Ein Lehrer, der lebt, was er lehrt

Impuls von georg hauser am Do. 16. juli

Für mich als Lehrer sind die Corona-Zeiten recht schwierige Zeiten. Eigentlich bin ich gewohnt, meinen Schülerinnen und Schülern ins Gesicht sehen zu können, mit ihnen zu sprechen, zu diskutieren, gemeinsam zu arbeiten. Stimmungen und Gefühle zu spüren, Lernerfolge und Lernbarrikaden unmittelbar mitzubekommen... In Zeiten des Homeschooling ist vieles anders. Da fehlt einfach der persönliche Bezug. Und wie wichtig der für das Lernen ist, sagen uns ganz viele Studien.

Lernen ist ein hochkomplexes Unterfangen. Da ist zuerst einmal die/der Lernende: Jeder und Jede lernt anders, hat individuelle Stärken und Schwächen, die sie oder ihn von allen anderen unterscheiden. Lernen setzt Motivation voraus. Der Lernerfolg hängt wesentlich vom Lebensbezug des Gelernten ab.

Dann ist aber auch die/der Lehrende wichtig: Ihr/Sein Vorbild zählt, die Gabe, auch schwierige Inhalte klar und einsichtig zu machen. Er/Sie baut die Brücke zwischen dem Wissen und dem Menschen, der zu diesem Wissen einen Bezug erhalten will, motiviert, fordert und fördert.


„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt 11, 28-30)

 

Jesus war und ist Lehrer. „Lernt von mir!“ sagt er im heutigen Tagesevangelium. Bei ihm ist Lernen aber irgendwie nicht so komplex und überstrukturiert wie in unseren heutigen Bildungsplänen.

 

„Warum muss ich das überhaupt lernen? – Was bringt ́s mir denn?“ - Fragen, mit denen ich mich als Religionslehrer schon häufiger rumzuschlagen habe. Für Jesus kein Problem, er ist überzeugt: „Was ich Dich zu lehren habe, das hilft Dir zu leben.“

 

Schülerinnen und Schüler merken sehr schnell, wie überzeugt ihre Lehrer und Lehrerinnen selbst sind, ob sie hinter dem stehen, was sie vermitteln, ob sie das glauben, was sie sagen. Jesus ist überzeugt von seiner Botschaft, er lebt vor, was er lehrt, deshalb kann er überzeugen.

 

„Lernt von mir“ – ist die Einladung, es ihm nachzumachen, mit ihm auszuprobieren, von ihm abzuschauen. Da braucht es keine Anwesenheitspflicht, keine Schulordnung, keine Disziplinarmaßnahmen, keine Leistungsmessung. Ein Angebot: „Probiere es aus und schau selbst, ob es hilft.“ Bei dem, was Jesus zu bieten hat, lohnt sich das Ausprobieren.

 

Jesus verspricht nicht: „Ich nehme Dir die Last ab. Wenn Du dich an mein Programm hältst, dann wirst Du perfekt, alles wird Dir leicht und unbeschwert von der Hand gehen.“ Die Herausforderungen des Lebens bleiben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Die Last liegt weiter wie ein Joch auf den Schultern. „Aber wenn Du bei mir abschaust, verändert sich etwas: Du trägst nicht allein. Du bist befreit von der Angst der Überforderung. Du kannst Schritt halten und findest innere Ruhe und Stärke.“

 

Georg Hauser, Schuldekan

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