Reimpredigt am 6. So.i.J. – Feldrede Jesu – Lj. C: Lk 6,17ff. © Pfr. Dr. Johannes Mette, Pforzheim

Liebe Gemeinde,

 

am Fasnachtssonntag, den wir heute begehen,

darf die Predigt doch ruhig mal in Reimform entstehen.

Wissen Sie, von der Heimat her steckt mir das im Blut,

ein wenig närrisch zu sein, tut mir ganz einfach gut.

Frei bin ich immer, doch Narrenfreiheit ist mehr!

Dinge offen zu sagen ist gar nicht so schwer.

Durchaus Ernst, wie ein Gedicht,

verboten ist das sicher nicht.

In gereimter Form kann ich manches anders sagen,

als in den trockenen nicht-fasnachtlichen Tagen. 

Ich hoff‘, dass sich niemand nun wundert gar sehr

oder sich tut mit dieser Art der Predigt jetzt schwer.

Ist die Fasnacht in der Messe wirklich zu nennen,

soll man das eine vom andern nichts besser trennen?

Wer so denkt, der verkennt die reiche Tradition.

Denn in der Kirche gab es die Narren immer schon!

Spaßvögel, Querdenker und kritische Geister,

finden in der Fasnacht ihren Meister.

Die verkehrte Welt feiern wir in dieser Zeit,

Aus ganz wichtigen werden plötzlich normale Leut‘.

 

Früher musste an Fasnacht der Abt auf den Hocker,

der Novize spielte mal Chef, so ganz locker.

Wenn heute Rathäuser gestürmt und entmachtet werden,

einfache Narren sich als Bürgermeister gebärden,

Dann hat das schlicht eine gute Funktion,

denn Gott ist der einzige auf einem echten Thron.

Gott stürzt die Mächtigen und erhöht die Kleinen sehr

Der Satz stammt von Maria, und die war nicht irgendwer.

So steht eines fest und ist sicher ganz wahr:

Fasnacht und Kirche – das passt wunderbar!

 

Schauen wir also fasnachtlich in die Heilige Schrift.

Wort Gottes, das uns auch heute betrifft.

Auf einem Berg war Jesus mit seiner Jüngerschar,

und kaum dass die Bergtour beendet war, 

kamen Menschen aus den Orten, aus dem ganzen Gebiet;

wollten Jesus hören und brachten Erwartungen mit.

Am Fuß des Berges spricht Jesus dann, wie damals Mose.

Man nennt es die Feldrede Jesu, die große.

Die Feldrede entspricht der Bergpredigt, die ist bekannt.

Der Inhalt ist ähnlich und genauso interessant.

 

Nun, also, in diesem biblischen Stück,

richtet Jesus auf das Reich Gottes unseren Blick.

Einen hohen Anspruch er uns hier konstruiert.

Respekt vor jedem, der das ausprobiert!

Mit Seligpreisungen und Wehrufen Jesus erklärt,

dass irdische Sicherheit sich schnell ins Gegenteil kehrt. 

Wichtiger als Reichtum ist das einfache Leben

Also: Nicht Schätze raffen, sondern weitergeben.

Und: Mut für den Glauben steht an der ersten Stelle.

So deute ich diesen Text jetzt mal auf die Schnelle.

 

Nun mögt ihr fragen: ja, wie kann das gelingen,

Immer nur Gutes zustande zu bringen?

Ist das nicht schwer, immer gutwillig zu sein,

sind nicht viele nach außen gut, doch nur zum Schein?

Behält nicht letztlich doch der Stärkere recht,

fahren nicht die Sanftmütigen mit ihrer Art eher schlecht?

Reich Gottes – hat das nicht später im Himmel noch Zeit?

Ist mein Nachbar überhaupt auch zum Frieden bereit?

Warum soll ich mir als Christ denn den Mund verbrennen?

Und überhaupt: muss man immer in die Kirche rennen?

