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Streiflicht

Gedanken zu Markus 4,26-34


Im Evangelium spricht Jesus von einem, der seine Saatkörner auf dem Feld ausbringt. Tag für Tag legt er sich des Abends schlafen und steht am nächsten Morgen wieder auf – und siehe da: „es keimt und sprosst“ (Mk 4,27). „Die Erde“, so sagt es Jesus, „bringt von selbst ihre Frucht.“ (Mk 4,28). Automatē steht hier im griechischen Originaltext: von selbst, automatisch, ohne das Zutun des Sämanns. Es ist wie in der Schöpfungsgeschichte: „Es wurde Abend und es wurde Morgen“ (Gen 1,5ff; vgl. Mk 4,27) – ein neuer Tag. Gott schafft und alles ist gut. Der Säende weiß: er hat das Seinige getan, nun müssen andere Kräfte wirken.

Wie der Sämann im Gleichnis Jesu müssen Menschen nur das Ihrige tun, mehr nicht. Gott braucht keine Übermenschen und schon gar keine Überchristen. Handle so, als ob alles von dir abhinge. Und vertraue so auf Gott, als ob alles von ihm abhängt. Im ersten bin ich, bis zum Beweis des Gegenteils, schon recht gut, im zweiten kann ich durchaus noch ein wenig wachsen.

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat ist also eine gute Nachricht für alle Sämänner und Säfrauen des Evangeliums. Denn wie oft erscheint ihr Tun ihnen selbst als eine vergebliche Liebesmüh? Auch in Coronazeiten gilt: Wer beim Wesentlichen bleibt, bei der Reich-Gottes-Sorge um das umfassende Heil seines Nächsten, darf sich darauf verlassen, dass Gott selbst sich schon um die Details kümmern wird - nur tut er es möglicherweise ein wenig anders.

Michael Dederichs





Fenster in der St. Antoniuskirche von Franz Dewald (1911-1990)

Michael Dederichs, Prister

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FREITAG 29.01. - Mk4_26-34.pdf
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