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„...ein bisschen Wasser allein tut’s nicht...“

 

„...ein bisschen Wasser allein tut’s nicht...“, meint schont der alte Luther zum Thema „Taufe“. Obwohl Wasser ja unser Lebenselixier ist. Ohne Wasser kein Leben. Ohne Wasser verdursten wir. Ohne Wasser wir bekommen es in den letzten Jahren schmerzlich zu spüren sterben unsere Wälder, verdorren unsere Pflanzen, wird unser blauer Planet zur tödlichen Wüste. Deswegen: in der Bibel steht Wasser oft genug für Gott selbst. Lebendiges Wasser. Lebensnotwendig für uns. Ohne seine Nähe, ohne seine Liebe, ohne sein „Da-sein-für-uns“ können wir nicht wirklich leben.

Trotzdem: „...ein bisschen Wasser allein tut’s nicht...“. Johannes in der Wüste weiß das. Das mit dem Wasser ist ja gut und schön. Es ist gut und wichtig und richtig immer wieder den Dreck und Schmutz abzuwaschen, einzutauchen und unterzutauchen und alle Lüge, allen Hass, all unser Scheitern und Versagen hinter uns zu lassen und ganz neu anzufangen. Brauchen wir alle. Dennoch: „Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ Schön und gut, wenn ich wieder sauber bin. Schön und gut, wenn ich Altes hinter mir lasse. Aber das allein reicht eben nicht. Geist muss her! Heiliger Geist! Begeisterung, Esprit, der Funke der überspringt! Das was in mir lebt mich antreibt, mich motiviert. Das was meine Augen funkeln lässt und mein Herz schneller schlagen. Das, was mir Unmögliches möglich scheinen lässt. Das was mir Mut macht Unglaubliches zu glauben und Unmachbares trotzdem zu versuchen. Nein, ein bisschen Wasser allein tut’s nicht. Wir brauche den Geist, die Begeisterung, den göttlichen Funken, den Heiligen Geist...

 

 

Aber wie soll ich den bekommen? Ich kann ihn nicht kaufen. Ich kann ihn nicht machen. Ich kann ihn mir nicht einmal mit aller Frömmigkeit der Welt verdienen. Und stimmt das überhaupt, dass Jesus uns mit dem Heiligen Geist taufen wird, wie es der Johannes ankündigt? Nirgendwo wird berichtet, dass Jesus tauft. Nicht mit Wasser und nicht mit dem Heiligen Geist. Irgendwann bekommt dann sogar Johannes in der Wüste seine Zweifel: Ist er das überhaupt? Ist dieser Jesus der, auf den wir warten, der kommen soll, der mit dem Heiligen Geist Gottes tauft. Er sieht nicht so aus und benimmt sich auch nicht so. Er verkehrt mit Sündern, statt mit Frommen. Er isst und trinkt und feiert Feste, anstatt zu fasten. Er geht von Dorf zu Dorf und sogar hinauf nach Jerusalem, statt sich in die Wüste zu begeben. Johannes schickt seine Jünger zu ihm, um mal sicherheitshalber nachzufragen. Und Jesus? Berichtet ihm doch, was ihr seht: Blinde sehen und Lahme gehen und Totgesagte werden wieder lebendig...

Erzählt, was ihr seht... der Schuss kann nicht hinten losgehen. Beim Blick in die Nachrichten, die Zeitung, die ganzen Katastrophenmeldungen Tag für Tag. Im irischen Fernsehen war zum Jahresschluss die Reportage einer Fernsehjournalistin zu sehen. In diesem „Corona-Jahr“, hat sie gesagt, war es ihr besonders wichtig, gute, positive, schöne Geschichten zu entdecken, zu sammeln und zu erzählen. So berichtet sie von einer kleinen Insel weit vor der Westküste Irlands. Seit Jahrzehnten fliehen die jungen Leute von ihr, um woanders zu leben und ihr Geld zu verdienen. In diesem Herbst sind viele von ihnen zurückgekommen. Geflohen auch vor dem Virus in den großen Städten und weil man beim Lockdown dort eh nichts machen kann. Sie beschließen an diesem Weihnachtsfest etwas zu machen, was es auf ihrer Insel noch nie gegeben hat. So eine richtig schöne Weihnachtsbeleuchtung. In den Straßen, am Hafen, auf den Dächern, zwischen den Häusern. Und an Weihnachten

