Wer bist Du, Maria?

Impuls zum 29. Mai 2020

Immer noch sind wir im Mai – in der Tradition der katholischen Kirche auch als Marienmonat bezeichnet. Vielerorts sind die Marienaltäre in dieser Zeit mehr als sonst geschmückt. Wenn es keine Versammlungsbeschränkungen wegen Corona gibt, treffen sich Gläubige zum Rosenkranz und zu Maiandachten. Viele Menschen fühlen sich von Maria besonders verstanden, weil sie als Frau und Mutter alle Facetten des Lebens durchlebt hat, die auch wir heute kennen: Unsicherheit, Angst, Freude und Leid. Die vielen Kerzen, die gerade täglich beim Marienaltar entzündet werden, singen ein Lied davon.

Zugegeben: mit so mancher Form der in meiner Kindheit erlebten Marienfrömmigkeit tue ich mich eher schwer. Begriffe wie Himmelskönigin, Sternenumglänzende aus traditionellen Marienliedern kommen scheinbar aus einer anderen Zeit. Und Maria als Magd des Herrn? Könnte da nicht allzu leicht ein unterwürfiges Frauenbild in der Kirche hergeleitet oder verstärkt werden, das es längst zu überwinden gilt?

Und doch: ich nehme mir Maria gerne als Vorbild.

Mein Blick geht dabei auf die Erzählungen der Bibel. Und da finde ich unendlich viele Dinge, die mich an ihr beeindrucken und faszinieren.

  • Mir fällt auf, wie unglaublich mutig sich diese junge Frau aus Nazareth ohne Vorbehalt und Risikoabwägung, mit jeder Faser ihres Seins auf den überraschenden Ruf Gottes eingelassen hat. (Lk 1,26ff)
  • Oder wie sie beim Magnificat, dem Lied Marias bei der Begegnung mit Elisabeth, ihre prophetische Seite zeigt, wenn sie singt: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk 1, 52f).
  • Dabei steht Maria nie selbst im Mittelpunkt, sondern bleibt immer ganz auf Jesus bezogen, wie bei der Hochzeit zu Kana, wenn sie sagt: „Was er euch sagt, das tut!“. (Joh 2, 5)
  • Schließlich ist sie Mutter in aller Konsequenz, muss erleben, wie Ihr Kind auf seinem Weg scheitert und geht trotzdem mit, hält aus und bleibt bei ihrem Sohn bis in die dunkelste Nacht unter dem Kreuz. (Joh 19,25)
  • Sie erlebt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und im Kreis der Jünger empfängt auch sie an Pfingsten den lebensspendenden Geist Jesu, Mut und Kraft, die uns allen zugesagt ist. (Apg 2, 1ff)

Maria kann in vielen Bereichen ein Vorbild sein.

Immer aber ist sie ein Weg, der zu Jesus führt.

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin

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