Reimpredigt: Mk 2,1-12 (7. Sonntag i.J., Lj. B)  Im Haus Jesu - © Pfr. Dr. Johannes Mette, Pforzheim

Es waren einmal vier Gestalten,

die taten ihres Amtes walten,

ihr Freund, der hatte ein Problem:

er war gelähmt und konnt‘ nicht gehn. 

Der Rollstuhl war noch nicht erfunden,

drum wurd‘ er einfach festgebunden,

auf einer Trage, ist doch klar,

sodass er transportabel war. 

Nun hörte man zu dieser Zeit:

Die Rettung, die ist gar nicht weit!

Da gibt es einen schlauen Mann,

der Kranke sogar heilen kann.

Zu Jesus, heißt es, sollen kommen

Sünder, Kranke und die Frommen.

Gelähmt zu sein, ja das ist schlimm.

Aus diesem Grunde: nichts wie hin!

 

Sie kamen nach Kapharnaum

und sahen sich im Städtchen um.

Wo wohnt er denn, der Herr und Meister?

Da sahen sie es – Scheibenkleister:

Menschen, Leute, massenweise,

keine Chance, umsonst die Reise!

Die Tür‘ belagert, alles dicht,

Heilung gibt es hier wohl nicht.

 

Der Traum zerplatzt wie ein Ballon,

weit weg scheint er, der Menschensohn.

Doch der Gelähmte hat ‘ne Idee:

„Aufs Dach hinauf, ab in die Höh‘!

Das Dach abdecken, ist nicht schwer,

Da ist nur Schilf, kein Pech und Teer,

Dann lasst mich runter, mit den Seilen,

vor Jesus hin, der soll mich heilen!“

 

Gesagt, getan, mit letzter Kraft,

man dieses Abenteuer schafft,

gespannt auf Jesus alle blicken,

wird er den Störenfried wegschicken?

Er sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben!“

Das ist das Wichtigste im Leben.

Nach dem Herzen heilt Jesus die Beine:

Der Gelähmte kann gehen – völlig alleine!

 

Dieses Evangelium, ihr lieben Leute,

dürfen wir gerne übersetzen ins Heute.

Was mir gefällt, ist der unbändige Wille,

Jesus nahe zu sein, ob in der Menge oder in Stille, 

auf uns wirkt das Manöver befremdlich

vom Dach herab – ist das nicht umständlich?

Und bei allem Respekt vor dem, der gelähmt –

Ein Loch in der Decke? Ist das nicht unverschämt?

Doch braucht es nicht manchmal den Mut zur Blamage?

Fehlt uns Christen nicht oft ein wenig Courage?

Der Kranke und seine Helfer bewiesen viel Mut,

sie wussten nicht, ob die Sache am Ende würd‘ gut.

Müssten wir nicht mehr für das Gute kämpfen?

Ist es richtig, alle Erwartungen stets zu dämpfen?

Wie rechnen wir mit Gott? – Das ist die große Frage!

Kann er helfen, ist er da, auch heute, dieser Tage?

 

Die erste Weise, sich für das Gute zu engagieren,

ist: das Beten mal wieder auszuprobieren!

Ob laut oder leise, ob Gesang oder Betrachtung,

Gott straft keinen Beter mit Missachtung.

Wir meinen oft, das Fürbittgebet

fruchte nur, wenn es sich gleich erfüllen tät‘!

Beim Gebet braucht es Hartnäckigkeit und Treue;

dranbleiben, nicht lockerlassen, immer aufs Neue.

 

Der zweite Weg, sich für das Gute einzusetzen,

liegt darin, das offene Wort sehr zu schätzen. 

Zum Beispiel gegen Gewalt auf die Straße zu gehen

oder auf den Ämtern für Schwache einstehen,

oder gegen Sonntagsarbeit die Stimme erheben

kämpfen um Würde und Schutz für das Leben.

Schweigen und Wegschauen sind keine Option,

Engagement und Zivilcourage dagegen schon!

Drittens, und das ist uns nicht immer so klar,

geschieht das Gute oft still und unscheinbar.

Viele Leute, auch hier aus unsrer Pfarrei,

die leisten sehr viel, ohne großes Geschrei,

sie pflegen daheim einen lieben Verwandten,

bemühen sich sehr um die Eltern und Tanten,

sind für Freunde und Bekannte in Not immer da,

packen an, sofort und ohne Trara.

 

Eine Pfarrei ist wie ein bunter Blumengarten,

da sind Menschen aus vielen Ländern und Sparten,

Kindergartenkinder und Erstkommunikanten,

Jugendliche, Firmlinge und Ministranten,

Erwachsene, alt, jung oder junggeblieben,

vor Ort geboren oder heimatvertrieben, -

sie alle können blühen, duften und strahlen,

wenn viele mitmachen statt nur groß zu prahlen.

 

Im Hause Jesu, in Kafarnaum, da ist was los.

Da sind sie alle, ob klein oder groß,

Kranke und Sünder, Einfache und Schriftgelehrte,

Zweifler, Interessenten und frisch Bekehrte,

nicht anders ist es auch hier in der Gemeinde,

wie schön, wenn’s nur Freunde gäb‘ und keine Feinde.

In Jesu Haus verschiedene Menschen gern kamen,

das wünsch ich auch uns, aber jetzt sag‘ ich: Amen. 

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Reimpredigt zu Mk 2-Mette,2012.pdf
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