 

glitzert und blinkt und strahlt die ganze Insel. Ein kleines Hoffnungslicht für viele Menschen, wo anderen Orts die Lichter ausgehen. Oder die Journalistin berichtet von einem alten Paar. Schon vor über 50 Jahren haben sie sich kennen gelernt, nachdem ihre ersten Ehen zerbrochen waren. Das komplizierte Scheidungsrecht hat verhindert, was sie sich am meisten gewünscht haben, dass sie heiraten können. Die Kinder setzen sich ein und endlich in diesem Corona-Frühjahr klappt es noch mit der Hochzeit. Auch den kirchlichen Segen gibt ihnen noch der Pfarrer. Beide über 80 machen sie sich sogar auf den Weg in die Flitterwochen. Wegen Corona nicht ins Ausland. Nur an die irische Küste soll ja auch ganz schön sein. Und die beiden lachen und strahlen in die Kamera, dass es nur so eine Freude ist.

Nein, Begeisterung kann man nicht machen. Aber „erzählt, was ihr seht...“ Es gibt Geschichten, Erlebnisse, Ereignisse, die machen mir einfach Hoffnung, die entzünden in mir den Funken der Begeisterung, die reisen mich vom Hocker. Der Petrus weiß das wohl auch wenn er sagt: Erinnert euch, ihr wisst doch was im ganzen Land geschehen ist, angefangen in Galiläa, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte... denn Gott war mit ihm...“ Erinnert euch, sagt Petrus, und erzählt. Dann beginnen die Augen zu leuchten und es wird ihnen warm ums Herz und sie spüren neuen Schwung und neue Kraft für Jesus und seine Sache zu leben.

Aber, sagen vielleicht manche, der Jesus hat doch mit dem Heiligen Geist getauft, er hat seine Jünger angehaucht, mit dem Heiligen Geist beatmet und an Pfingsten da fielen doch dann die Feuerzungen kerzengerade vom Himmel...“ Die gibt es, diese Augenblicke der unmittelbaren Begeisterung. Da spüre ich die Nähe von Gott und von Menschen und werde im Tiefsten meines Inneren berührt. Aber diese Momente sind keineswegs alltäglich. Wenigstens bei mir.

Es gibt Zeiten, in denen spüre ich nichts von ihnen. Es gibt die Phasen, da sitze ich eher im Loch und lass mich runter ziehen, von all dem was so um mich herum passiert und auf mich einprasselt. Dann helfen mir solche Geschichten. Auch wenn sie noch so banal und alltäglich daher kommen, wie jene aus Irland. Manche sind so menschlich und so liebe-voll, so natürlich und einfach, dass sie auf direktem Weg mein Herz erreichen. Das tut mir gut und es gibt dann sogar die Momente, wo diese Geschichten in mir bewirken, dass ich auch für mich daran glauben kann, was jene Stimme Jesus am Jordan ins Herz flüstert: Du bist mein geliebtes Kind!

Dass Menschen einander von Jesus erzählt haben und davon, was sie mit ihm erlebt haben, ich glaube damit hat einmal alles angefangen. Sie haben von ihm erzählt in der Synagoge, aber auch am Küchentisch, oder am Lagerfeuer: „Weißt du noch...was er da gesagt hat...was er da gemacht hat...wie befreiend und tröstlich das alles war... wie es einfach gut getan hat bei ihm zu sein...“ Dass wir Geschichten sammeln und erzählen, das wünsche ich auch uns. Vor allem dann, wenn wir spüren, dass ein bisschen Wasser allein nicht genügt, wenn wir im Loch sitzen und Begeisterung weit weg ist. Geschichten göttlicher Menschlichkeit. Augen und Herz auf, damit wir sie nicht verpassen. Sammeln und erzählen. Geschichten ganz alltäglich. Ganz menschlich. Aber doch voller Hoffnung. Passiert mitten unter uns. Ich glaube sie tun uns gut...

 

 

Georg Lichtenberger

 

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Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 42,5a. 1-4. 6-7)


So spricht Gott, der Herr: Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf seine Weisung warten die Inseln. Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

 

Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 10,34-38)

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.


Aus der frohen Botschaft nach Markus (Mk 1,7-11)

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

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