IMPULS ZUR TAGESLESUNG

AM DONNERSTAG DER FÜNFTEN WOCHE IN DER FASTENZEIT IM LESEJAHR A II

Der Bund Gottes mit seinem Volk einst und heute

Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation. Das ist die einzige Verpflichtung, die Abraham eingeht, indem er sich auf den Bund mit Gott einlässt. Gott verspricht ihm, dass er Stammvater einer Menge von Völkern werden wird, dass Könige von ihm abstammen werden und dass er ihm und seinen Nachkommen das ganze Land Kánaan zu eigen geben wird. Alles, was Abraham da- für tun soll, ist Gott als den einzigen Gott anzuerkennen, ihm zu vertrauen und seinen Willen zu tun. Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerech- net, so erklärt uns das der Apostel Paulus.

Dieses Versprechen gilt nicht nur Abraham. Im Psalm 105 lesen wir Ewig denkt er an seinen Bund, an das Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter. Deshalb dürfen auch wir uns angesprochen fühlen, obwohl wir in einer ganz anderen Zeit leben.

Was es bedeutet, den Bund Gottes zu halten, das hören wir in jeder Eucharistiefeier und wir erfahren es in ganz besonderer Weise jedes Jahr am Gründonnerstag. Wenn Jesus zu uns spricht Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! und Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!, dann wird damit deutlich, dass Gottes Bund mit Abraham voll- endet worden ist in dem Neuen Bund, den Jesus Christus mit uns geschlossen hat. Er gibt sein Leben stellvertretend für uns hin und alles, was wir tun sollen, ist uns dessen zu vergewissern, indem wir immer wieder die Eucharistie zu seinem Ge- dächtnis feiern. Das ist ein Kernsatz unseres Glaubens und eine bleibende Verpflichtung für uns!

 

 

Der Neue Bund in den Zeiten der Corona-Pandemie

 

In den Nachrichten hören wir immer wieder, dass die Reduzierung der sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß der entscheidende Faktor zur Beherrschung der Corona- Pandemie sei. Nachdem Appelle nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, hat die Landesregierung mit der Corona-Verordnung zu restriktiven Maßnahmen gegriffen. Seit dem 28. März ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum in einer Gruppe von mehr als zwei Personen verboten, ebenso nichtöffentliche Versammlungen von mehr als fünf Personen. Veranstaltungen und sonstige Ansammlungen in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften sind grundsätzlich untersagt.

Das führt uns zwangsläufig zu der Frage, wie wir unter diesen restriktiven Bedingungen noch die Eucharistie feiern können.

Noch vor etwa achtzig Jahren wäre das kein nennenswertes Problem gewesen. Im Handbuch der katholischen Liturgik von 1941 ist zu lesen „Die katholische Liturgie ist der äußere, öffentliche Kult, der in seiner Grundlage von Christus gegeben, in den Einzelheiten seiner Ausführung von der Kirche geregelt ist. ... Zum gültigen Vollzug desselben genügt der Priester allein, ohne dass die Anwesenheit der Gläubigen hierzu erfordert wäre“.

Nachdem das Zweite Vatikanische Konzil festgestellt hat, dass die Feier des Gottes- dienstes auf die gemeinschaftliche Feier mit Beteiligung und tätiger Teilnahme der Gläubigen angelegt sei, wird das in der Weise heute wohl kaum noch jemand ernsthaft vertreten. Zwar ist die sogenannte Missa solitaria, d.h. eine Messe, bei der der Priester ganz alleine feiert, kirchenrechtlich immer noch zulässig, wenn ein „gerechter und vernünftiger Grund“ vorliegt. Wirklich notwendig ist sie aber nicht, denn so restriktiv ist selbst die Corona-Verordnung nicht.

Was spricht also dagegen, eine nichtöffentliche Gemeindemesse unter Beachtung der staatlichen Auflagen, also mit einem Priester und vier Gemeindemitgliedern zu feiern?

Das hätte zwar nichts mit den zurecht in Verruf geratenen Winkelmessen zu tun. Nicht wenigen ist diese zwar in der Zahl der Teilnehmer, nicht aber in ihrem Wesens- gehalt als eine gemeinschaftliche Feier reduzierte Form der Gemeindemesse trotz- dem suspekt. Zu sehr priesterzentriert, zu elitär, so lauten die Vorwürfe.

