Reimpredigt am 5. So. i. J. (Lj. C, Fastnachtssonntag 2016):  Lk 5,1-11    © Pfr. Dr. Johannes Mette, Pforzheim 

Liebe Mitfeiernde,

eine Frau aus der Gemeinde hat mich neulich gefragt:

‚Wird die Predigt an Fasching wieder in Reimen gesagt?‘

JA! – Aber was sie noch sagte, das ließ mich stutzen:

‚Gell, Sie tun für die Reimpredigt eine Vorlage benutzen?‘

Da klärte ich sie auf und sagte: ‚Gute Frau,

ich habe es nicht so mit Text- und mit Datenklau,

meine Predigten, und ich mach‘ jetzt keine Faxen,

die sind auf meinem eigenen Mist gewachsen.‘ 

Zum Thema: Wie bei jeder Predigt geht’s um den Glauben.

Darf ich mir da zu Beginn mal eine Frage erlauben?

Welche Bedeutung hat der Glaube denn für euer Leben,

Was könnt ihr Gott und was kann Er euch geben?

Das heutige Evangelium zeigt uns – symbolisch ganz toll – ein Boot auf dem See, mit vielen Fischen, knallvoll

Das kann der christliche Glaube bewirken, in der Tat:

Leben in Fülle, dass man mehr als genug hat.   

 

Denn wer an Gott glaubt, betet und Gutes anstellt,

wer in die Kirche geht und sich engagiert für die Welt,

der hat ein Fundament, das ihn trägt, auch in der Krise,

für den ist der Heilige Geist die lebendige Brise,

der hat Freude und keinen Grund zu ‘ner langen Visage,

dessen Schatz ist in der Seele, nicht in der Garage. 

Der wirft sich nicht nieder vor Götzen und betet sie an,

der glaubt an Gott selbst, der das Leben verwandeln kann.

 

Simon, Jakobus und Johannes haben es selbst erfahren,

als sie zum Fischen auf dem See Gennesareth waren.  

Sie waren Profis, Berufsfischer, arbeiteten gern bei Nacht,

denn da haben sie meist den besten Fang gemacht,

Doch dieses Mal kam es anders: In der Nacht war es leer,

am Morgen kam ein gewisser Jesus auf einmal daher,

und will sie nochmal auf den See hinausschicken:

‚Wenn der wüsste, keine Chance, das kannst du knicken. 

 

Die Fische, die schwimmen halt nicht oben bei Tage,

der Mann hat null Ahnung vom Fischen, keine Frage‘;

und trotzdem – und das ist wichtig – lichten sie die Anker,

werfen die Netze im See aus von ihrem kleinen Tanker.

Die Kähne drohten zu sinken und die Netze zu reißen,

unendlich viele Fische wollten plötzlich anbeißen,

Mit Ach und Krach erreichten sie den rettenden Strand, 

sie waren überglücklich – und Jesus war jetzt bekannt!

 

‚Das Boot ist voll, es reicht, wir lassen niemand an Land!‘ – Diese Meldung ist uns allen irgendwie sehr bekannt!

Doch nicht um Fische geht es da, sondern um echte Leute, 
Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, auch jetzt, auch heute,

durchlitten haben viele von ihnen Krieg, Leid, Torturen,

bevor sie in Bussen oder auf Booten aus dem Elend fuhren.

Üble Schlepper packen zu viele in Schlauchboote rein,

kassieren viel Geld und lassen die Menschen allein.

 

Auch wer nicht übers Meer, sondern landwärts marschiert,

hat vieles zurückgelassen und noch mehr riskiert:

Familien sind getrennt und auseinandergerissen,

die Rückkehr in die Heimat bleibt im Ungewissen,

das Studium abgebrochen, der Besitz rasch verschenkt,

wer solche Situationen mal ehrlich bedenkt,

darf nicht nur das Negative sehen, das da existiert, 

weil Not leider auch böse Burschen kreiert.

 

Viele in einem Boot – das gilt auch für unsern Kontinent,

die Europäische Union sich als „Gemeinschaft“ bekennt.

Doch scheinbar nur, wenn es drum geht, was zu kassieren,

dann zeigen manche Länder auch ihre guten Manieren.

Wenn Hilfe angesagt ist, Solidarität, gerade jetzt in der Not,

sehen manche Staaten von vornherein rot,

was nützt eine „christliche“ Regierung im Nachbarland,

die niemand aufnimmt – keinen einzigen Asylant!

 

Die Jünger im Evangelium waren von Jesus fasziniert,

nicht nur wegen des Fischfangs haben sie tief gespürt:

Wenn wir Jesus folgen, können wir aus der Fülle leben,

sind selbst glücklich und können auch anderen geben,

ja, das ist das Geheimnis im christlichen Glauben:

Wer gibt, bekommt mehr, statt sich zu berauben!

Wenn wir Gott vertrauen, werden wir reichlich ernten,

egal ob in Israel, Baden-Württemberg oder Kärnten.

 

Die Botschaft der Bibel ist aktuell und nicht von gestern,

das Leben mit Gott – spannender als ein Western!

Darum verrate ich euch nun drei Wege zum Glück,

wer diese Wege beschreitet, der will nicht mehr zurück:

Der erste Weg heißt Vertrauen, so wie wir’s hörten;

die drei Jünger sich über Jesu Bitte nicht beschwerten.

Wenn wir Gottes Gebot trotz aller Fragen erfüllen,

dann wächst die Liebe in uns, sie wächst im Stillen.

 

Der zweite Weg trägt den Namen Barmherzigkeit,

wer barmherzig lebt, dessen Herz ist groß und weit.

Verständnis zeigen, Rücksicht nehmen, nicht verurteilen,

mit solch einfachen Mitteln können wir andere heilen!

Der dritte Weg schließlich, wir nennen ihn Treue,

das ist mehr wie Heimatliebe oder Bauernschläue,

Treue heißt: ich trau Gott, meinen Lieben und mir was zu,

wer treu bleibt, nur der lebt wirklich, das ist der Clou!

 

Die Exegeten stellten schon manchmal folgende Frage:

Welche Fische förderten die Jünger damals zutage? 

War es Barsch, Hecht oder nur Hering – ganz klein,

Wels, Forelle, Kabeljau oder Lachs – sehr fein,  

kam ein Kretzer- oder Zanderfilet damals auf den Teller,

oder Petrusfisch oder gar ein Aal, ein ganz schneller?

Wäre nicht die Antwort darauf für uns von Interesse,

bevor wir wieder heimgehen aus dieser Heiligen Messe?

 

Doch die drei Wege, Vertrauen, Barmherzigkeit, Treue,

die zeigen uns auch hier aufs Neue,

dass nicht die materiellen Dinge entscheiden,

denn die wären wichtig ja auch für die Heiden,  

nein, innere Werte, christliche Tugenden sind wichtig,

wenn wir danach streben, dann liegen wir richtig!

Aus der Tiefe leben ist wirklich des Glückes Samen,

darauf geb‘ ich mein Wort und sag euch jetzt: Amen! 

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