„Ich kann ja doch nicht helfen….“

Impuls für Montag, 11. Mai 2020

Dieser Tage erzählte mir ein Freund von seinem Einsatz im Geflüchteten-Camp auf der griechischen Insel Samos. Er hatte im März seinen Jahresurlaub genommen, um dort einer Nichtregierungsorganisation zu helfen, den tausenden von Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern das Nötigste zu organisieren. Staatliche Stellen sind nicht beteiligt, nur verschiedene Organisationen mit Freiwilligen aus aller Welt. Er erzählte davon, dass die Menschen auf engstem Raum in zeltartigen Gebilden, z.T. aus Müll irgendwie zusammengebaut, hausen, wohnen wäre zu viel gesagt. Es gibt etwa eine Toilette für 300 Personen und der Lagerboden, auf dem Kinder sitzen und versuchen, zu spielen, ist verunreinigte Erde; ganz zu schweigen von vielem Ungeziefer, dass sich dort tummelt. Ihre Aufgabe war es, wenn sie in das Camp hinein durften, den Müll zu entsorgen und Desinfizierungsflaschen auf zu hängen, wo sich alle daran bedienen können. Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus gibt es keine in einem überfüllten Camp mit etwa 5000 Menschen.

 

Die griechische Regierung weigert sich, die Menschen aus dem Camp und auf das Festland zu lassen, damit sie sich selbst schützen und versorgen könnten. Alle anderen europäischen Länder weigern sich, Griechenland in der Versorgung der Menschen zu unterstützen. Bisher wurden nur einige wenige unbegleitete Kinder und Jugendliche nach Deutschland und Luxemburg gebracht. Wenn alle Geflüchteten in den Lagern auf Europa verteilt würden, kämen wahrscheinlich nur wenige hundert Menschen in jedes Land. Selbst in Pforzheim stehen schon Gebäude für Geflüchtete leer.

 

Leider haben ich und vielleicht auch viele andere uns schon daran gewöhnt, dass tausende Menschen im Mittelmeer bei ihrer Flucht ertrunken sind. Die, welche es geschafft hatten, sitzen jetzt in den Lagern und kommen dort mit der Zeit um.

 

Ganz zu schweigen davon, dass es unserer Pflicht als Menschen und noch mehr als Christen ist, Menschen in Not zu helfen, verdränge ich schnell das Thema, „weil ich ja doch nicht helfen kann“. So sagen es viele und so denke ich es auch manchmal.

Doch! möchte ich dagegen setzen, besonders jetzt in der Zeit auf Pfingsten zu, wo wir uns in besonderer Weise auf das Wirken des Heiligen Geistes konzentrieren. Er macht uns fähig, Doch! zu sagen und uns in allen Gesprächen in unserem Umfeld für die Hilfe für Geflüchtete aus zu sprechen oder entsprechende Leserbriefe zu schreiben. Er gibt uns den Geist ein, wenn wir unsere Abgeordneten im Bundestag oder im Europaparlament anschreiben und fordern, dass sie sich solange dafür einsetzen, bis den Geflüchteten in ganz Europa geholfen wird.

 

Bestimmt kommen Ihnen noch ganz andere Ideen, den Menschen in Not zu helfen. Lassen Sie den Geist Gottes in sich für die Menschen und damit auch für sich selbst wirken.

Markus Schütz, Pastoralreferent

markus.schuetz@kath-pforzheim.de
Tel.: 07231-4557868

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