Für mich sind diese Argumente nicht überzeugend. Es ist natürlich schon etwas anderes, einen Gottesdienst zu feiern, bei dem die Kirche offen ist und alle eingeladen sind. Aber wir dürfen eben auch nicht vergessen, dass das Mitfeiern eines Gottesdienstes immer auch stellvertretendes Handeln ist. Jesus Christus, der in der Mitte unseres Gottesdienstes steht, ist uns da ein Vorbild: Er ist am Karfreitag nicht für sich selbst oder für Gott, den Vater gestorben, sondern stellvertretend für uns.

Weil wir auch stellvertretend feiern, deshalb beten wir ja im Hochgebet auch für diejenigen, die nicht anwesend sind: Für den Papst, für die Bischöfe, für die, die noch fern sind von Gott und für die Verstorbenen. Wenn man bedenkt, dass auch ohne Corona-Pandemie in der Erzdiözese Freiburg weniger als 8% der Katholiken regel- mäßig zum Gottesdienst gehen, dann wird deutlich, welche Bedeutung der Aspekt der Stellvertretung bei der Feier der Eucharistie hat.

Wege zur geistlichen Kommunion

Wenn nun aber aufgrund der behördlichen Auflagen die Eucharistie feiernde „Kern- gemeinde“ nur fünf Personen umfassen darf, wie können dann die übrigen Gläubigen daran teilnehmen? Fernsehgottesdienste und Livestreams im Internet scheinen derzeit das Mittel der Wahl zu sein. Gerade der aus der örtlichen Kirche übertragene Gottesdienst erzeugt ein Gefühl der Verbundenheit und des „Dabeiseins“. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, dass ein immenser Aufwand damit verbunden ist und dass bei fehlender Routine das Ergebnis in technischer und leider manchmal auch in inhaltlicher Hinsicht enttäuscht. Ich befürchte außerdem, dass sich durch solche Übertragungen ein Phänomen verstärkt, das auch bei „Präsenzgottesdiensten“ zu bemerken ist, nämlich eine passiv-konsumierende, distanzierte Haltung der Gottesdienstteilnehmer anstelle einer tätigen Teilnahme.

 

Was also ist erforderlich?

 

Auch wenn sie selbst nicht persönlich teilnehmen können, müssen die Gläubigen wissen, wann Gottesdienste stattfinden, damit sie zuhause mitfeiern und sich in einer geistlichen Gemeinschaft verbinden können. Deshalb müssen diese Informationen durch die Medien und den Gemeindebrief verbreitet werden. Die Gläubigen müssen sich darauf verlassen können, dass tatsächlich eine Messe gefeiert wird, wenn die Glocken läuten.

Weil den Menschen heute vielleicht nicht mehr so sehr bewusst ist, dass durch einen Gottesdienst eine den Raum und die Zeit und damit auch die Kirchenmauern überwindende Einheit der Feiernden entstehen kann, müssten sie durch den Gemeindebrief und sonstige Medien in geeigneter Weise auf die geistliche Kommunion hingewiesen werden.

Schließlich sind Materialien zur Mitfeier in der häuslichen Gemeinschaft hilfreich. So hat zum Beispiel das Katholische Bibelwerk auf seiner Website Lesungen für die Zeit in der Corona-Krise zum Downloaden bereitgestellt. Mit der Methode der geistlichen Bibellesung wird es so möglich, die Texte der Sonntagslesung zu erschließen und sich so mit vielen anderen Christinnen und Christen in Schriftmeditation und Gebet zu verbinden.

Bitten wir Gott, unseren Vater, dass er auch in diesen schwierigen Zeiten unsere Gemeinschaft als Glaubende erhält und dass wir mit seinem Sohn Jesus Christus und untereinander durch das Sakrament der Eucharistie verbunden bleiben.

Stephan Rist, Ständiger Diakon in der Seelsorgeeinheit Pforzheim

stephan.rist@gmx.de

Telefon 07231 46 8556

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Impuls -02.04.2020
Stephan Rist
Wie können wir Gottesdienst feiern in d
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