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Z‘wem ghörsch Du?

„Z‘wem ghörsch du?“ war in meinem Heimatort immer die Frage von irgendwelchen Erwachsenen, wenn sie nicht wussten, was das für ein Kind ist, das da grad vor ihnen steht (und im ungünstigsten Fall irgendwas angestellt hatte). Manchmal habe ich es nicht gesagt, es klang nach einer Falle.

 

Einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wurden zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken. Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und auf niemanden Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wahrhaftig den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen. Man brachte ihm einen. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Und sie waren sehr erstaunt über ihn. Mk 12,13-17

 

Zur Zeit Jesu gab es die einen, man nannte sie Zeloten, die dagegen waren, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Sie erlebten, wer könnte es ihnen verdenken, die Fremdherrschaft der Römer als brutale Machtdemonstration, die unvereinbar mit ihrem Glauben war. Gott allein sollte ihr Herr sein, kein Kaiser in Rom. Die Pharisäer dagegen gingen nicht so weit wie die zum Teil gewaltbereiten Zeloten, sie begrüßten die Steuern zwar auch nicht, aber sie zahlten sie. Sagt Jesus also Ja, es ist erlaubt dem Kaiser Steuern zu zahlen, dann bringt er die Frommen gegen sich auf. Sagt er, es ist nicht erlaubt, werden die Römer sich um ihn „kümmern“. Scheinbar kann er nur verlieren. Seine Antwort: Dem Kaiser geben, was ihm gehört, Gott geben, was Gott gehört.

 

Was soll man mit Jesu Wort anfangen? Wir haben Corona. Eine Zeit, die so manches in Frage stellt.

Geben wir dem Staat seine AHA-Regeln und was geben wir Gott? Desinfizieren wir um Gottes willen oder um der Landesverordnung willen?

Ist es erlaubt, Kindern Bildung zu verwehren, Firmen in die Insolvenz zu treiben, den Menschen die Kultur zu nehmen, den Religionen ihre Versammlungen zu verbieten?

In der Schöpfungsgeschichte, im Buch Genesis, wird uns gesagt, was Gott gehört. Er hat alles geschaffen, Land und Meer, Licht und Dunkel, Pflanzen und Tiere, alles trägt seine Prägung. Und er erschuf den Menschen als sein Abbild. Die gesamte Schöpfung gehört Gott.

Was bedeutet es dann aber: „Gebt Gott, was Gott gehört?“

Die Schöpfung ist krank. Sie leidet nicht nur unter Corona. Durch die Entscheidungen, die zur Eindämmung der Pandemie getroffen wurden und noch getroffen werden, sind Unzählige hart betroffen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, in ihrer Entwicklung gehemmt, in ihrem seelischen Gleichgewicht gestört und vieles mehr. Unheilbar krank ist sie aber nicht, unsere Welt, wenn wir in dieser Krise noch in Beziehung und im Gespräch miteinander sind, wie wir mit dem Krankheitsgeschehen, mit den Kranken und Sterbenden menschenwürdig umgehen.

Wir müssen Gott nicht seine Schöpfung geben, es ist ja seine. Wir schulden ihm aber eine Antwort – und das heißt Verantwortung wahrnehmen - auf die Frage „Was ist der Mensch und wem gehört er“. Der Mensch gehört Gott, der ihn als sein Bild geschaffen hat und ihm seine Würde gibt.

Zum 16. Januar 2021, Tobias Gfell

tobias.gfell@kath-pf.de

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