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Birgitta von Schweden

Tagesimpuls von kaplan thomas stricker (Do, 23.07.20)

Heute begehen wir das Fest der heiligen Birgitta von Schweden. Sie wurde um das Jahr 1302 in Finsta bei Uppsala in Schweden geboren. Im Jahre 1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit der Kirchenlehrerin Katharina von Siena und der heiligen Edith Stein zur Patronin Europas erhoben.

 

Worin kann die heilige Birgitta für uns heutige Europäer Vorbild sein? In ihrem Leben legte sie ein großes caritatives und politisches Engagement an den Tag. Ihr Tun und Handeln war getragen und motiviert von mystischen Erfahrungen, die sie vom Kindesalter bis hin zu ihrem Tod machen durfte. In ihren Visionen hatte sie immer das Leiden Jesu vor Augen. Die Liebe, die der Erlöser vom Kreuz aus den Menschen zukommen lässt, war für Birgitta die Quelle ihres Lebens und Handelns. Die Offenbarungen, die ihr zuteilwurden, beinhalteten jedoch nicht die Enthüllung neuer Glaubensgeheimnisse. Sie zielten vielmehr auf ein neues Bewusstmachen der wesentlichen Inhalte der Evangelien. So wurde es für Birgitta zu einer zentralen Aufgabe, das Wort Gottes allen Menschen und aller Orten zu verkünden, auch und gerade dort, wo es auf Ablehnung gestoßen ist. Durch das Wort Gottes strebte sie eine Reform in den Herzen der Menschen an.

 

In unserer Zeit werden immer wieder Rufe nach Reformen innerhalb der Kirche laut. Die heilige Birgitta lehrt uns, dass Reform zunächst bei mir selber anfängt, in meinem eigenen Herzen. Jede Reform, wenn sie etwas bewirken will, hat sich am Wort Gottes auszurichten und von da aus seinen Anfang zu nehmen. In Jesus Christus ist Gottes Wort Mensch geworden, um bei uns zu sein und uns auf Augenhöhe zu begegnen. Gott verbindet sich mit uns Menschen. Und wir sind gerufen, uns selber täglich neu mit ihm zu verbinden. Denn: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Da sind wir beim heutigen Tagesevangelium:

 

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ (Joh 15,1-8)

 

Jesus ist der wahre Weinstock, wie er das wahre Licht, der gute Hirt und das lebendige Brot ist. Er ist die urbildliche Wirklichkeit, von der alles Geschaffene ein Gleichnis ist. In dieser Rede Jesu vom Weinstock gehen Gleichnis und Wirklichkeit ineinander über. Die gemeinte Wirklichkeit ist die lebensnotwendige Verbindung: der Rebzweig ist nichts ohne die lebendige Einheit mit dem Weinstock. Nur wer in der Einheit bleibt, hat das Leben. Die Mahnung Jesu: „Bleibt in mir!“ (Joh 15,4) wird später noch ergänzt und verdeutlicht durch die Aufforderung: „Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9). Die Liebe, die hier gemeint ist, ist die Treue des Glaubens. Nur der liebende Glaube ist fruchtbar. Der Glaube kommt vom Hören und Aufnehmen des Wortes: in Jesus spricht uns Gott selbst an und fordert uns. Das Wort macht uns rein (Joh 15,3): nicht dadurch, dass wir es auseinander nehmen und unterstreichen, sondern dadurch, dass wir unser oft so zwiespältiges Leben von der Kraft des Wortes Jesu sammeln und verwandeln lassen. Durch sein gesprochenes Wort nimmt Gott uns in seine Schule, um uns rein und reif zu machen.

 

Die heilige Birgitta hat sich von der Kraft des Wortes Gottes sammeln und erneuern lassen. So konnte ihr Leben reichte Frucht bringen. Lassen wir uns durch ihr Beispiel ermutigen, um uns selber immer wieder von neuem an Gottes Wort auszurichten und unser Leben erneuern zu lassen!

 

Thomas Stricker, Kaplan