Was satt macht

Impuls zum 24. April 2020

Was für eine traumhafte Vorstellung:

an einem schönen Frühlingstag inmitten einer Masse von hunderten, tausenden von Menschen auf einer Wiese sitzen. Einfach so, in Gruppen, eng zusammen, ohne Abstandsregeln, einfach sorglos...

 

Dieses Bild kam mir in den Sinn, als ich Anfang der Woche die Tagestexte für den Freitag dieser Woche angeschaut und die Stelle von der Speisung der 5000 im Johannesevangelium gelesen habe.

Einfach sorglos? Das waren die Menschen am See von Galiläa wohl keineswegs. Sie sind Jesus gefolgt in Scharen, teilweise in Massen, weil sie die Zeichen sahen, die er tat, weil sie gesehen und gehört haben, wie er Kranke heilte. Und weil sich genau das herumgesprochen hatte: da ist einer, der kennt unseren Kummer und unsere Sorgen, der nimmt uns ernst mit unseren Nöten, hat ein offenes Ohr für uns, der ist für uns da. Völlig unorganisiert, spontan, ohne jede Vorbereitung und Plan sind die Menschen plötzlich massenweise da. Ganz schön leichtsinnig. Wie sollen die ganzen Menschen jetzt versorgt werden? Diese Frage stellen die Jünger Jesus.

 

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ Dieser Satz, der bei Johannes zwar fehlt, findet sich in allen anderen Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas. Die 5 Brote und zwei Fische können unmöglich für so viele Menschen reichen. Und doch fangen sie an, teilen aus und geben weiter, was da ist. Was wissenschaftlich nicht zu erklären ist, hat sich tief in den Menschen verankert: Jesus stillt den Hunger der Menschen. Er selbst ist zum Brot der Hoffnung und der Liebe geworden. Das sollen alle Menschen erfahren. Dazu braucht er jeden einzelnen von uns: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

Es lohnt sich, ein paar Minuten bei diesem Gedanken zu bleiben:

„Gebt ihr ihnen zu essen!“

Was können wir einander geben, das uns gut tut?

Was macht uns (auch innerlich) satt, was stärkt uns, was hilft uns zu leben?

Ein paar Minuten bei diesen Gedanken bleiben, eine Kerze anzünden, ein Kreuz und ein Brot auf den Tisch legen, sich möglicherweise sogar zuhause mit jemandem darüber austauschen – das wäre für mich schon die kleinste Form eines Hausgottesdienstes wie ihn sicher auch die ersten Christen gefeiert haben. 2000 Jahre später geht das notfalls auch per Telefon oder Skype – wenn ́s sein muss.

Wie auch immer – bleiben wir verbunden!

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin

Download
Was satt macht
Margarete Hosbach
Impuls 24.04.2020.pdf
Adobe Acrobat Dokument 331.7 KB