„So kann es nicht weitergehen - Ideen für eine Kirche der Zukunft“ (09.02.2019)

Dem katholischen Dekanat, dem Bildungszentrum Pforzheim und der Kreis-AG der Bildungswerke war es gelungen Pfarrer Thomas Frings als Referenten für einen Studienhalbtag zu gewinnen. Mehr als 100 Menschen kamen ins Gemeindezentrum St. Antonius um den Priester zu erleben, der im Frühjahr 2016 sein Amt als Gemeindepfarrer im Bistum Münster niedergelegt hatte und für ein Jahr ins Kloster ging; das Echo damals war gewaltig! Diesen Schritt erklärte er so: „Ich habe den Glauben daran verloren, dass der Weg, auf dem ich als Gemeindepfarrer mit Freude und Engagement gegangen bin, ein zukunftsweisender ist. Ich erlebe einen ununterbrochenen Rückzug. … Was ich nicht verloren habe, ist der Glaube daran, dass es ein christliches Programm für unsere Gesellschaft gibt, für das es sich zu leben lohnt.“

Man spürt, da ist jemand, der nicht aus Trotz oder Angst, sondern aus tiefer Liebe zur Kirche eine solch‘ radikale Entscheidung getroffen hat. Wie in seinem Buch „Aus, Amen, Ende? – So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ verdeutlicht Frings seine Beweggründe, benennt offen und ungeschönt Missstände in der allgemeinen Glaubenspraxis sowie in den amtlichen Kirchenstrukturen – begleitet von sehr persönlichen Einblicken in sein Seelenleben als Pfarrer. Zugleich belässt er es nicht bei teils provokanten Kritiken, sondern liefert gleichzeitig am Ende interessante Lösungsansätze für eine alternative Gemeindestruktur, die gerade in Zeiten von Gemeindefusionen und Glaubensräumen neue Perspektiven bieten kann: „Der Weg der Entscheidungsgemeinde ist keine pastorale Kapitulation und nur etwas für Glaubenslahme. Es ist der Weg, den Jesus selbst gegangen ist und vorgezeichnet hat.“ Kirche muss wieder mehr Kirche sein, wenn sie überleben will!

In einem zweiten Teil beantwortete er die ihm gestellten Fragen und nahm Stellung zu jedem Beitrag von Seiten der Teilnehmer/innen und scheute sich dabei auch nicht, auf charmante Art klarzulegen, warum er eine Ansicht für falsch hält.

Während Ullrich Glatthaar, Leiter des katholischen Bildungszentrums Pforzheim, die Teilnehmer/innen durch Impulsfragen zu Beginn des Tages in ‚Murmelgruppen’ miteinander bekannt gemacht hatte, bedankte sich Dekanatsreferent Tobias Gfell bei den Besucher/innen für ihr Interesse und ihr Engagement und beim Referenten mit Pforzheim-typischen Geschenken, einem ‚Goldbarren’ und einem ‚Reuchlinbüchlein’.

Text und Bilder: Karl-Heinz Renner