Höher als bis zum Himmel

Seit Jahrzehnten sind die Frühschichten in der Fastenzeit in Liebfrauen eine gute Tradition. Ein Impuls, ein guter Gedanke für den Tag. Jetzt geht das plötzlich nicht mehr. Eine Geschichte habe ich jedoch noch in Erinnerung, die für die momentane Situation gut passt:

Sie erzählt von einem Rabbi, der angeblich jeden Morgen vor dem Frühgebet – zum Himmel aufsteige. Dafür erntete er bei seinen Gegnern Hohn und Spott und einer legte sich auf die Lauer. Er beobachtete, wie der Rabbi sein Haus Richtung Wald verließ.

Der Gegner folgte ihm in sicherem Abstand. Der Rabbi tat nichts anderes als Holz hacken. Das schleppte er zur Hütte einer schwachen alten Frau. Dort kniete er vor dem Ofen und machte für die Betagte Frau Feuer an.

Später unterhielten sie sich im Dort über den Rabbi. Die Leute wollten wissen, was es denn nun mit diesem Gerücht auf sich habe. Und der Mann, der ihm argwöhnisch gefolgt war, sagte voller Bewunderung: „Er steigt nicht nur zum Himmel, er steigt noch höher als bis zum Himmel!“

 

Ein Rabbi, der losgeht und ohne Aufhebens einer kranken, alten Frau hilft, Feuer macht, Äußere und innere Wärme weitergibt. In diesen Tagen der Coronakrise fallen mir da sofort die Bilder ein, wie Menschen sich um andere kümmern, weil sie zur gefährdeten Personengruppe gehören oder weil sie in Quarantäne sind. Bilder von Ärzte*nnen und Pfleger*innen, von den unzähligen Menschen im Einzelhandel, die unsere Versorgung gewährleisten, von den stillen Helferinnen und Helfern, die einfach durch einen Telefonanruf zeigen: wir bleiben verbunden, wir denken aneinander, du bist nicht allein. Ihnen allen gehört unsere Anerkennung und unser aufrichtigster Dank. Sie alle steigen „viel höher als bis zum Himmel“, weil sie durch ihr Tun ein Stück Himmel auf unsere kranke Erde holen.

Das alles macht mir in dieser schweren Zeit Mut, genauso wie auch ein Wort aus Psalm 34, das ich in den Texten zum heutigen Tag gelesen habe:

„Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind. (...)

Er behütet all seine Glieder,

nicht eines von ihnen wird zerbrechen.“

In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet!

Und wenn Sie in irgendeiner Form Hilfe brauchen, scheuen Sie sich nicht, sich an unsere Pfarrbüros zu wenden.

In herzlicher Verbundenheit

Margarete Hosbach, Gemeindereferentin

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Margarete Hosbach
Impuls 27.3.2020.pdf
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