Ausflug und Wallfahrt des Männervereins St. Antonius - St. Bernhard nach Freiburg und St. Peter - Maria Lindenberg (04. Juli 2015)

An einem der heißesten Tage des Jahres starteten 33 Männer aus ‚Pforzheim-West’ und aus weiteren Gemeinden der ‚Kirchengemeinde Pforzheim’ in Richtung Freiburg i.Br. Bei der Abfahrt um 8.00 Uhr zeigte das Thermometer bereits 26°C und die Temperatur stieg im Lauf des Tages auf mehr als 38°C an, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat, zumal das Businnere wohl temperiert war. Das Freiburger Münster, die Kathedralkirche unserer Erzdiözese, ist „Unserer Lieben Frau“ geweiht, und seit 1497 ist die Kapelle „Maria Lindenberg“ Wallfahrtskirche.

Beide Kirchen feiern ihr Patrozinium am 15. August, dem ‚Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel’ – Grund für uns während der Fahrt, Maria in einer kurzen Andacht als „die Hörende, die Empfangende, die für Gott ganz Offene“ anzurufen: „Hilf uns zu glauben wie du an den lebendigen und erfahrbaren Gott“ und sie zu grüßen mit dem Lied: „Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn“. Pfarrer Dr. Johannes Mette spendete zum Abschluss den Reisesegen. Die Fahrt verging wie im Flug. Wolfgang Pehnelt, der Vorsitzende des Männervereins, informierte zunächst über das ehemalige Benediktinerkloster St. Peter, das 1093 von dem Zähringer Herzog Berthold II gegründet worden war, 1806 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, von 1842 bis 2006 Priesterseminar der Erzdiözese war und heute ihr „Geistliches Zentrum“ beherbergt, dann über die Wallfahrt auf dem Lindenberg. Das Bildstöckchen in der Kerzenkapelle weist hin auf den Ursprung der Wallfahrt, eine „Gebetserhörung in schwerer Not“. Nach einer Marienerscheinung wurde eine Kapelle errichtet, nach einer weiteren Erscheinung wurde die Kapelle erweitert. Im Bauernkrieg von 1525 wurde das Gotteshaus geschändet, im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurden von 1670 an regelmäßig Gottesdienste gefeiert. 1787 wurde die Kapelle aufgrund eines kaiserlichen Dekretes abgerissen. Trotzdem fanden weiterhin Wallfahrten zum Lindenberg statt. Ohne Genehmigung und gegen den Widerstand der Obrigkeit entstand 1803/4 eine neue Kirche. Erst vom Oktober 1856 an erlaubte die Regierung die Wallfahrt zum Lindenberg. In den Jahren 1858 bis 1869 gab es durch Schwestern eine „Ewige Anbetung“. Anlässlich der Reise Bundeskanzler Konrad Adenauers nach Moskau nahm das Männerwerk der Erzdiözese im Jahr 1955 die „Gebetswache“ wieder auf - zunächst in der Ranftkapelle des Bruder Klaus und seit 1956 auf dem Lindenberg.

In Freiburg angekommen, führte uns der Weg zum Münster, dessen Bau im Jahr 1200 noch im romanischen Stil begonnen, dessen gotischer Turm 1330 fertig gestellt und das 1513 eingeweiht worden war, und wo uns Pfarrer Mette markante Punkte zeigte und erklärte. Er verwies beispielsweise auf die von verschiedenen Zünften gestifteten Buntglasfenster mit den Wappen der Stifter. Wir durchquerten den vor wenigen Jahren neu gestalteten Chorraum mit der Kathedra des Erzbischofs, und Pfarrer Mette zeigte uns das von Hans Baldung Grien zwischen 1512 und 1516 geschaffene Hochaltarbild mit der Marienkrönung im Zentrum und der Kreuzigung Christi auf der Rückseite, die vom Kapellenkranz aus zu sehen ist. Zum Abschluss besuchten wir die Gruft, in der seit 1964 die Erzbischöfe und die Weihbischöfe beigesetzt werden. Im Gedenken an sie beendeten wir unseren Besuch in der Gruft und im Münster mit dem Marienlied „Gegrüßet seist du Königin“.

Dr. László Strauß erwartete uns bereits beim Erzbischöflichen Ordinariat, um uns in einer Führung dieses von Raimund Jeblinger (1853-1937) in den Jahren 1903 bis 1906 erbaute Haus vorzustellen, das Erzbischof Dr. Thomas Nörber (1846-1920) einweihte und das sich im Stil an den Historismus und den Jugendstil anlehnt. Herr Strauß führte uns in den großen Sitzungssaal mit den Wappen der Erzbischöfe, in das beeindruckende Treppenhaus und in den Thomas-Nörber-Saal. Namens der Männer bedankte sich Pfarrer Mette mit einem Präsent bei seinem ehemaligen Klassenkameraden, mit dem er bis zum Abitur in Konstanz die Schulbank gedrückt hatte.

Nach dem Mittagessen im ‚Heiliggeist Stüble’ am Nordrand des Münsterplatzes fuhren wir auf den Lindenberg, wo wir eine ausführliche Pause genießen konnten: Sitzen auf einer Bank unter den Linden mit einem herrlichen Blick auf die Berge des südlichen Schwarzwaldes, eine Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen, einen Eiskaffee, eine Portion Eis – etwas Süßes schlemmen und sich dann um 16.00 Uhr zum Wallfahrtgottesdienst, zur Votivmesse ‚Maria von Nazaret’ in der Kirche versammeln. Eine Männergruppe aus dem Dekanat Bruchsal, die an diesem Tag zur ‚Gebetswache’ angereist war und vereinzelte Pilger feierten gemeinsam mit uns Eucharistie. Walter Krautschneider aus unserem Kreis, der selbst schon zu zahllosen Gebetswachen auf dem Lindenberg war, übernahm den Ministrantendienst. Pfarrer Dr. Johannes Mette zelebrierte und entwickelte seine Ansprache vom Evangelium her: Josef hatte einen Traum - er sollte mit seiner Familie nach Ägypten fliehen, um dem Kindermord des um seine Macht fürchtenden Herodes zu entgehen (Mt 2,13-15). Erst nach dem Tod des Herodes konnte die Familie in ihre Heimat zurückkehren (Mt 2,19-23). Damals wie heute sind Menschen vor Menschen auf der Flucht, betonte Pfarrer Mette, und er zeigte an der ausgewählten Perikope des Evangeliums, was wir heute von Maria und Josef lernen können und wie das beispielsweise Männer aus unserer Erzdiözese auf dem Lindenberg umsetzen.

Nach dem obligatorischen Gruppenbild vor der Kirche machten wir uns auf den Heimweg. Herr Pehnelt dankte Herrn Pfarrer Mette für seine Begleitung durch den Tag, den Männern für ihre Teilnahme und dem Busfahrer für seinen Dienst. Pfarrer Mette seinerseits fand lobende Worte für die gelungene Planung und Gestaltung des Tages durch Herrn Pehnelt. Schließlich würdigte der Busfahrer die Reisegruppe und drückte seine Hoffnung aus, sie bei ihrem nächsten Ausflug, ihrer nächsten Wallfahrt wieder fahren zu dürfen. Trotz der tropischen Temperaturen, die wir auch noch beim Aussteigen in Pforzheim spürten, waren alle begeistert von dem erlebten Tag und waren überzeugt, dass dies nicht der letzte gemeinsame Ausflug gewesen sein konnte!

Text: Karl-Heinz Renner
Fotos: Karl-Heinz Renner, Josef Scherer
Gruppenbild-Foto:Hans-Jürgen Engelberg