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Die Welt ist voller…

Impuls VON TOBIAS GFELL

Was ist das erste Wort, das Ihnen in den Sinn kommt, wenn sie den Halbsatz hören: „Die Welt ist voller…“?

Eine beliebte Frage der Lernforscherin Vera F. Birkenbihl bei ihren Seminaren. Und sie stellte fest, dass gut zwei Drittel der Leute negative Füllungen assoziierten, zum Beispiel: Die Welt ist voller Idioten, voller Probleme oder voller Neid. Die übrigen hatten einen anderen Blick: Die Welt ist voller Möglichkeiten, voller Lösungen, voller Schönheit.

Real ist beides, die Idioten und die Schönheit. Relevant ist, worauf wir unseren Fokus richten und wie wir das ganze beurteilen.

Was wir von der Welt und von den Menschen erwarten, das werden wir öfter wahrnehmen. So wie wir eingestellt sind, so ist auch unsere Erwartung geformt.

Der riesige Mann will dem Mächtigsten dienen – so beginnt die Legende vom heiligen Christophorus, dessen Gedenktag heute ist. Und so erwartet er auch, dass sich der Mächtigste als der Mächtigste zeigt.

 

Bild: Otto Dix: Christophorus IV, in der Kunstsammlung in Gera, Quelle: Joachim Schäfer www.heiligenlexikon.de
Bild: Otto Dix: Christophorus IV, in der Kunstsammlung in Gera, Quelle: Joachim Schäfer www.heiligenlexikon.de

Nur diesem wollte er dienen. So ist er beim König. Doch dieser hatte Angst vorm Teufel. So dient er dem Teufel, aber der hatte Angst vor einem Wegekreuz. Also was nun?

 

Ein Einsiedler bestätigt Christophorus, dass Christus der mächtigste Herrscher ist. Da er aber nicht fasten kann und auch nicht so gut im Beten ist – das schlägt der Einsiedler vor, um Christus zu dienen - wählt er eine dritte Möglichkeit, etwas Praktisches. Er trägt Menschen über einen gefährlichen Fluss.

Immer wieder. Routine. Da kommt dieser kleine Junge und Christophorus beurteilt die Lage als spielend leicht. Als er aber mit diesem Kind auf der Schulter ins Wasser steigt, wird die Last immer schwerer, das Wasser schwillt an, er fürchtet zu ertrinken und glaubt, die ganze Welt liege auf seinen Schultern. Mehr als die Welt hast du getragen, sagt das Kind zu ihm, der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde. Und Christus taufte ihn so, sagt die Legende und Christophorus hat etwas begriffen, was es heißt, Christusträger zu sein. Alle Fundamente können dabei in Bewegung geraten und doch gilt die Zusage, die Begleitung, die Stärkung in der Schwächung – getragen im Tragen.

Christophorus wollte seinen Lebensplan erzwingen, von dem Willen getrieben, es in der Hand zu haben, die Spielregeln zu bestimmen, seinen Weg zu gehen.

Nein, Christophorus, es geht – und gar nicht so selten - seinen Gang.

Wenn Sie jetzt mit Christophorus auf die Reise gehen: Die Welt ist voller Wunder. Man muss sie zu tragen wissen.

 

Bild: Otto Dix: Christophorus IV, in der Kunstsammlung in Gera, Quelle: Joachim Schäfer www.heiligenlexikon.de


Zum 25. Juli 2020, Tobias Gfell

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