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Gleichnis vom Töpfer (Jeremia 18,1-6)

Impuls zur Tageslesung am Donnerstag der 17. Woche im Jahreskr. A (30. Juli 2020)

Das Wort, das vom HERRN an Jeremia erging:

 

Mach dich auf und geh zum Haus des Töpfers hinab! Dort will ich dir meine Worte mitteilen.

So ging ich zum Haus des Töpfers hinab und siehe, er arbeitete gerade mit der Töpferscheibe. Missriet das Gefäß, das er aus Ton machte, in der Hand des Töpfers, so machte der Töpfer daraus wieder ein anderes Gefäß, ganz wie es ihm gefiel.


Da erging an mich das Wort des HERRN:

Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel? - Spruch des HERRN. Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel

   Von Silar - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34136159
Von Silar - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34136159

Mein Urgroßvater war ein Hafner – so nannte man früher in Süddeutschland die Töpfer. Als ich geboren wurde, war er schon viele Jahre zuvor gestorben. Deshalb habe ich als Kind nur eine Erinnerung an die Ergebnisse seiner Arbeit - Hunderte von grauen Steinguttöpfen mit dem charakteristischen blauen Dekor in der verlassenen, verstaubten Werkstatt – aber ich habe ihn leider nie in Aktion erlebt. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, wie Jeremia fasziniert war, als er den Töpfer bei seiner Arbeit beobachtet hat: Fehler bei seiner Arbeit scheinen keine Rolle zu spielen, solange das Gefäß nicht gebrannt ist, lässt sich alles wieder im Nu korrigieren. Und der Töpfer hat – im wahrsten Sinne des Wortes – alles in der Hand; er entscheidet, ob ein Gefäß gut geraten ist oder wieder zerstört wird.

 

In der Deutung des Jeremia ist Gott der Töpfer und das Volk Israel das Tongefäß. Diese Deutung kann man natürlich auch auf sich selbst und sein Verhältnis zu Gott übertragen. Diese Vorstellung ist mir allerdings zunächst nicht sehr sympathisch. Der Willkür eines Anderen ausgeliefert sein, die Individualität verlieren durch eine beliebige Umformung – das sind die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Aber andererseits: Wäre es nicht beruhigend, wenn ich mich darauf verlassen könnte, dass ein anderer, sozusagen ein „Meister seines Faches“, die letzte Verantwortung dafür übernimmt, dass mein Leben gelingt? Wäre es nicht eine Erleichterung, wenn manches, was in meinem Leben verhärtet ist, wieder umgeformt werden könnte? So gesehen habe ich kein Problem mehr damit, nur ein Klumpen Ton zu sein, wenn es nur Gott ist, der mich nach seinem Wilen formt.

 

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de,
Telefon 07231 468556

 

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