Gedanken zu Joh 20,24-31

Impuls für Freitag, 03.07. von Pfarrer Dederichs

Tot ist tot. Leichtgläubig macht der Wunsch die Menschen. So spricht der kritische Mensch zu jeder Zeit. So denkt Thomas, der Jünger Jesu. „Ich werde es nicht glauben…“, sagt er, als ihn die Botschaft das Jesus lebt durch die anderen Jünger erreicht. „Ich werde es nicht glauben ehe ich es selbst gesehen und betastet habe“. Am Abend im Kreis der Jünger, Thomas ist jetzt Anwesend. Jesus kommt, wiederum, wie acht Tage zuvor, trotz ver­schlossener Türen. Er spricht den Friedensgruß, der gilt allen, diesmal besonders dem Thomas. Jesus stillt das Verlangen von Thomas. Thomas darf hören, sehen und betasten. „Werde nicht ungläubig, sondern gläubig“

Christus wirbt um seinen Jünger. Indem Jesus den Thomas anspricht gibt er ihm freien Raum. Ob Thomas seine Hand auszustrecken gewagt hat, bleibt unausgesprochen. Es ist nicht wichtig. Doch dann: „Mein Herr und mein Gott“. Thomas, er kennt ihn im doppelten Sinn und bekennt. Ungewöhnlich ist die Antwort Jesu. Er, der auferstandene Herr preist den Nichtsehenden und doch Glaubenden selig. Auf dem, was der Mensch sieht, kann der Glaube nicht ruhen und gewiss werden. Kritische Menschen werden nach Thomas kommen. Das ist gut so! Nichts wird durch Sehen und Tasten überwunden, sondern durch das Zeugnis von dem lebendigen Christus. Auch Thomas konnte nicht seinen Augen und Händen trauen, sondern Christus allein. Darum das Schweigen über das, was er tat, darum der nüchterne Bericht über sein Osterbekenntnis.

Der Evangelist Johannes sagt: zwar tat Jesus vieles mehr, doch es ist genug, was aufgeschrieben ist, genug im Hinblick auf das Eine, worauf es ankommt: Jesus ist der Christus, Gottes Sohn. Die sich zu ihm bekennen haben in seinem Namen Ewiges Leben. Mehr empfangen die Jünger Jesu und somit auch Thomas nicht. Was sie sahen, Jesus in seinem Leben und Leiden, seinem Tod und seiner verklärten Gestalt, war dem kritischen Widerspruch nicht weniger ausgesetzt, als was Menschen heute sehen. Der andere Thomas, nicht der scheinbar ungläubige Thomas und spätere Apostel, sondern Thomas von Aquin wird Jahrhunderte nach ihm in seinem hymnischen Bekenntnis zur Eucharistie schreiben: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. … Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: ‚Du mein Herr und Gott!‘ Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein.“

 

Pforzheim 3. Juli, Fest des Apostels Thomas

Michael Dederichs, Seelsorger, Priester

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03. Juli - FEST DES APOSTEL THOMAS - Int
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