Das ist (nicht) mein Ding!

Impuls zum 24.07.2020 – Gedenktag des Heiligen Christophorus

Welche Ziele hast Du für dein Leben? Was willst Du später denn beruflich mal machen? Fragen, die sich viele Jugendliche am jetzt anstehenden Übergang von der Schule in den Beruf selbst stellen oder immer wieder zu hören bekommen. Wohl denen, die eine Idee, einen Plan oder eine Perspektive haben.

 

Für alle jungen Leute, aber auch für andere Menschen, die nach dem richtigen Weg, nach einem Sinn für ihr Leben suchen, finde ich die Legende des Heiligen Christophorus sehr passend. Heute ist sein Gedenktag. Er hat ein klares Ziel, dieser Riese: Dem mächtigsten Herrn der Welt zu dienen!

 

Mir gefällt an der Legende des heiligen Christophorus, dass es oftmals Zeit braucht, den richtigen Weg zu finden. Christophorus probiert sich aus, überdenkt Entscheidungen, orientiert sich wieder neu. Selbst als er offensichtlich angekommen ist, als er erkannt hat, wer dieser mächtigste Herr ist, nämlich Jesus selbst, ist die tatsächliche Aufgabe nicht gleich klar. Nicht jeder ihm vorgeschlagene Weg ist brauchbar. Fasten, beten – das ist nicht sein Ding. Christophorus verlässt sich auf seine Talente und Fähigkeiten. Mit seiner Kraft schwache Menschen über den Fluss tragen, das kann er, das passt zu ihm, das ist sein Ding.

 

Für andere Menschen da sein, ihnen helfen, sie tragen, ist auf jeden Fall ganz im Sinne Jesu. Vermutlich hat Christophorus eine ganze Weile Menschen über den Fluss geholfen, bis ihm ausgerechnet nachts beim Hinübertragen eines kleinen Kindes klar wird, dass er am richtigen Platz ist. Dass er in seinen Einsatz für die Schwachen, Kleinen und Hilfsbedürftigen Jesus selbst dient. Was er tut trägt Früchte. In der Legende ist das mit dem schönen Bild vom verdorrten Stab beschrieben, der am nächsten Morgen Blätter und Früchte trägt. (Übrigens vergleichbar mit der Rosenlegende der Heiligen Elisabeth).

Ich wünsche allen Menschen, die nach Orientierung und Sinn suchen, dass sie eine Aufgabe finden, die Ihnen entspricht, die sie erfüllt und bei der sie erleben dürfen: da blüht etwas auf. In mir und durch mich. Den guten Samen dazu hat Gott längst in jeden von uns hineingelegt.

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin


Die Legende des heiligen Christophorus


Christophorus war riesig groß. Eines Tages kam ihm in den Sinn, den mächtigsten Herrn zu finden, um ihm zu dienen. Auf seiner Suche kam er zum mächtigsten König. Fortan diente er ihm. Eines Abends, bei Hofe, sang ein Spielmann ein Lied vom Teufel. Und immer, wenn der Teufel genannt wurde, bekreuzigte sich der König. Christophorus beobachtete dies und sprach: „Du fürchtest wohl den Teufel, offenbar ist er weitaus mächtiger als du. Darum werde ich jetzt den Teufel selbst suchen, damit er mein Herr ist“ und machte sich auf. Unterwegs traf er auf eine große Ritterschar. Einer von ihnen war wild und schrecklich. „Ich suche den mächtigsten Herrn der Welt“, sprach Christophorus. „Das bin ich“, behauptete der Ritter. Da versprach ihm Christophorus seine Dienste auf ewig. Aber bald merkte Christophorus, dass sein Dienstherr nicht nur der mächtigste Ritter, sondern auch der Teufel war. Sie waren schon eine Zeitlang miteinander unterwegs, als am Weg ein erhöhtes Kreuz zu sehen war. Sobald der Teufel das Kreuz erblickte, machte er kehrt und floh entsetzt. Christophorus fragte ihn verwundert, warum er den Weg verlassen habe. Lange weigerte sich der Teufel, schließlich gab er zu: „Das Kreuz, ich fürchte das Kreuz. Jesus wurde ans Kreuz geschlagen und immer, wenn ich es sehe, muss ich schnellstens flüchten.“ „Dann ist ja dieser Jesus größer als du und ich muss ihm folgen.“

Und er suchte und suchte. Schließlich kam er zu einem Einsiedler und fragte ihn nach Jesus. Der sagte: „Wenn du ihm dienen willst, dann musst du viel fasten.“ − „Das kann ich nicht − sage mir etwas anderes“. „Dann bete viel!“ − „Das kann ich auch nicht.“ − Daraufhin sagte der Einsiedler: „Kennst du den großen reißenden Fluss, in dem so viele Menschen umkommen, wenn sie ihn durchqueren wollen?“ − „Natürlich kenne ich ihn.“ − „Hilf den Menschen über den Fluss, du bist so groß und stark. Nimm sie auf deine Schultern und trage sie darüber. So kannst du dem mächtigsten Herrn dienen.“

Und Christophorus sprach: „Das kann ich wohl, wenn ich Jesus so dienen kann.“ Mit Hilfe einer großen Stange, auf die er sich stützte, trug er von da an die Menschen hinüber.

 

Eines Tages, er lag in seiner Hütte, hörte er eine Kinderstimme rufen: „Christophorus, komm heraus und hilf mir.“ Er ging hinaus, setzte das Kind auf seine Schulter, nahm die Stange und ging ins Wasser.

Aber was nun geschah: Das Wasser wurde immer höher und höher, das Kind auf seiner Schulter immer schwerer. Bald war ihm, als trüge er die ganze Welt und er fürchtete, in den Fluten zu ertrinken. Mit letzter Kraft erreichte er das rettende Ufer, setzte das Kind nieder und sprach: „Was bist du so schwer geworden und das Wasser so hoch − mir war, als trüge ich die ganze Welt.“ Das Kind antwortete ihm: „Und nicht nur das, du hast nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der diese Welt erschaffen hat. Und zum Zeichen dafür, stecke deinen Stab in die Erde neben deiner Hütte. Das Holz wird blühen und Frucht tragen.“ Christophorus tat, wie ihm das Kind geheißen hatte und als er am nächsten Morgen aufstand, trug der Stab Blätter und Früchte.

 

(Gekürzte Fassung nach: Hubertus Halbfas, Religionsbuch für das vierte Schuljahr, Patmos 1986.)

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