„Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“ (Mt 9,38)

IMPULS VON ilona sgrÓ

Die Hirtenlosigkeit der Menschen damals, die im Tagesevangelium Mt 9,32-39 als Beweggrund für Jesu tieffühlendes Mitleiden genannt wird, ist ein sehr konkretes Bild, das auch unsere heutige Zeit kennzeichnet.

 

Jesu Erbarmen bezog sich dabei auf die Unwissenheit der Menschen, dass sie niemanden mehr hatten, der sie führte und ihnen die Wahrheit verkündete. Sie wussten nicht mehr, was der Sinn des Lebens ist, warum sie leben und wo es hingeht.

 

Geht es nicht auch vielen Menschen heute so? Suchen nicht immer mehr Menschen gerade in diesen Krisenzeiten auf unserer Welt nach Halt und Orientierung und sind auf der religiösen Suche bzw. auf der Suche nach Wahrheit und dem letzten Sinn von allem?

 

Wenn die meisten Menschen vielleicht auch nicht unsere Gottesdienste besuchen und von der Kirche nichts mehr erwarten, sehnen sie sich letztlich doch nach klarer Führung und Wegweisung sowie nach Heilung und Befreiung. Umso erschreckender für mich die Tatsache, dass unsere Kirche in der „Corona-Zeit“ als nicht systemrelevant gilt. Wie dem Apostel Petrus kommt auch mir hierbei unwillkürlich die Frage: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ (Joh 6,68)

 

Im griechischen Urtext wird diese Verlassenheit der Herde (Mt 9,36) im Gegensatz zur deutschen Einheitsübersetzung sogar noch sehr viel stärker ausgedrückt, denn dort heißt es wörtlich: „Sie haben ihre ganze Haut am Felsen und an den Dornen aufgerissen.“ Diese Formulierung macht deutlich, wie niedergeschmettert, verwundet und verletzt die Menschen sind und niemand eilt ihnen zu Hilfe.

In erster Linie geht es um das innere Verletzt-Sein, ja um das Fehlen des Wortes Gottes, der „Frohen Botschaft“. Jesus hat die Menschen seiner Zeit gleichsam in ihrer Hirtenlosigkeit, Verlassenheit und Zerstreutheit geschaut. Interessant ist, dass das Bild von den verwirrten und verlorenen Schafen im Perfekt steht, d.h. diese Schafe sind zeitlos, es gibt sie immer, auch heute!

 

Deshalb braucht es auch immer Hirten, die die zerstreuten Schafe wieder zusammenführen, ihnen den Weg zeigen und sie auf dem Weg begleiten. Auch sollen sie diese heilen, wo sie verwundet sind. Denn Gott-Vater hat Seinen Sohn deshalb auf die Erde gesandt, um die Frohe Botschaft zu verkünden, die Kranken zu heilen und die Dämonen auszutreiben, wie es z. B. auch in Vers 32 am Beispiel der Befreiung eines Stummen von einem Dämon beschrieben wird. Die Jünger Jesu erhalten von Jesus denselben Auftrag, den Er vom Vater erhalten hat.

 

Jesus, der selbst der „Gute Hirte“ ist, erwartet von seinen Jüngern, dass nun auch sie sich nach Seinem Beispiel um die verlorenen Schafe kümmern sollen. Wo es in der deutschen Übersetzung in Mt 9, 36 von den vielen Menschen heißt, dass sie „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ waren,

steht im Griechischen: „Schafe, die nicht Hirten haben“, oder genauer: „Schafe, die verschuldet keinen Hirten haben“.

 

Wir sehen also, dass es u. a. auch an den Hirten liegt, die ihre Verantwortung nicht wahrgenommen und sich nicht um die Schafe gekümmert haben.

 

Gerade zu Beginn der „Corona-Krise“ fühlten sich so manche Gläubige von der Kirche im Stich gelassen und wir alle, nicht nur die Bischöfe und Priester, sind hier durch Taufe und Firmung zum Dienst am Nächsten gerufen und gefordert. Dieser Anruf Jesu gilt allen, die in Seiner Nachfolge stehen, denn diese Situation wird es immer geben.

 

In Vers 37 spricht Jesus von dem Gegensatz der großen Ernte und der geringen Zahl der Erntearbeiter.

Da es hier um Wesentliches geht, nämlich um das ewige Heil der Menschen, will Jesus damit ausdrücken, dass die Zeit drängt. Die Berufung der Erntearbeiter ist daher Sache des ganzen Gottesvolkes!

 

Weil Berufungen wie z. B. das Priestertum, durch das wir alle die Gnade der Erlösung über die Sakramente empfangen, immer auch ein Geschenk an das ganze Gottesvolk sind, müssen sie immer auch von Gott erbeten werden!

 

In Mt 9,38 nennt Jesus seinen Vater den „Herrn der Ernte“. An Ihn sollen sich die Jünger, die selber Erntearbeiter sind, mit der Bitte um Arbeiter wenden.

 

Daran können die Jünger damals und auch wir heute erkennen, dass es immer Gott ist, der uns erwählt hat, weil andere gebetet haben. Wir können uns nicht selbst erwählen, geistliche Berufungen sind stets eine Gabe Gottes und man muss sie von Ihm erbitten!

 

Man kann die Arbeiter im Weinberg des Herrn folglich auch nicht einfach anwerben, wie es in der heutigen Berufswelt der Fall ist.

 

Gott selbst ist es, der diese Hirtensendung verschiedenen Menschen gibt, ja Er wird für genügend Hirten sorgen, wenn das ganze Volk Gottes um diese Gabe bittet.

 

Daher lade ich Sie ein, Gott nicht bloß am ersten Donnerstag im Monat, dem sog. „Priesterdonnerstag“ um Hirten für den Weinberg des Herrn zu bitten, sondern regelmäßig für geistliche Berufungen zum pastoralen Dienst, zum Ordensleben, zur christlichen Ehe sowie zum Priestertum zu beten. Dann werden die Menschen, an die ein Ruf Gottes ergeht, die Gnade und Kraft erhalten, ihre Herzen zu öffnen und diesem je eigenen Ruf zu folgen.

 

Eine Anregung dazu finden Sie zum Beispiel im Gotteslob Nr. 939!

 

 

 

Ihre Ilona Sgrò, Gemeindereferentin

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Bittet den Herrn um Arbeiter für seine
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