Gewaltfreie Kommunikation

Impuls am Montag, 8. Juni 2020

Neulich las ich ein Zitat von Mahatma Gandhi, das mich nachdenken ließ:

„Der berechtigte moralische Schluss, der aus der Bombe als schlimmster Katastrophe gezogen werden muss, ist, dass sie ebenso wenig durch Bomben vernichtet werden kann, wie Gewalt durch Gegengewalt. Die Menschheit kann und darf aus dem Gewaltkreislauf nur durch Gewaltfreiheit aussteigen. Hass kann nur durch Liebe überwunden werde. Mit Hass zu antworten, führt nur zu einer Ausweitung und Vertiefung des Hasses.“

Jesus ruft in der Bergpredigt zu Vergebung und zu Liebe zu den Feinden auf.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Gewaltfreier Kommunikation. Eigentlich dachte ich immer, dass ich in meiner Sprache keine Gewalt anwende, aber diese Methode, die ein den 1960er Jahren von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde, hat mich eines Besseren gelehrt.

Hier werden die Ansätze von Jesus und Gandhi auch in einfacher Kommunikation konkret. Darum wird die Gewaltfreie Kommunikation auch Wertschätzende Kommunikation bezeichnet. Es schließt das christliche Menschenbild, jeder Mensch hat eine Würde von Gott erhalten und wird von Gott so geliebt wie er ist, mit ein. Wenn ich diese Grundhaltung jedem Menschen zugestehe, dann ändert sich meine Beziehung zu ihm.

Die GFK geht davon aus,

• dass Menschen so handeln, wie sie es tun, um Bedürfnisse zu erfüllen.

• dass Kooperation besser als Konkurrenz ist.

• dass Menschen Dinge für andere lieber erfüllen, wenn sie es freiwillig machen.

• Dass es Menschen Freude bereitet, wenn Sie dazu beitragen, dass sich andere wohlfühlen.

Die Ziele der GFK sind:

• Tiefgründige Beziehungen schaffen

• Bedürfnisse erfüllen, unter Rücksichtnahme allgemeiner Werte

• Schmerzvolle oder erfolglose Beziehungen kurieren

• Scham, Angst, Depression etc. auflösen

• Ärger und Frustration in Kooperation und Partnerschaft verwandeln

• Lösungen finden anhand von Rücksichtnahme, Respekt und Konsens

• Lösungen finden, die bereichernd sind

Vier Schritte können helfen, gewaltfrei das eigene Bedürfniss dem anderen Menschen zu kommunizieren:

1. Beobachten und beschreiben von überprüfbaren Fakten

2. Gefühle wahrnehmen und ausdrücken mit Begründungen

3. Meine Bedürfnisse wahrnehmen und äußern.

4. Eine Bitte formulieren, damit ein Bedürfnis freiwillig erfüllt wird. Keine Forderung.

 

Für mich ist diese Methode auch eine alltagstaugliche Handlungsanweisung des Gebots der Nächstenliebe: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!“ Nur wenn ich meine eigenen Bedürfnisse wahrnehme und einbringe, kann ich auch die Bedürfnisse anderer beachten und mit ihnen zu einem gleichwertigen Konsens finden.

Die Praxis der Gewaltfreien Kommunikation ist an Anfang nicht einfach, aber es lohnt sich, es zu lernen, weil bei gemeinsamer Anwendung es keinen Gewinner oder Verlierer mehr gibt, sondern ein friedliches und erfülltes Zusammenleben möglicher wird.

Markus Schütz, Pastoralreferent

markus.schuetz@kath-pforzheim.de
Tel.: 07231-4557868

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