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Impuls zum 9. Januar 2021

Einer der schönsten Räume in Pforzheim ist für mich der Innenraum der Schlosskirche – besonders, wenn an einem klaren Wintertag das Licht der niedrig stehenden Sonne durch die farbigen Glasfenster fällt und Wände und Böden in ein buntes Farbenspiel hüllt.

Mir ist dieses Bild vor Augen, wenn ich den zweiten Vers der heutigen Tageslesung lese:

Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. (1 Joh 4, 11-18)

Was der Briefschreiber Johannes hier ausführt, ist sehr abstrakt und bedarf der Verdeutlichung. Das Farbenspiel des durch die Glasfenster hereinfallenden Lichts ist für mich eine solche Verdeutlichung.

Wir sind wie Fensterscheiben, durch die göttliches Licht in die Welt fällt und die sie erhellt und bunt färbt. Wenn wir einander lieben, wenn wir Vertrauen und Zuversicht schenken, wenn wir miteinander Leben und Zeit, Freude und Trauer teilen, füreinander da sind, dann geben wir Licht weiter, erhellen dunkle Räume, gebrochen in vielen helleren und dunkleren bunten Farbtönen.

Und anders herum erfüllt uns im Lächeln, im tröstenden Wort, in der verständnisvollen Geste eines anderen Menschen ein „Abglanz des Vaters“, der auch unsere dunklen Ecken in ein sanftes, warmes Licht zu hüllen weiß, und uns etwas von der sanften und barmherzigen Liebe Gottes verdeutlicht.

Georg Hauser, katholischer Schuldekan Pforzheim

 

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Georg Hauser
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