 

Ja, tatsächlich, viele bleiben dem Gottesdienst fern.

Die schlafen dann aus oder frühstücken gern.

‚Beten kann ich auch im Wald, in der freien Natur!‘

Ich denk dann immer: ‚Täten sie wenigstens das doch nur!‘

Aber ich will jetzt nicht den Zeigefinger erheben,

und urteilen über diese und jene im Leben.

Vielleicht strahlen wir als Gemeinde zu wenig nach außen,

müssten mutiger den Glauben bekennen da draußen.

Darum geht’s Jesus mit seiner Rede.

Hinstehen als Christ, ohne Angst vor der Fehde.

 

Diejenigen lässt Jesus seligpreisen,

die Zivilcourage trotz Schmähung beweisen. 

„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen…“

Das gilt auch heute: auf unsern Plätzen und Straßen.

Mancher wird in Schule und Beruf müde belächelt,

Christsein so hingestellt, wie wenn einer schwächelt,

Mancher Christ wird in der Vesperpause gelöchert.

‚Deine Kirche ist doof, ihr Christen verknöchert!‘

Hier heißt es, Visier nach oben und Paroli bieten,

das Gegenteil beweisen – auf allen Gebieten.

 

Auch wenn in der Bildzeitung dies oder jenes steht,

auch wenn der Spiegel wieder die Kirche schmäht,

auch wenn, wie man liest, selbst der ein oder andere Pater

verantwortlich ist für so manches große Theater,

Wenn auch die Kirche immer mit Fehlern behaftet ist:

Es gibt viel mehr Gutes in ihr als der Mist!  

Für den Papst brauchen wir uns sowieso nicht schämen, 

ehramtliches Engagement – auch kein Grund zum Grämen.  

Die Kirche führt auch heute viele Menschen zum Glück,

Kirche – das sind wir alle, jeder ein Stück.

 

Der tiefste Kern des Evangeliums heißt aber nicht Kampf,

unsere Berufung lautet nicht: produzier‘ mal viel Dampf!

Der Kern der Worte Jesu führt auf eine andere Spur,

Er möchte, dass wir ganz einfach barmherzig sind nur.

Barmherzig mit den anderen, den Mitmenschen hier,

Barmherzig mit uns selber, also barmherzig mit mir. 

Das heißt: So wie wir sind, dürfen wir sein hier auf Erden.

Aber: was wir sein können, sollen wir auch werden!

Nun ist es aber gut mit der hohen Philosophie.

Sonst langweile ich euch nur mit zu viel Theorie!

 

Die Fasnachtstage sind ein Geschenk und eine Chance.

Wohl dem, der sie feiert in der rechten Balance.

Ob wohl der Papst im Vatikan auch Fasching begeht?

Bei der Audienz heute mit einem bunten Käppi dasteht?

Offiziell muss er ja zu allem gute Mine machen.

Er soll immer, aber bloß nicht zu viel auf einmal lachen.

Soll ich euch was sagen, ich bin mir da fast sicher:

Nach so mancher Audienz gibt‘s mein Papst nur Gekicher. 

Wenn irgendeine ganz, ganz wichtige Person

mal heruntersteigen musste vom sonstigen Thron.

Da wären wir wieder am Ausgangspunkt, beim Thema.

Die Bibel richtet sich immer nach diesem Schema:

Aus klein wird groß und aus groß wird klein,

Gott lädt jeden zu seiner Freundschaft ein.

Wer hier das meiste Geld hat, hat drüben sicher keins;

Wer hier kaum beachtet war, ist im Himmel Nummer 1.

Frohe Botschaft, würde ich sagen, wirklich ein Trost.

Diese Botschaft hört ihr gratis, ohne Porto und Post. 

Nehmen wir mit in den Alltag diesen guten Samen.

Aber jetzt mach‘ ich Schluss und sag euch fröhlich: Amen! 

 

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