Zum Hochfest Fronleichnam

Impuls am DoNNERSTAG (11.06.2020) von Kaplan Thomas Stricker

Heute feiern wir Fronleichnam. Es ist das Fest des „heiligsten Leibes und Blutes Christi“. So stehen die eucharistischen Gestalten von Brot und Wein heute besonders im Mittelpunkt. In der kleinen, anspruchslosen Hostie begegnet uns Jesus als „das Brot des Lebens“. In dieser sichtbaren Brot-Gestalt scheint den Augen der Glaubenden auf, wer und wie Gott ist. In und durch Jesus Christus ist Gott für uns Menschen lebensspendend wie das Brot und Grund zur festlichen Freude wie der Wein. Brot und Wein werden auf dem Altar zu Leib und Blut Christi. Das wollen sie aber nicht für sich bleiben! Leib und Blut Christi werden für uns zur wahren Speise und zum wahren Trank, die uns zum Leben gereichen. Doch nicht nur in diesen kleinen Stücken von Brot und Wein allein will Gott gegenwärtig sein, sondern alles, was es gibt, soll immer mehr zum Zeichen, zur Verheißung und zum Ort seiner Gegenwart werden. Die Verwandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi auf dem Altar ist im Grunde nur ein Anfang. Die Verwandlung soll noch weitergehen! Alle Christen, die ganze Kirche und die ganze Welt sollen sich wandeln, auf dass – wie es bei Paulus heißt – Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15,28).

 

Für uns bedeutet das, dass wir uns selber auch verwandeln lassen. In jeder heiligen Messe werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christ gewandelt. Dabei sollen auch wir uns wandeln lassen; und zwar durch den, der uns sein Wort zuspricht und uns im Sakrament seine liebende Gegenwart schenkt. Gottes Wort, das uns verkündet wird, und seine Liebe, die uns im Sakrament, in Leib und Blut Christi, begegnet, wollen uns zu neuen Menschen formen. Das Entscheidende, damit wir uns wirklich wandeln, ja erneuern lassen, besteht darin, dass wir an Jesus glauben. Nach den Worten des heutigen Tagesevangeliums heißt das konkret: zu Jesus kommen und die Speise, der er gibt, essen. Ihn selber mit allem, was er sagt und tut, annehmen und in sich aufnehmen wie lebensnotwendiges Brot. So sollen also nicht nur Brot und Wein allein verwandelt werden, sondern auch an uns muss etwas geschehen. Auch in unserem Leben soll sich immer wieder etwas wandeln und verändern. Mit Hilfe der eucharistischen Speise kann unser Leben erneuert werden.

Dazu passt, was der heilige Augustinus einmal gesagt hat: „Empfangt, was ihr seid, werdet, was ihr seid: Leib Christi!“. Das bedeutet: Von der Liebe Jesu, die uns in der Eucharistie als Gabe geschenkt wird, haben wir uns wandeln und erneuern zu lassen. Und diese Liebe haben wir dann gleichfalls weiter zu schenken! Leib und Blut Christi sind an uns Gabe und Auftrag zugleich. Wir werden beschenkt mit dem Brot und dem Trank des Lebens. In gleicher Weise sollen wir den Menschen in der Welt das zum Leben Notwendige geben. So wünsche ich uns allen, dass wir immer mehr zu „eucharistischen Menschen“ werden: dass wir in unsrem Leben bereit und offen sind für die Liebe Jesu und sie ebenso weiter schenken.

 

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