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Pfarrbrief Nr.11 (17.10.-15.11.2020)

Vorwort

Frühjahrsputz im Herbst

In diesen Tagen erleben wir es wieder: Die Blätter fallen vom Baum, die Winterjacken werden schon mal aus dem Kleiderschrank geholt, nach Schal und Handschuhen wird gesucht, die Winterreifen werden ans Auto montiert. Das alles sind klare Zeichen einer Zeitenwende, die wir jedes Jahr aufs Neue durchmachen. Der Som- mer ist endgültig vorbei, der Herbst ist eingetreten, und der Winter steht eigentlich schon vor der Tür. Gerade in diesen Monaten Oktober und November scheint der Wechsel so richtig spürbar und greifbar zu werden. Bestimmte kirchliche Gedenktage und Feste sind nicht ohne Grund in diese Jahreszeit gelegt worden: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag. Das Ende, ja der Tod scheint immer und überall gegenwärtig zu sein. Doch ist diese Jahreszeit wirklich eine so hoffnungslose Zeit? Sind nicht bereits jetzt am Horizont Zeichen einer Hoffnung zu sehen, dass diese dunklen Tage in uns und um uns herum nicht die Endstation sind, sondern dass auf uns schon jetzt Tage warten, die bunter und heller sind?


Gerade diese Jahreszeit bietet für uns doch auch mal wieder die Möglichkeit inne zu halten, um über das Leben nachzudenken und vielleicht auch in der Hektik des Alltags eine neue Ausrichtung unserer Tage vorzunehmen. Die Zeit zwischen dem Martinsfest am 11. November und Weihnachten am 25. Dezember bildete früher eine zweite Fastenzeit, eine Zeit der Exerzitien und der inneren Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn in unser Leben. Dieses Bewusstsein ist heute nahezu verloren gegangen. Daher dürfen wir diese Tage umso stärker dafür nutzen, um uns einzustimmen, um einen inneren Frühjahrsputz im Herbst zu machen! Wir sind eingeladen, etwas ruhiger und stiller zu werden, bewusst aufmerksam für das, was um uns herum passiert, dafür, dass vieles Geschenk ist, Gottes Geschenk ist, und dass auch vieles vergänglich ist. Werden wir dankbarer für die wenigen schönen und heiteren Stunden des Lebens! Und genauso wie wir hoffen, dass der Tod nicht das Ende, sondern einen neuen Anfang bedeutet, so wissen wir auch, dass es eine Zeit gibt, in der wir die Wintermäntel wieder zurück in die Schränke hängen und die Win- terreifen wieder zurück in die Garage räumen können; eine Zeit, in der die Bäume aufs Neue zu blühen beginnen. Ja, wir wissen, dass wir Menschen der Hoffnung sind, dass auch nach einem langen Herbst und Winter ein neuer Frühling und ein neuer Sommer kommen werden.

In diesem Sinne eine gesegnete und geistreiche Herbstzeit!

Thomas Stricker, Kaplan

 

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