Zeit, den Herrn zu suchen

Impuls am Mittwoch, 8. Juli von Anita ketterl

In der heutigen Tageslesung sagt der Prophet Hosea:

"Es ist Zeit, den Herr zu suchen. Dann wird er kommen und euch

mit Heil überschütten."

Hos 10,12

Gott zu spüren oder zu erahnen ist eine Sehnsucht vieler Menschen - auch meine.

Dem heiligen Ignatius von Loyola haben wir eine wichtige Idee der christlichen Lebensweise zu verdanken: Gott ist nicht auf bestimmte Orte oder Menschen beschränkt. Gott, der Schöpfer der Welt, lässt sich "in allen Dingen" suchen und finden.

Da "überall" keine sehr präzise Angabe ist, möchte ich mit Ihnen ein paar Momente teilen, von denen ich glaube: Hier war Gottes Geist spürbar - vielleicht anders, als ich mir das vorgestellt habe:


  • im "am Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus"-Gefühl
  • in der Erleichterung, wenn ich etwas Wahres endlich aussprechen konnte wenn mich etwas so erfüllt, dass ich die Zeit vergesse
  • wenn mir kurz klar wird, wieviel mir im Leben geschenkt wurde
  • wenn sich eine Sorge als unbegründet herausgestellt hat
  • in der Ruhe, die sich in mir breit macht, wenn ich auf einen See blicke
  • wenn ich gespürt habe, wie wertvoll und zerbrechlich das Leben ist
  • wenn ich mich im Rückblick auf eine schwierige Zeit gefragt habe: "Woher habe ich die Kraft für das alles genommen?"
  • wenn wir - mitten in Schmerz und Trauer - gemeinsam lachen können
  • wenn wir uns gemeinsam an früher erinnern und darüber staunen, was wir schon alles durchgestanden haben

Das sind Erfahrungen von Sinnhaftigkeit, Faszination, Liebe, Gebrauchtsein und jemanden brauchen, Schmerz, Trauer, Hoffnung und Überraschung. Diese "Suche" nach Gott muss keine Reise oder große Anstrengung sein. Wichtig ist wahrscheinlich, meine eigenen alltäglichen und außergewöhnlichen Erlebnisse und Gefühle ernst zu nehmen, denn sie sind Gelegenheiten, wo Gott mir begegnen will.

 

Anita Ketterl

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