Reimpredigt am 6. So.i.J. (Lj. B) – Fastnachtssonntag 2015; Mk 1,40-45  -  © Pfr. Dr. Johannes Mette, Pforzheim  © Pfr. Dr. Johannes Mette, Pforzheim

Liebe Gemeinde,

 

zu Jesus kommt ein Mann voll Leid und Pein:

„Oh Herr, ich bitte, mach du mich rein!

Mein Leben, das ist am Boden zerstört,   

Freude, Gemeinschaft – das ist mir verwehrt.

Die Hautkrankheit, da muss ich schon leiden,

doch schlimmer noch ist, dass alle mich meiden!

Du bist der Messias, der Retter, ja du bist der Herr,

mich jetzt zu heilen, ist für dich doch nicht schwer!“

 

Damals herrschte das Gesetz nach Levitikus:

‚Menschen mit Aussatz man aussetzen muss!

Die sind sicher selbst schuld an ihrer Misere,

dass die krank sind, das sei euch ‘ne Lehre.

Schlimme Sünder sind sie, das weiß jeder im Land,

drum schiebt sie weit weg, ganz an den Rand,

„unrein, unrein“ sollen sie schreien, möglichst laut,

damit sich bloß keiner in ihre Nähe traut.‘

 

Jesus denkt nicht in solch einem Schema,

diesem Mann schnell zu helfen, das ist doch kein Thema!

Jesus gibt ihm die Hand: „Welch ein Skandal!

Da wird er selbst unrein und ein Krankheitsfall!“ –

Doch solche Stimmen schweigen, denn keiner ist da,

nur der Kranke und Jesus sagt zu ihm deutlich: „Ja!

Ich will, dass du rein wirst, drum: Werde gesund!

Geh, zeig dich dem Priester, aber halte den Mund.“ 

 

Das mit dem Schweigen hat nicht funktioniert,

der Geheilte hat die ganze Region informiert!  

Wer will’s ihm verdenken, der war happy, absolut,

wieder normal zu leben, das tut einfach gut.

Nun könnten wir sagen: ‚Alles schön und recht!

Die Zeiten damals waren hart und schlecht.

In Deutschland, bei uns, gibt es so etwas nicht.

Hier ist alles in Ordnung, wir leben im Licht.  

 

Am besten, wir vergessen diese biblische Mär,

die frommen Sachen sind sowieso viel zu schwer…‘  

Doch halt! So einfach dürfen wir es uns nicht machen,

gibt‘s nicht auch bei uns heute solche Sachen?

Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule,

„Da ist der Fette und da ist die Coole…“

Ausgrenzung und Aussatz, das gibt es auch heute,

wir brauchen nicht lange suchen, ihr lieben Leute!

 

In Ländern, in denen der Halbmond regiert,

werden Christen oft regelrecht schikaniert.

In anderen Staaten, in totalitären,

da dürfen Sie sich niemals beschweren,

wieder woanders ist die Hautfarbe das Problem,

da können Schwarze nicht vor die Türe geh‘n,

oder Thema Geld: Fehlt es vielleicht am Netto?

Schwupp, schon leben Sie im Ghetto!  

 

Deutschland – das ist auch nicht nur heile Welt;

Toleranz nicht immer zu unseren Stärken zählt; 

Da engagiert sich einer für den Schutz des Lebens,

auf politische Hilfe wartet er oft vergebens.  

Oder: Wenn Sie ‘ne Wohnung suchen mit Kindern,

tut das Ihre Chancen mindern!  

„Eine Katze? Kein Problem! Kinder? Danke, nein. 

Bei uns im Haus soll es ruhig und sauber sein…“

 

Auch im berühmten deutschen Straßenverkehr

Gilt oft die Regel: „Ich bin nicht irgendwer!“

Hilfsbereitschaft kommt zusehends außer Mode,

wie neulich zwischen Magdeburg und Osterode.

Verletzte lagen stöhnend auf dem Straßenasphalt,

die folgenden Autos ließ das eher kalt,

sie kurvten um die Körper und fuhren schnell weiter,

bei uns in Deutschland – wie geht das nur weiter?

 

Sehr viele denken nur an die eigene Karriere,

Mitmenschlichkeit wird da oft zur Barriere.

Fliehenden Familien zu helfen aus anderen Ländern,

das kann uns doch nur zum Positiven verändern!

Nur die Heiden haben eine Heiden-Angst,

vor Fremden und Armen – du dir an den Kopf nur langst:

Flüchtlinge, die nur das haben, was sie am Leibe tragen,

die sollen gefährlich sein, kann man das ernsthaft sagen?

 

Jesus hilft ohne Bedenken, er hat keine Scheu,

er berührt Kranke;  Ausgestoßene aktiviert er neu,

Jesus war alles andere als „politisch korrekt“,

er ist mehr als einmal kräftig angeeckt,

Jesus dachte nicht zuerst an Spaß, Action und Fun, 

er kämpfte vor allem gegen Ausgrenzung an;

Papst Franziskus betont das, etwa auf Lampedusa, 

wer hilft, der ist gut, und Egoisten sind Looser!

 

Vor fünfzehn Krankheiten möge Gott uns heilen!

So tat er es den Kardinälen persönlich mitteilen.

Geschwätz und Getratsche, das ist dem Papst fern,

Schleimen beim Chef, das hat er auch nicht gern.

Gott vergessen ist Alzheimer, und zwar spirituell,

gleichgültig sein, passiert wohl auch sehr schnell,

auch Trauermine, Gier, Macht und Geiz er benennt,

unser Papst seine Pappenheimer wohl recht gut kennt!

 

Zurück aber zu Jesus: seine Botschaft ist Dynamit,

Sei den Armen nahe, bleibe sozial immer fit,

Geh auf Menschen zu, sei herzlich und offen,

hab immer Mut und hör nie auf zu hoffen,

dann wird dein und der anderen Leben zur Oase,

dann ist Glück nicht nur eine kurze Phase!  

Eines sage ich jetzt noch, das ist doch klar:

Amen. Und: Halleluja!

 

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