Seid ihr Zeugen dafür!

Impuls zum Evangelium am Donnerstag der Osteroktav (16. April 2020)

Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube (1 Kor 15,14). Mit diesem Satz betont der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, wie zentral die Frage der Auferstehung für den Glauben an die Botschaft Jesu Christi ist. Dass er sich mit der Frage der Auferstehung der Toten im Allgemeinen und mit der Auferstehung Christi im Besonderen auseinandersetzen musste zeigt, dass der Zweifel daran keinesfalls ein Phänomen der Neuzeit ist.

 

Dieser Zweifel hat - damals wie heute – seine Ursache möglichweise in dem Unvermögen sich vorzustellen, was man sich unter der Auferstehung von den Toten konkret vorzustellen hat. Der Evangelist Lukas gibt sich deshalb viel Mühe, dies anschaulich zu machen. Damit sich seine Leser nicht dumm und unwissend vorkommen müssen, stellt er in dem Evangelientext des heutigen Tages die Apostel als ziemlich begriffsstutzig dar.

 

Obwohl sie schon von den aus Emmaus zurückgekehrten Jüngern gehört hatten, dass Jesus Christus ihnen erschienen war und lebt, hatten die Apostel große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen als Jesus Christus in ihrer Mitte erschien.

 

Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die ihnen den Glauben an die Auferstehung verstellt. Jesus nimmt ihnen diese Angst, indem er ihnen die Wundmale an seinen Händen und Füßen zeigt. Die Aufforderung, ihn zu berühren und der Hinweis auf Fleisch und Knochen bedeutet aber nicht, dass Jesus nun in seinen irdischen Leib und in seine zeitliche Existenz zurückgekehrt wäre. Seine Leiblichkeit ist nicht materiell zu verstehen, sondern dass er als dasselbe Individuum erkennbar ist, das er in seinem irdischen Leben war. Die Apostel sollen erkennen: Hier hat keine Seelenwanderung stattgefunden; er, der in ihrer Mitte steht, ist kein untoter, seelenloser Zombie, sondern ein und derselbe, mit dem sie den Weg von Galiläa nach Jerusalem gegangen sind und der ihnen auf vielfältige Weise gezeigt hatte, dass er der Sohn Gottes ist.

 

Die Angst der Jünger verfliegt und Freude stellt sich ein, aber es bleiben Zweifel. Es braucht noch ein weiteres Zeichen, damit die Apostel glauben können. Dieses Zeichen ist der gebratene Fisch, den Jesus vor ihren Augen isst.

 

Warum nun aber gerade einen gebratenen Fisch?

 

Mit den Jüngern in Emmaus teilt Jesus das Brot; bei den Aposteln isst er einen Fisch. Brot und Fisch verweisen auf die Speisung der Fünftausend bei Betsaida. Bei diesem Mahl in der Menge ist es nicht nur um das Sattwerden gegangen, sondern um die Mahlgemeinschaft, die dabei entstanden ist. So ist auch das Essen des gebratenen Fisches ein Zeichen, das nichts mit der irdischen Leiblichkeit zu tun hat, sondern auf die Gemeinschaft Jesu Christi mit allen, die an ihn glauben über alle Zeiten hinaus verweist.

 

Die Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch ICHTHYS werden seit urchristlicher Zeit als Abkürzung für Iesous CHristos THeou Yios Soter, das heißt auf Deutsch Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter, interpretiert. Lukas erzählt die Geschichte Jesu sehr lebendig und bildreich. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass er bei der Begegnung des Auferstandenen mit den Aposteln den Fisch auch deshalb erwähnt, weil er sein Evangelium mit einer Art kurzgefasstem Glaubensbekenntnis abschließen wollte.

 

Jesus fordert die Apostel auf, seine Botschaft allen Völkern zu verkünden. Sein „Seid ihr Zeugen dafür!“ gilt auch uns. Einen lebendigen Glauben zu bezeugen, das kann uns nur gelingen, wenn wir in Jesus Christus den Auferstandenen erkennen, der über die Zeiten hinweg gegenwärtig ist und die Gemeinschaft mit uns sucht.

 

Stephan Rist,

Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de

Telefon 07231 46 8556

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Impuls am 16.04.20.
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