Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

Impuls zur Tageslesung am Donnerstag der zweiten Osterwoche(23. April 2020)

Sowohl in der Lesung aus der Apostelgeschichte als auch im Text aus dem Evangelium des Apostels Johannes vom heutigen Tag taucht der Begriff „gehorchen“ auf; im Lesungstext sogar zweimal.

Gehorsam als das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder durch Unterlassen ist für die meisten von uns ein zwiespältiger Begriff.

Es gibt zwar Gebote, die niemand ernsthaft in Zweifel zieht. Wenn eine Verkehrsampel auf Rot steht, wird wohl kaum jemand, der bei klarem Verstand ist, einfach weiterfahren. Auch die behördlichen Vorschriften der Corona-Verordnungen, z.B. zum Versammlungs- und Kontaktverbot, werden von den meisten Menschen aus Solidarität befolgt, auch wenn die Sinnhaftigkeit nicht bei jeder einzelnen Vorschrift unmittelbar ersichtlich ist.

Allerdings gibt es durchaus auch Vorbehalte, wenn Gehorsam eingefordert wird. Die einen stoßen sich daran, dass mit der Forderung nach Gehorsam Macht über sie ausgeübt wird, die ihren Freiheitsdrang einschränkt. Anderen missfällt, dass der Gehorsam auch immer mit einem Sacrificium intellectus, einem Opfer des Verstandes, also mit einem zwangsweisen Verzicht auf eigenes Denken und Beurteilen verbunden ist. So manch eine der „verbindlichen Anweisungen“, die gerade in hierarchischen Organisationen in großer Zahl erlassen werden, stellt eine beträchtliche Herausforderung dar für diejenigen, die den Philosophen Immanuel Kant ernst nehmen und wagen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.

 

Diese Vorbehalte sollen uns allerdings nicht dazu veranlassen, den Gehorsam gegenüber Gott ähnlich kritisch zu sehen und mit den gleichen Maßstäben zu beurteilen. Der Satz, den Petrus und die Apostel dem Hohenpriester entgegnen „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ zeigt, dass es da einen bedeutenden Unterschied gibt zwischen dem Gehorsam gegenüber den Menschen und dem Gehorsam gegenüber Gott.

Das Verbot des Hohen Rates an die Apostel, Jesus Christus als den auferstandenen Sohn Gottes zu bezeugen, könnte ja der öffentlichen Ordnung dienen und daher vernünftig sein, denn schließlich hatte das Auftreten der Apostel ja für größere Aufregung gesorgt. Tatsächlich ist aber die Eifersucht der Hohenpriester die Ursache für diese Anordnung (vgl. Apg 5,5). Gehorsam gegenüber solchen Vorschriften stellt sich nicht von selbst ein, sondern muss durch Sanktionen erzwungen werden.

 

Ganz anders verhält es sich mit dem Gehorsam gegenüber Gott. Wenn der Apostel Johannes schreibt, dass der Zorn Gottes auf dem bleibt, der dem Sohn nicht gehorcht, dann ist dies nicht als eine Strafe zu verstehen. Im „Zorn Gottes“ wird vielmehr deutlich, dass ihm das Verhalten der Menschen nicht gleichgültig ist, sondern dass er will, dass sich die Menschen für ihn und für das Leben entscheiden. Wer Gott gehorcht, wird belohnt mit dem Heiligen Geist, den Gott nach dem Zeugnis der Apostel allen verliehen hat, die ihm gehorchen (Apg 5,32). Gehorsam gegenüber Gott ist also nicht mit einem Opfer, sondern mit dem Geschenk des Heiligen Geistes verbunden.

 

Was dieser Geist Gottes bewirken kann, zeigt uns der Heilige Georg, dessen Gedenktag sowohl die römische als auch die meisten orthodoxen Kirchen heute feiern. Es ist ganz egal, ob der Heilige Georg wirklich gelebt hat oder „nur“ eine Sagegestalt ist: Er ist ein Sinnbild dafür, dass das Böse bezwingen kann, wer im Geiste Gottes ist. Bitten wir also Gott immer wieder darum, dass er uns seinen Heiligen Geist verleiht.

St. Georg; Murnau, Obermarkt © Stephan Rist
St. Georg; Murnau, Obermarkt © Stephan Rist

Stephan Rist,
Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de

Telefon 07231 46 8556

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