Zeit oft gar nicht so richtig möglich. Wir können unsere Kranken und Sterbenden in Kliniken, Heimen und zu Hause nicht so besuchen und begleiten, wie wir dies von Herzen wollen. Auch bei den Trauerfeiern ist ja die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt. Die „Mauer“ in der Herz Jesu-Kirche möchte daher Gelegenheit bieten, Trauer, Klage, Schmerz und Abschied einen Raum zu geben und vor Gott hin zu tragen.

Ich finde eine ziemlich große Vielfalt von unterschiedlichen Zeichen, die uns in dieser Zeit begleiten und uns stärken können. Hoffentlich ist auch ein Zeichen für Sie dabei. Herzlichen Dank allen aus den Gemeindeteams und aus dem Kreis der Hauptamtlichen in der Pastoral, die mithelfen, dass wir in unserem Glauben lebendig und mutig miteinander unterwegs sein können – und dass wir dann auch froh und befreit miteinander feiern dürfen, dass die Liebe Gottes in Jesus stärker ist als der Tod!

 

Herzliche Grüße Georg Lichtenberger, Pfarrer