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Zwischenbilanz

Dort wo meine Wurzeln sind, feiert man weniger den Geburtstag eines Menschen, sondern vermehrt den Namenstag. Warum dem so ist möchte ich dahingestellt sein lassen. Heute nun ehrt die Kirche den heiligen Severin. Mein Großvater hieß Severin. Somit wäre dies sein Tag. Er hat ihn nicht oft feiern dürfen. Er und vier seine Brüder sind jung an Jahren im Krieg getötet worden. Ein Denkmal in dem kleinen Dorf wo er herkam erinnert an ihn und die vielen brutalen Opfer einer Schreckensherrschaft. Es war mir nie geschenkt mit ihm sein Namenfest am Tag des heiligen Severin zu feiern. Ich bin überdies der Einzige aus seinem Stamm der den Familien-Namen Dederichs noch trägt.

Das Elternhaus meines Großvaters stand ganz nahe dort, wo heute der Erweiterungsbau der kleinen Dorfkirche steht, in der er und viele unserer Vorfahren getauft wurden. Lang, lang ist`s her. Der Anbau der alten kleinen Kirche fristet inzwischen auch ein Schattendasein, nicht erst seit Corona-Zeiten.

Keiner käme aus heutiger Sicht auf die Idee, diese und andere Kirchen zu vergrößern. Das Gegenteil ist eher angezeigt. Ängstigt sie diese Entwicklung als Mensch und katholischer Priester nicht, werde ich oft gefragt. Natürlich habe ich Ängste. Doch das ganze Leben ist eine Gratwanderung. Früher oder später komme auch ich zu Fall, vielleicht nicht wie mein Großvater. Ganz sicher werde ich fallen.

Allerdings, weiß ich mich bei meinen Namen von meinem Schöpfer gerufen und kann somit nicht tiefer fallen als in seine gütigen Hände.

Michael Dederichs

 

 

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Impuls am 8. Januar 2021
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