Zwei Männer im Mai

"Josef sagt nichts. (1. Mai – Josef)"

In der ganzen Bibel nicht.

Seit Jahrzehnten stellt die katholische Kirche dem Tag der Arbeit das Gedenken an Josef den Arbeiter bei (gr. Tekton = Bauhandwerker).

Josef ist doch irgendwie einer wie wir. Er steht nie im Mittelpunkt und ist der Typ Mensch, der in der Menschenmenge nicht auffällt und keinen Anlass zu einer Schlagzeile bietet. Die großen Paare führen die Männer zuerst auf: Caesar und Kleopatra, Romeo und Julia – jedoch, Maria und Josef. Nur sieben Mal in der Bibel erwähnt, hat er sehr wenig am aktiven Leben Jesu teilgenommen. In Kunst und Geschichte kennt man ihn als asexuellen Greis – merkwürdig für den Vater Jesu, wie Maria sagt, und Vater weiterer Kinder (vgl. Mk 6,3).

Doch, das soll ja wohl so sein im Heilsplan: spiel‘ deine kleine Rolle, Josef, das ist wichtig, aber bilde dir nichts drauf ein. So könnte man meinen, Josef der Arbeiter leitet an zu einem angepassten Kleinbürger, der bei Arbeitszeitverhandlungen regelmäßig über den Tisch gezogen wird, so nach dem Motto „Müller, ab heute arbeiten wir rund um die Uhr. Das macht ihnen doch nichts aus, sie sind ja Christ, gell?“

Genauer besehen, ist das Gegenteil der Fall. Wir erfahren in den Evangelien etwas über seine Gedanken und Träume. Josef ist einer, der sich leiten lässt aus seinem Innersten, der intuitiv weitreichende Entscheidungen fällt.

In unserer Welt, in der alles vorausberechnet und geplant wird, wo Wirtschaftlichkeit und Effizienz immer weniger Platz für Intuition übriglassen, in einer solchen Welt könnte der heilige Josef wieder an Bedeutung gewinnen – für Männer und für Frauen. Das Leben lässt sich nicht allein vom Kopf her organisieren, es braucht das Herz, die Intuition, es braucht den Verlass auf den gesunden Menschenverstand, der nicht nur auf die Stimme des Verstandes, sondern auch auf die Stimme des Herzens hört.

 

"Hat er oder hat er nicht, (2. Mai – Athanasius)"

Der hl. Athanasius, Kirchenvater und Patriarch von Alexandrien im 4. Jh.? Hat er Arsenius, einen anderen Bischof umgebracht und ihm die Hand abgeschnitten, um sie für magische Rituale zu gebrauchen? Der Vorwurf stand im Raum und dem rigorosen und auch ehrgeizigen Athanasius traute man das zu. Der Kirchenhistoriker Adalbert Hamman schreibt „Athanasius war mächtig, aber rücksichtslos, verteidigte das Reich Gottes mit der Männlichkeit der Gewalttätigen, er findet seine Luft im Kampf, nichts an ihm atmet Milde.“

Allerdings war er auch so ehrgeizig, dass er diesen Arsenius nach langer Suche quicklebendig präsentieren konnte, sogar mit zwei Händen.

Athanasius schrieb um zu belehren und zu überzeugen. Und es war eine „Sache“ für die er sein Leben lang brannte und für die er fast die Hälfte seiner über 40jährigen Wirkungszeit als Bischof in der Verbannung lebte: der Kampf gegen den Arianismus.

Kein einfach zu verstehender Streit, viele würden heute sagen, dass wir wirklich andere Probleme haben. Ganz grob: Arius behauptete, dass Jesus schon irgendwie ein Gott ist, aber nicht eines Wesens mit Gottvater. Athanasius aber hielt sich an das Glaubensbekenntnis des Konzils in Nizäa (325): Jesus ist Gott, eines Wesens mit dem Vater, schon immer da. Das heißt, Gott ist da in der Geschichte der Menschen.

Was soll das bringen, diese Klärung, dieser Gedanke? Wenn Gott, Jesus und der Heilige Geist eines Wesens sind, schon immer da, dann ist Gott wirklich Mensch geworden. Dann ist er uns wirklich nah, durchlebte wirklich, was Menschen erleben und erleiden und überwindet so Leid und Tod, weil er sie selbst erlebt und umfasst. Wenn Jesus nur ein irgendwann von Gott geschaffener „Halbgott“ ist, dann bleibt er fern, er bleibt immer einer, der unberührt über der Menschheit schwebt.

Gottes Nähe heilt und erlöst, ein schwebendes Prinzip ist blutleer.

Zwei Männer im Mai

Zwei Männer suchen nach der Wahrheit ihres Lebens und dem, was richtig ist. Der eine träumt und entscheidet. Der andere kämpft und ist unerbittlich entschieden. Es gehört zu den verblüffenden und befreienden Entdeckungen im Leben, im entscheidenden Moment „Josef“ Raum zu geben, wenn sich alles verzweckt und damit halbiert hat und im anderen entscheidenden Moment „Athanasius“, wo ein Rumgeeiere jeden Schritt zur Pirouette werden lässt. Keine Ahnung, welchen der beiden Sie grad brauchen könne

Tobias Gfell

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Zwei Männer im Mai
Impuls 2. Mai 2020, Gfell.docx.pdf
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