Der schmale Weg der Liebe – ein Weg auch für mich?!

Impuls von ILONA SGRÓ

Im heutigen Tagesevangelium (Mt 7,6.12-14) verbindet Jesus mit der „Goldenen Regel“ („Alles, was ihr also vom anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Mt 7,12) zwei Mahnungen:


Zum einen ruft Jesus - wie damals seine Jünger - auch uns heute dazu auf, das Heilige in unserem Leben besser zu schätzen und zu hüten. Doch was ist „das Heilige“?

Sicher gilt es, den großen Schatz der Sakramente neu hervorzuheben und die Menschen gewissenhaft auf deren Empfang vorzubereiten, da bei deren Spendung immer eine persönliche Christusbegegnung stattfindet. Bildlich gesprochen wird dem Empfänger eines Sakramentes immer eine Umarmung Gottes geschenkt, weshalb auch eine Antwort der Liebe darauf nicht ausbleiben und diese Umarmung erwidert werden sollte. Doch wo die Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes fehlt, oft auch aus mangelndem Glaubenswissen oder aus mangelndem Respekt, ist das Heilige der Gefahr ausgesetzt, entweiht zu werden.

Darüber hinaus müssen wir versuchen, die Schönheit des christlichen Glaubens noch stärker vor der Verwässerung bzw. Verdunstung zu bewahren. Gerade durch den Glauben können wir vor allem auch den spirituellen Wert der Herausforderungen in unserer Zeit erkennen und diese im Lichte des Evangeliums zu deuten versuchen. Letztlich kann dann alles, ja selbst die Corona-Krise, noch zu unserem Heil dienen, wenn wir bei allem bewusst danach trachten, unser Leben nach dem Willen Gottes auszurichten und nach Seinem Wort zu leben und zu handeln.

Zum anderen zeigt Jesus uns aber auch, dass der Weg des geringsten Widerstands nicht der Weg ist, der zum Heil der Menschen führt.

„Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.“ (Mt 7,13+14)

Jesus beschreibt hier also zwei mögliche Lebenswege: Den einen breiten und bequemen, der in den Untergang führt und den engen, schmalen, der zum ewigen Leben, somit in das Reich Gottes führt.

Wir müssen uns entscheiden: Entweder oder!

Will ich einfach mit dem breiten Strom mitschwimmen? Folge ich blind der Masse, ohne auf Gott zu hören bzw. nach Seinem Willen zu fragen? Mache ich, was alle tun, statt auf Gottes Wort und Seine Gebote zu achten?

Der heilige Paulus warnt vor dem breiten Weg, indem er in Gal 5,19 z. B. folgende Werke des Fleisches aufzählt, die den Menschen letztlich „versklaven“ und zum Verlust des ewigen Lebens führen können, wenn er nicht umkehrt: „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid, maßloses Trinken und Essen und dergleichen.“

Stattdessen sollen diejenigen, die Jesus angehören und den schmalen Weg folgen, nach Gal 5,24 „ihr Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden ans Kreuz … schlagen“.

Paulus lädt hier zu einer radikalen Christusnachfolge ein. Es geht ihm dabei nicht darum, das Schöne und Gute zu verachten, sondern es so zu gebrauchen, als besäße ich es nicht (vgl. 1 Kor 4). Denn letztlich bleibt nur Gott, die ewige Liebe und alles, was in Ihm Bestand hat.

 

Die Dinge (Geld, Macht, Ansehen …) und Geschöpfe dieser Welt vergehen und sind nur Windhauch (vgl. Koh 1,2). Wir sollen sie nicht zu unserem Endziel machen, um Gott, die Mitte und das Ziel unseres Lebens nicht aus den Augen zu verlieren.

Daher sollen wir nach Mt 6,33 zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit suchen, dann wird uns alles andere dazugegeben.

Bin ich bereit, den engen und schmalen Weg einzuschlagen, auch wenn er mich etwas kostet?

Wohl wissend, dass dieser mir gewiss mehr Engagement und Selbstdisziplin abfordert als der breite und komfortable Weg?

Schließlich sagte Jesus in Mt 16,24 zu seinen Jüngern: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“

Wenn ich mich also dafür entscheide, wie mein Meister auf den schmalen Weg zu gehen, auf dem nicht jeder geht, dann kommt es darauf an, die Gottes-und Nächstenliebe zu praktizieren, die alle Gebote Gottes zusammenfasst.

Sie bremst meinen eigenen Egoismus, meine Eitelkeit und meinen Stolz und hat nicht nur das eigene, sondern gerade auch das Wohl und Heil des anderen im Auge.

Das ist eine Haltung, für die es sich lohnt, den engen und schmalen Pfad der Liebe zu gehen. Denn wenn wir uns nach dem Beispiel Jesu selbstlos den Nächsten hingeben, kann Gottes Barmherzigkeit und Güte umso tiefer in die Dunkelheit unserer Welt aufleuchten.

Alles, was Gott in unserem Leben zulässt bzw. uns zumutet, können wir mit Seiner Hilfe in Liebe und Geduld annehmen lernen, wenn wir darauf vertrauen, dass Er es uns letztlich zum Guten gereichen lässt (vgl. Röm 8,28).

Zum Weg der Nachfolge Christi gehört folglich auch, unseren Mitmenschen nach dem Beispiel Jesu mit Würde und Feinfühligkeit liebevoll zu begegnen und ebenso an ihnen zu handeln. So können wir unseren Nächsten Gottes Heiligkeit nicht nur näher bringen, sondern ihnen sogar Gottes Liebe erfahrbar werden lassen.

Es gilt, die Mittelmäßigkeit im spirituellen Leben abzuschütteln und die Zeit, die Gott uns jeden Tag neu schenkt, zu unserem und zum Heil der anderen sinnvoll zu nutzen!

Für welchen Weg entscheide ich mich?
 

Ihre Ilona Sgrò, Gemeindereferentin

 

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