Ein Heiliger für heute - Antonius

Impuls von Schuldekan Georg Hauser

Seine Statue fehlt in fast keiner Kirche, er gehört zu den beliebtesten Heiligen – und auch hier in Pforzheim trägt eine Kirche seinen Namen: Der Franziskaner Antonius von Padua. Der 13. Juni ist sein Gedenktag.

Unter allen Heiligen ist Antonius ein ganz besonderer, ein ganz sympathischer und ein ganz aktueller Heiliger: Er ist Patron derer, die etwas verloren haben und auf der Suche sind...

Damit steht er uns ganz nahe: Wir haben alle schon einmal etwas Wichtiges verloren oder haben uns selbst verloren gefühlt, waren verzweifelt auf der Suche und es fehlte die Idee, wo die Erfüllung unserer Sehnsucht verborgen sein könnte. Dieses Gefühl von Panik, das nach vergeblichem Suchen langsam in einem hochsteigt, ist nichts, an das wir uns gerne erinnern.


In diesen belastenden Momenten stehen wir unter dem Patronat des Antonius von Padua. Aber wieso eigentlich?

Antonius lebte am Beginn des 13. Jahrhunderts, war Portugiese und als junger Mann begeistert von Franziskus von Assisi und seinen Mitbrüdern, die bereit waren alles aufzugeben um ganz radikal Jesus nachzufolgen. Er trat in den Orden der Franziskaner ein, und fand nach vielen Wirrnissen in Norditalien Zuhause und Lebensaufgabe als Prediger, Lehrer und Seelsorger. Viele Legenden berichten von Antonius‘ ans Wunderbare grenzende Begabung, sich durch den Schwung und die Anschaulichkeit seiner Rede verständlich zu machen. Volkstümlich war er und begeisterte seine Mitmenschen, ein begnadeter Seelsorger und Helfer vieler Notleidender. – Mit gerade einmal 36 Jahren starb er am 13. Juni 1231.

Eine Legende aus seinem Leben erklärt die spezielle Zuständigkeit für alle Suchenden und Verlorenen: Einer von seinen Schülern habe in einer Sinnkrise Kloster und Studium Hals über Kopf verlassen, nicht ohne Antonius‘ handschriftliches Notizbuch mitgehen zu lassen. Auf dem Weg aus Padua habe er eine schreckliche Erscheinung gesehen und sei daraufhin mit dem Buch zurückgekehrt. Man kann sich gut vorstellen, wie entsetzt Antonius über den Verlust von Schüler und Buch gewesen war und wie dankbar nun, beides wieder gefunden zu haben.

Für mich ist der begeisternde Prediger und solidarische Helfer Antonius ein ganz aktueller Heiliger: Verlusterfahrungen machen wir gerade als Zeitgenossen der Corona-Krise mit ihren Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft, Kirche bis hinein in die persönliche Lebensgestaltung ja einige durch. Und als Christen macht es uns betroffen, wenn viele Beobachter zu Recht einen Relevanz- und Sprach-verlust von Christentum und Kirche konstatieren.

Vielleicht gibt gerade der Patron der Suchenden und Verlorenen uns heute diesen Rat mit auf den Weg: Raus aus dem Lamentieren und Verzweifeln. Hin zum Reden und Handeln: „Der Prediger steige herab und neige sich zu seinem Mitmenschen. Nur so kann er den Nächsten aufrichten, der am Boden liegt.“

 

Heiliger Antonius von Padua, hilf uns suchen, was wir verloren haben.

 

Georg Hauser, zum 13. Juni 2020

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