Zentraler Gottesdienst in der evangelisch-methodistischen Erlöserkirche zur Eröffnung der Ökumenischen Friedensdekade 2015 für Baden-Württemberg (07.11. 2015)

Das erste Bild zeigt die Geistlichen, die beim Gottesdienst mitwirkten: (von links) Pfarrer Dr. Johannes Mette (Pastoraler Raum Pforzheim-West – die katholischen Gemeinden St. Antonius und St. Bernhard mit Heilige Familie, Keltern), Pfarrer Hartmut Friedrich (evangelische Matthäusgemeinde, Arlinger); Pfarrer Andreas Schwarz (evangelisch-lutherische Gemeinde), PD Pfarrer Dr. Albrecht Haizmann, (Geschäftsführer der ACK - Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen - in Baden-Württemberg) und Pastorin Elisabeth Kodweiß (evangelisch-methodistische Gemeinde).

Nach der Begrüßung durch Frau Kodweiß, wechselten sich Gebete und Lieder ab und die Theatergruppe der evangelischen Jugendkirche „mylight“ stellte Flüchtlingsschicksale unserer Tage in einer Reihe von Szenen vor. „Wer Mauern baut, zäumt auch sich selbst ein“ war ihre wesentliche Botschaft. Es folgten eine Lesung aus dem Buch Jona und die Lesung vom barmherzigen Samariter aus dem Lukas-Evangelium. Das Lied „Komm Gott mit deiner Gnade, in gnadenloser Zeit. Und zeig uns Wege, Pfade zu neuer Menschlichkeit“ leitete über zur Predigt. Ihr Thema war zugleich Thema des Gottesdienstes: „GRENZERFAHRUNG“. Pfarrer Dr. Mette begann seine Überlegungen mit der Aufzählung von Begriffen, die mit dem Wort Grenze zusammengesetzt sind, wie Grenzzäune, Grenzkontrollen, Belastungsgrenzen, EU-Außengrenzen. Dann zeigte er, dass in der Heiligen Schrift immer konkrete Menschen eine Rolle spielen, die eine Herkunft und einen Namen haben: z.B. Abraham aus Ur in Chaldäa, die Mohabiterin Ruth, Paulus von Tarsus und Jesus von Nazareth. Im Anspiel hatten die Gefragten ihren Namen und ihr Herkunftsland genannt, was aber die Fragenden kaum interessierte, denn für sie steckten die Flüchtlinge bereits in ganz bestimmten Schubladen. Pfarrer Mette erzählte dann von Besuchen, die er in den letzten Tagen bei Flüchtlingen gemacht hatte: eine Familie stammt aus Bagdad - an den Zimmerwänden hängen Bilder ihrer Eltern, die bei Bombenangriffen ums Leben gekommen sind; eine zweite Familie hat ihre Wurzeln in Aleppo - ein Partner ist katholisch, der andere griechisch-orthodox; eine dritte Familie kommt aus einem Dorf in der Nähe von Mossul - sie steht mit anderen Mitgliedern der großen Familie im Nahen Osten über das Smartphone in Verbindung - bemerkenswert ist die Hoffnung dieser Menschen: Gott ist die Rettung, das Gebet trägt uns! Interessant in diesem Zusammenhang sind die Berichte der Flüchtlinge, dass das Einzige, was sie noch haben, ihr Glaube ist, denn den konnte man ihnen nicht nehmen! Jona aus Ninive vertraut auf Gott und betet im Bauch des Fisches. Er wird nach drei Tagen und drei Nächten (Hinweis auf Tod und Auferstehung Jesu Christi) wieder an Land ausgespien. Während Priester und Leviten versagen, macht es der ungeliebte Fremde, der Samariter richtig: er investiert alles. Jesus sagt zu dem Schriftgelehrten: Handle genau so und du wirst leben! Jeder Mensch muss sich fragen, wo er helfen kann, denn es ist wichtig zu helfen, auch wenn Fehler gemacht werden. Wir dürfen die große Vision des Friedens nicht aus den Augen verlieren. So gibt auch Patriarch Gregorius III, der im Sommer in Pforzheim war, seine Hoffnung nicht auf, dass Christen und Muslime eines Tages wieder in Frieden zusammenleben werden, wie es Jahrhunderte hindurch möglich war. Mit dem Text von der Visitenkarte Mutter Theresas - der Basis ihres Glaubens - schloss Pfarrer Mette seine Predigt: „Die Frucht der Stille ist das Gebet. Die Frucht des Gebetes ist der Glaube. Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist das Dienen. Die Frucht des Dienens ist der Friede.“ Mitglieder der verschiedenen Gemeinden beteten die Kyrie-Rufe, die Fürbitten und trugen die Lesungen vor. Während Pfarrer Friedrich die Gebetsteile vor der Predigt leitete, führte Pfarrer Schwarz zu den Fürbitten und lud zum gemeinsamen Gebet des ‚Großen Glaubensbekenntnisses von Nicäa’ und zum ‚Vater unser’ ein. Pastorin Kodweiß und Pfarrer Mette schlossen den Gottesdienst gemeinsam mit dem Segen. Die Lieder wurden von der Organistin der evangelisch-methodistischen Gemeinde und von Bernhard Kaburek aus Pforzheim-West begleitet. Zusätzlich sorgte Bruder Martin Ngnoubamdjum mit seinen Trommeln für Stimmung, in die hinein alle zu Getränken und Snacks in eine kurze Pause eingeladen wurden, bevor man sich nochmals in die Kirchenbänke setzte, um die Grußworte von Pfarrer Haizmann für die ACK Baden-Württemberg und von Frau Bürgermeisterin Monika Müller für die Stadt Pforzheim zur Eröffnung der Ökumenischen Friedensdekade 2015 zu hören.

 

Text und Bilder: Karl-Heinz Renner