Von Jesus beten lernen!

Impuls am Dienstag, 26. Mai 2020

Das heutige Tagesevangelium ist ein Abschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu im Abendmahlssaal vor seinem Leiden. Es ist das längste Gebet Jesu, das uns im Neuen Testament überliefert wird. Wie in den vielen anderen Stellen, wo davon erzählt wird, dass Jesus manchmal ganze Nächte lang allein und in der Einsamkeit zu seinem Vater gebetet hat, so zeigt uns auch dieses Gebet besonders schön, wie intensiv der Austausch zwischen Vater und Sohn ist.

Jesus beginnt nicht mit der Fürbitte für uns, sondern er betet zunächst für sich selbst, ganz persönlich.

So können wir lernen: Ich kann nur das weitergeben, was ich selbst empfangen habe! Daher soll auch ich mich wie Jesus erst einmal in die Gegenwart unseres himmlischen Vaters stellen und mein Herz im persönlichen Liebesaustausch mit dem Vater von seinem Geist erfüllen lassen. Wie ein Gefäß, das zuerst volllaufen muss, bevor es dann überläuft, so muss auch ich zuerst von der Liebe Gottes angefüllt sein, um dann aus meinem Überfluss die von Gott empfangene Liebe weiterschenken zu können.

„Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.“ (Joh 17,1)

Jesus meint hier die Stunde seines Leidens, seines Sterbens, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, in der seine Verherrlichung geschieht, und da nur sein Vater diese Stunde bewirken kann, bittet er Ihn darum. Da Jesus am Kreuz das tut, was der Vater selbst tun will, nämlich sich für uns Sünder hingeben und uns aus der Knechtschaft der Sünde befreien, ist der Sohn verherrlicht und auch der Vater, weil es ja auch dessen Wille ist, dass wir gerettet werden.

„Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die Du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.“ (Joh 17,2)

Staunenswert: Wir sind als Getaufte und von Gott Erwählte ein Geschenk des Vaters aus dieser Welt an Jesus!

Jesus besitzt diese Macht über alles Geschaffene vom Vater, damit ER all denen ewiges Leben schenken kann, die der Vater ihm gegeben hat! Doch wir dürfen nie vergessen: Wir sind erwählt für die anderen, damit auch sie durch uns das Heil finden, das Jesus uns durch die Erlösung am Kreuz verdient hat. Unsere Erwählung ist Geschenk und Auftrag zu gleich!

Bei diesem „Hohepriesterlichen Gebet“ betet Jesus als unser Vorbild auch nicht nur für sich selbst, sondern ebenfalls für seine Jüngerinnen und Jünger, die sein Wort angenommen haben. Folglich sind nicht nur die vor 2000 Jahren gemeint, sondern auch wir – ja alle Menschen, die bis zu seiner Wiederkunft seine Worte annehmen und danach leben. Schon damals hat Jesus also auch für mich und Dich zu seinem Vater im Himmel gebetet, was für ein Trost!

Daher darf auch aus unserem persönlichen Gebet, bei dem wir uns erst einmal selbst vor Gott stellen und mit IHM ins Reine kommen, dann unser Fürbittgebet für andere erwachsen, ganz nach dem Beispiel Jesu, der unser Lehrmeister beim Beten ist. Gönnen wir uns täglich immer wieder eine Zeit der Stille zum persönlichen Gebet, vielleicht an einem bestimmten Ort oder auch in der Natur, wo wir ungestört von Herz zu Herz zu Gott beten können. So können wir in Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen und unser Herz durch die Gaben des Hl. Geistes täglich neu stärken und erfüllen lassen. Dann sind unsere Herzen nicht „leer“, sondern mit Gottes Liebe angefüllt und laufen bildlich gesprochen über. Und wir beginnen für die anderen zu beten und uns für sie hinzugeben, nach dem Wort und Beispiel Jesu. Wenn wir in Christus verbunden bleiben, werden auch wir durchlässig für den Vater und die anderen können Gott dann auch durch unser Leben und Wirken immer mehr erkennen. Auch das ist ein Beten, zwar ohne Worte, doch umso wirkmächtiger durch unser Sein und Bleiben in Christus!

Ilona Sgrò, Gemeindereferentin

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